Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Wandel, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Wandels · Nominativ Plural: Wandel · wird meist im Singular verwendet
Aussprache 
Worttrennung Wan-del
eWDG

Bedeutung

das Sich-Wandeln, die Wandlung
Beispiele:
ein tiefgreifender, grundlegender Wandel vollzieht sich (in etw., jmdm.)
auf diesem Gebiet ist ein Wandel eingetreten
ein Wandel der Situation, der Methoden
der Wandel von Wortformen, Begriffen
etw. befindet sich in ständigem Wandel
im Wandel der Zeit(en) (= im Verlauf der Geschichte, in dem sich die Dinge und Erscheinungen ändern)
Beispiel:
eine […] Revue, die einen Querschnitt durch den Tanz im Wandel der Zeiten zeigt [ Tageszeitung1963]
Wandel schaffen (= etw. ändern, verändern)
Beispiel:
hier muss Wandel geschaffen werden
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

wandeln · Wandel · Wandlung · verwandeln · Wandelstern
wandeln Vb. ‘(sich) ändern, langsam gehen, hin und her gehen’, ahd. wantalōn ‘(sich) hin und her wenden, sich mit etw. abgeben, mit jmdm. verkehren, handeln, ändern, verwandeln’ (8. Jh.), mhd. wandeln ‘rückgängig machen, tauschen, wechseln, ändern, wenden, gerichtlich verhandeln, Ersatz leisten, tadeln, strafen’, intransitiv ‘wandern, reisen, gehen’, asächs. wandlon, mnd. mnl. wandelen ‘verändern, verkehren, gehen’, nl. wandelen ‘spazierengehen’, afries. wandelia ‘wandeln, verändern’ ist eine Iterativbildung zu einem in ahd. wantōn ‘wenden, verwandeln, sich ändern’ (8. Jh.), mhd. wanten ‘drehen’, aengl. wandian ‘zaudern, zurückschrecken, ablassen’ belegten Verb, das ablautend zu den unter wenden und winden (s. d.) behandelten Verben steht. Als Ausgangsbedeutung für das Iterativum ist ‘wiederholt wenden, hin und her wenden’ anzusetzen, woraus in übertragenem Sinne (mhd.) ‘hin und her überlegen, gerichtlich verhandeln’. Aus der intransitiven Gebrauchsweise ‘sich hin und her wenden’ entwickelt sich bereits im Ahd. ‘sich mit etw. abgeben, befassen, mit jmdm. verkehren’ (vgl. handeln und wandeln ‘verkehren’, bis ins 18. Jh.) einerseits und im 14. Jh. ‘gehen, wandern, reisen’ andererseits, so daß daraufhin wandeln semantisch mit wandern übereinstimmen kann. Luther unterscheidet in seiner Bibelübersetzung wandeln ‘auf kleinerem Raum hin und her gehen’ von wandern ‘eine größere Strecke zurücklegen’. wandeln wird durch Klopstock im Sinne von ‘eine kurze Strecke hin und her spazieren’ wieder belebt. Die Bedeutung ‘ändern’ (bereits im Ahd. auch ‘wechseln, tauschen’) ist als ‘in eine andere Richtung wenden’ zu verstehen. – Wandel m. ‘Veränderung, Verkehr, Lebensführung’, ahd. wantal ‘Verkehr, Umgang’ (9. Jh.), mhd. wandel ‘Rückgang, Änderung, Tausch, Wandelbarkeit, Makel, Fehler, Tadel, Ersatz, Buße, Umgang, Verkehr, Gang, Lebensführung’, aus dem Verb rückgebildet. Handel und Wandel ‘kaufmännischer Handel und Verkehr’ (17. Jh.). Wandlung f. ‘Veränderung’, ahd. wantalunga ‘das Hinundherbewegen, Verkehr, Veränderung’ (um 800), mhd. wandelunge ‘Änderung, Tausch, Wechsel, gerichtliche Verhandlung, Verzichtleistung, Gebrechen, Fehler, Gang, Lebenswandel, Umgang, Verkehr’. verwandeln Vb. ‘verändern’, ahd. firwantalōn (8. Jh.), mhd. verwandeln. Wandelstern m. ‘Planet’ in poetischer Umschreibung (Ende 17. Jh.), danach von Puristen als Ersatzwort empfohlen.

Typische Verbindungen zu ›Wandel‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Wandel‹.

Verwendungsbeispiele für ›Wandel‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Denn schwerlich hätte sich sonst der Ärgernisstifter in seinem lästerlich überheblichen Wandel durch irgend etwas so sicher bestätigt gefühlt. [Hauptmann, Gerhart: Der Narr in Christo Emanuel Quint, Berlin: Aufbau-Verl. 1962 [1910], S. 252]
Wo sie überhaupt politisch denkt, glaubt sie damit auch an einen Wandel des politischen Bewußtseins. [Weizsäcker, Carl Friedrich von: Bewußtseinswandel, München: Hanser 1988, S. 142]
Vielleicht ist es zweckmäßig, den Begriff des sozialen Wandels hierfür zu reservieren. [Luhmann, Niklas: Soziale Systeme, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1984, S. 601]
Unter dem direkten Zwang zum ständigen Wandel steht natürlich die Wirtschaft. [Archiv der Gegenwart, 2001 [2000]]
Der Wandel in den Köpfen hat stattgefunden, es hapert bei der praktischen Umsetzung. [Die Zeit, 14.10.1999, Nr. 42]
Zitationshilfe
„Wandel“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Wandel#1>.

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Wandel, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Wandels · wird nur im Singular verwendet
Aussprache 
Worttrennung Wan-del
Wortbildung  mit ›Wandel‹ als Letztglied: Lebenswandel · Lustwandel
eWDG

Bedeutung

veraltet Lebenswandel
Beispiel:
Man kann sogar sagen, daß er dem losen Wandel der Frau […] Vorschub leistete […] [ Th. MannLotte7,493]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

wandeln · Wandel · Wandlung · verwandeln · Wandelstern
wandeln Vb. ‘(sich) ändern, langsam gehen, hin und her gehen’, ahd. wantalōn ‘(sich) hin und her wenden, sich mit etw. abgeben, mit jmdm. verkehren, handeln, ändern, verwandeln’ (8. Jh.), mhd. wandeln ‘rückgängig machen, tauschen, wechseln, ändern, wenden, gerichtlich verhandeln, Ersatz leisten, tadeln, strafen’, intransitiv ‘wandern, reisen, gehen’, asächs. wandlon, mnd. mnl. wandelen ‘verändern, verkehren, gehen’, nl. wandelen ‘spazierengehen’, afries. wandelia ‘wandeln, verändern’ ist eine Iterativbildung zu einem in ahd. wantōn ‘wenden, verwandeln, sich ändern’ (8. Jh.), mhd. wanten ‘drehen’, aengl. wandian ‘zaudern, zurückschrecken, ablassen’ belegten Verb, das ablautend zu den unter wenden und winden (s. d.) behandelten Verben steht. Als Ausgangsbedeutung für das Iterativum ist ‘wiederholt wenden, hin und her wenden’ anzusetzen, woraus in übertragenem Sinne (mhd.) ‘hin und her überlegen, gerichtlich verhandeln’. Aus der intransitiven Gebrauchsweise ‘sich hin und her wenden’ entwickelt sich bereits im Ahd. ‘sich mit etw. abgeben, befassen, mit jmdm. verkehren’ (vgl. handeln und wandeln ‘verkehren’, bis ins 18. Jh.) einerseits und im 14. Jh. ‘gehen, wandern, reisen’ andererseits, so daß daraufhin wandeln semantisch mit wandern übereinstimmen kann. Luther unterscheidet in seiner Bibelübersetzung wandeln ‘auf kleinerem Raum hin und her gehen’ von wandern ‘eine größere Strecke zurücklegen’. wandeln wird durch Klopstock im Sinne von ‘eine kurze Strecke hin und her spazieren’ wieder belebt. Die Bedeutung ‘ändern’ (bereits im Ahd. auch ‘wechseln, tauschen’) ist als ‘in eine andere Richtung wenden’ zu verstehen. – Wandel m. ‘Veränderung, Verkehr, Lebensführung’, ahd. wantal ‘Verkehr, Umgang’ (9. Jh.), mhd. wandel ‘Rückgang, Änderung, Tausch, Wandelbarkeit, Makel, Fehler, Tadel, Ersatz, Buße, Umgang, Verkehr, Gang, Lebensführung’, aus dem Verb rückgebildet. Handel und Wandel ‘kaufmännischer Handel und Verkehr’ (17. Jh.). Wandlung f. ‘Veränderung’, ahd. wantalunga ‘das Hinundherbewegen, Verkehr, Veränderung’ (um 800), mhd. wandelunge ‘Änderung, Tausch, Wechsel, gerichtliche Verhandlung, Verzichtleistung, Gebrechen, Fehler, Gang, Lebenswandel, Umgang, Verkehr’. verwandeln Vb. ‘verändern’, ahd. firwantalōn (8. Jh.), mhd. verwandeln. Wandelstern m. ‘Planet’ in poetischer Umschreibung (Ende 17. Jh.), danach von Puristen als Ersatzwort empfohlen.

Typische Verbindungen zu ›Wandel‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Wandel‹.

Verwendungsbeispiele für ›Wandel‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Denn schwerlich hätte sich sonst der Ärgernisstifter in seinem lästerlich überheblichen Wandel durch irgend etwas so sicher bestätigt gefühlt. [Hauptmann, Gerhart: Der Narr in Christo Emanuel Quint, Berlin: Aufbau-Verl. 1962 [1910], S. 252]
Wo sie überhaupt politisch denkt, glaubt sie damit auch an einen Wandel des politischen Bewußtseins. [Weizsäcker, Carl Friedrich von: Bewußtseinswandel, München: Hanser 1988, S. 142]
Vielleicht ist es zweckmäßig, den Begriff des sozialen Wandels hierfür zu reservieren. [Luhmann, Niklas: Soziale Systeme, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1984, S. 601]
In selbiger Pause sprach mich sehr freundlich Paul Wandel an. [Klemperer, Victor: [Tagebuch] 1953. In: ders., So sitze ich denn zwischen allen Stühlen, Berlin: Aufbau-Verl. 1999 [1953], S. 399]
Unter dem direkten Zwang zum ständigen Wandel steht natürlich die Wirtschaft. [Archiv der Gegenwart, 2001 [2000]]
Zitationshilfe
„Wandel“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Wandel#2>.

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