Wandel, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Wandels · Nominativ Plural: Wandel · wird meist im Singular verwendet
Aussprache
WorttrennungWan-del (computergeneriert)
Wortbildung mit ›Wandel‹ als Letztglied: ↗Bedeutungswandel · ↗Begriffswandel · ↗Bewusstseinswandel · ↗Einstellungswandel · ↗Funktionswandel · ↗Klimawandel · ↗Kulturwandel · ↗Meinungswandel · ↗Mentalitätswandel · ↗Schicksalswandel · ↗Sprachwandel · ↗Stilwandel · ↗Strukturwandel · ↗Systemwandel · ↗Wertewandel · ↗Wertwandel
eWDG, 1977

Bedeutung

das Sich-Wandeln, die Wandlung
Beispiele:
ein tiefgreifender, grundlegender Wandel vollzieht sich (in etw., jmdm.)
auf diesem Gebiet ist ein Wandel eingetreten
ein Wandel der Situation, der Methoden
der Wandel von Wortformen, Begriffen
etw. befindet sich in ständigem Wandel
im Wandel der Zeit(en)im Verlauf der Geschichte, in dem sich die Dinge und Erscheinungen ändern
Beispiel:
eine ... Revue, die einen Querschnitt durch den Tanz im Wandel der Zeiten zeigt [Tageszeitung1963]
Wandel schaffenetw. ändern, verändern
Beispiel:
hier muss Wandel geschaffen werden
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

wandeln · Wandel · Wandlung · verwandeln · Wandelstern
wandeln Vb. ‘(sich) ändern, langsam gehen, hin und her gehen’, ahd. wantalōn ‘(sich) hin und her wenden, sich mit etw. abgeben, mit jmdm. verkehren, handeln, ändern, verwandeln’ (8. Jh.), mhd. wandeln ‘rückgängig machen, tauschen, wechseln, ändern, wenden, gerichtlich verhandeln, Ersatz leisten, tadeln, strafen’, intransitiv ‘wandern, reisen, gehen’, asächs. wandlon, mnd. mnl. wandelen ‘verändern, verkehren, gehen’, nl. wandelen ‘spazierengehen’, afries. wandelia ‘wandeln, verändern’ ist eine Iterativbildung zu einem in ahd. wantōn ‘wenden, verwandeln, sich ändern’ (8. Jh.), mhd. wanten ‘drehen’, aengl. wandian ‘zaudern, zurückschrecken, ablassen’ belegten Verb, das ablautend zu den unter ↗wenden und ↗winden (s. d.) behandelten Verben steht. Als Ausgangsbedeutung für das Iterativum ist ‘wiederholt wenden, hin und her wenden’ anzusetzen, woraus in übertragenem Sinne (mhd.) ‘hin und her überlegen, gerichtlich verhandeln’. Aus der intransitiven Gebrauchsweise ‘sich hin und her wenden’ entwickelt sich bereits im Ahd. ‘sich mit etw. abgeben, befassen, mit jmdm. verkehren’ (vgl. handeln und wandeln ‘verkehren’, bis ins 18. Jh.) einerseits und im 14. Jh. ‘gehen, wandern, reisen’ andererseits, so daß daraufhin wandeln semantisch mit ↗wandern übereinstimmen kann. Luther unterscheidet in seiner Bibelübersetzung wandeln ‘auf kleinerem Raum hin und her gehen’ von wandern ‘eine größere Strecke zurücklegen’. wandeln wird durch Klopstock im Sinne von ‘eine kurze Strecke hin und her spazieren’ wieder belebt. Die Bedeutung ‘ändern’ (bereits im Ahd. auch ‘wechseln, tauschen’) ist als ‘in eine andere Richtung wenden’ zu verstehen. Wandel m. ‘Veränderung, Verkehr, Lebensführung’, ahd. wantal ‘Verkehr, Umgang’ (9. Jh.), mhd. wandel ‘Rückgang, Änderung, Tausch, Wandelbarkeit, Makel, Fehler, Tadel, Ersatz, Buße, Umgang, Verkehr, Gang, Lebensführung’, aus dem Verb rückgebildet. Handel und Wandel ‘kaufmännischer Handel und Verkehr’ (17. Jh.). Wandlung f. ‘Veränderung’, ahd. wantalunga ‘das Hinundherbewegen, Verkehr, Veränderung’ (um 800), mhd. wandelunge ‘Änderung, Tausch, Wechsel, gerichtliche Verhandlung, Verzichtleistung, Gebrechen, Fehler, Gang, Lebenswandel, Umgang, Verkehr’. verwandeln Vb. ‘verändern’, ahd. firwantalōn (8. Jh.), mhd. verwandeln. Wandelstern m. ‘Planet’ in poetischer Umschreibung (Ende 17. Jh.), danach von Puristen als Ersatzwort empfohlen.

Thesaurus

Synonymgruppe
Austausch · ↗Transition · ↗Umbruch · Wandel · ↗Wandlung · ↗Wechsel · ↗Übergang
Unterbegriffe
Synonymgruppe
Instabilität · ↗Schnelllebigkeit · ↗Unbeständigkeit · Wandel · ↗Wechselhaftigkeit · fehlende Kontinuität · häufige Änderungen · ständiger Wandel
Assoziationen
Synonymgruppe
Umbruch · ↗Verwerfung · Wandel · ↗Änderung
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Annäherung Arbeitswelt Handel Kontinuität beschleunigt bewirken demographisch demokratisch dramatisch durchmachen friedlich fundamental gesellschaftlich greifend grundlegend grundsätzlich herbeiführen kulturell radikal rapid rasant rasch sozial stet strukturell ständig technologisch tiefgreifend unterwerfen vollziehen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Wandel‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Jeder hoffte auf einen Wandel, der aber politisch kaum verordnet werden kann.
Die Zeit, 26.08.2013, Nr. 11
Unter dem direkten Zwang zum ständigen Wandel steht natürlich die Wirtschaft.
Archiv der Gegenwart, 2001 [2000]
Dennoch spiegelt sich in ihm die Lage der Philosophie selbst im Wandel der Zeiten.
Wundt, Wilhelm: Erlebtes und Erkanntes. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1921], S. 1947
Denn schwerlich hätte sich sonst der Ärgernisstifter in seinem lästerlich überheblichen Wandel durch irgend etwas so sicher bestätigt gefühlt.
Hauptmann, Gerhart: Der Narr in Christo Emanuel Quint, Berlin: Aufbau-Verl. 1962 [1910], S. 252
Allerdings hat es dabei einen zweifachen Wandel der Bedeutung gegeben.
Krämer, Walter / Sauer, Wolfgang, Lexikon der populären Sprachirrtümer, Frankfurt a. M.: Eichborn 2001, S. 122
Zitationshilfe
„Wandel“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Wandel#1>, abgerufen am 18.10.2019.

Weitere Informationen …

Wandel, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Wandels · wird nur im Singular verwendet
Aussprache
WorttrennungWan-del (computergeneriert)
eWDG, 1977

Bedeutung

veraltet Lebenswandel
Beispiel:
Man kann sogar sagen, daß er dem losen Wandel der Frau ... Vorschub leistete [Th. MannLotte7,493]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

wandeln · Wandel · Wandlung · verwandeln · Wandelstern
wandeln Vb. ‘(sich) ändern, langsam gehen, hin und her gehen’, ahd. wantalōn ‘(sich) hin und her wenden, sich mit etw. abgeben, mit jmdm. verkehren, handeln, ändern, verwandeln’ (8. Jh.), mhd. wandeln ‘rückgängig machen, tauschen, wechseln, ändern, wenden, gerichtlich verhandeln, Ersatz leisten, tadeln, strafen’, intransitiv ‘wandern, reisen, gehen’, asächs. wandlon, mnd. mnl. wandelen ‘verändern, verkehren, gehen’, nl. wandelen ‘spazierengehen’, afries. wandelia ‘wandeln, verändern’ ist eine Iterativbildung zu einem in ahd. wantōn ‘wenden, verwandeln, sich ändern’ (8. Jh.), mhd. wanten ‘drehen’, aengl. wandian ‘zaudern, zurückschrecken, ablassen’ belegten Verb, das ablautend zu den unter ↗wenden und ↗winden (s. d.) behandelten Verben steht. Als Ausgangsbedeutung für das Iterativum ist ‘wiederholt wenden, hin und her wenden’ anzusetzen, woraus in übertragenem Sinne (mhd.) ‘hin und her überlegen, gerichtlich verhandeln’. Aus der intransitiven Gebrauchsweise ‘sich hin und her wenden’ entwickelt sich bereits im Ahd. ‘sich mit etw. abgeben, befassen, mit jmdm. verkehren’ (vgl. handeln und wandeln ‘verkehren’, bis ins 18. Jh.) einerseits und im 14. Jh. ‘gehen, wandern, reisen’ andererseits, so daß daraufhin wandeln semantisch mit ↗wandern übereinstimmen kann. Luther unterscheidet in seiner Bibelübersetzung wandeln ‘auf kleinerem Raum hin und her gehen’ von wandern ‘eine größere Strecke zurücklegen’. wandeln wird durch Klopstock im Sinne von ‘eine kurze Strecke hin und her spazieren’ wieder belebt. Die Bedeutung ‘ändern’ (bereits im Ahd. auch ‘wechseln, tauschen’) ist als ‘in eine andere Richtung wenden’ zu verstehen. Wandel m. ‘Veränderung, Verkehr, Lebensführung’, ahd. wantal ‘Verkehr, Umgang’ (9. Jh.), mhd. wandel ‘Rückgang, Änderung, Tausch, Wandelbarkeit, Makel, Fehler, Tadel, Ersatz, Buße, Umgang, Verkehr, Gang, Lebensführung’, aus dem Verb rückgebildet. Handel und Wandel ‘kaufmännischer Handel und Verkehr’ (17. Jh.). Wandlung f. ‘Veränderung’, ahd. wantalunga ‘das Hinundherbewegen, Verkehr, Veränderung’ (um 800), mhd. wandelunge ‘Änderung, Tausch, Wechsel, gerichtliche Verhandlung, Verzichtleistung, Gebrechen, Fehler, Gang, Lebenswandel, Umgang, Verkehr’. verwandeln Vb. ‘verändern’, ahd. firwantalōn (8. Jh.), mhd. verwandeln. Wandelstern m. ‘Planet’ in poetischer Umschreibung (Ende 17. Jh.), danach von Puristen als Ersatzwort empfohlen.

Thesaurus

Synonymgruppe
Austausch · ↗Transition · ↗Umbruch · Wandel · ↗Wandlung · ↗Wechsel · ↗Übergang
Unterbegriffe
Synonymgruppe
Instabilität · ↗Schnelllebigkeit · ↗Unbeständigkeit · Wandel · ↗Wechselhaftigkeit · fehlende Kontinuität · häufige Änderungen · ständiger Wandel
Assoziationen
Synonymgruppe
Umbruch · ↗Verwerfung · Wandel · ↗Änderung
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Annäherung Arbeitswelt Handel Kontinuität beschleunigt bewirken demographisch demokratisch dramatisch durchmachen friedlich fundamental gesellschaftlich greifend grundlegend grundsätzlich herbeiführen kulturell radikal rapid rasant rasch sozial stet strukturell ständig technologisch tiefgreifend unterwerfen vollziehen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Wandel‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Jeder hoffte auf einen Wandel, der aber politisch kaum verordnet werden kann.
Die Zeit, 26.08.2013, Nr. 11
Unter dem direkten Zwang zum ständigen Wandel steht natürlich die Wirtschaft.
Archiv der Gegenwart, 2001 [2000]
In selbiger Pause sprach mich sehr freundlich Paul Wandel an.
Klemperer, Victor: [Tagebuch] 1953. In: ders., So sitze ich denn zwischen allen Stühlen, Berlin: Aufbau-Verl. 1999 [1953], S. 399
Dennoch spiegelt sich in ihm die Lage der Philosophie selbst im Wandel der Zeiten.
Wundt, Wilhelm: Erlebtes und Erkanntes. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1921], S. 1947
Denn schwerlich hätte sich sonst der Ärgernisstifter in seinem lästerlich überheblichen Wandel durch irgend etwas so sicher bestätigt gefühlt.
Hauptmann, Gerhart: Der Narr in Christo Emanuel Quint, Berlin: Aufbau-Verl. 1962 [1910], S. 252
Zitationshilfe
„Wandel“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Wandel#2>, abgerufen am 18.10.2019.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
Wanddicke
Wanddekoration
Wandbrett
Wandbord
Wandbild
Wandelaltar
Wandelanleihe
wandelbar
Wandelbarkeit
Wandelgang