Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Wegzehrung, die

Grammatik Substantiv (Femininum)
Aussprache 
Worttrennung Weg-zeh-rung
Wortzerlegung Weg Zehrung
eWDG

Bedeutungen

1.
veraltend kleiner Vorrat an Essen, Nahrungsmitteln für eine Wanderung, Reise
Beispiele:
Wegzehrung mitnehmen
jmdm. Wegzehrung mitgeben
ein Stück Brot und Wurst als Wegzehrung in der Tasche [ ScharrerIn jungen Jahren183]
2.
Religion Kommunion, die ein (in Todesgefahr schwebender) Kranker empfängt
Beispiele:
die heilige Wegzehrung empfangen
der Priester reichte dem Sterbenden die letzte Wegzehrung
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

zehren · verzehren · Verzehr · Zehrung · Wegzehrung · auszehren · Auszehrung
zehren Vb. ‘von etw. leben, sich von etw. ernähren, die (körperlichen) Kräfte verbrauchen, schwächen’. Das nur im Dt. und Nl. begegnende Verb mhd. zer(e)n ‘für die Ernährung Aufwand treiben, leben, essen, sich nähren von, verbrauchen’, auch ‘zerreißen, vernichten’ (s. das nachfolgend genannte starke Verb), asächs. terian ‘verzehren’, mnd. mnl. tēren ‘(ver)zehren’, nl. teren ‘zehren, sich ernähren’ gehört als jüngere (kausative?) j-Bildung (germ. *tarjan) zu dem in mhd. Zeit untergegangenen starken Verb ahd. zeran ‘streiten’ (8. Jh.), ‘einen Kampf beenden’ (um 1000), mhd. zerzern ‘zerreißen’, aengl. teran, engl. to tear, got. distaíran ‘zerreißen’, gataíran ‘zerreißen, zerstören’ (germ. *teran). Außergerm. sind verwandt aind. (mit Nasalpräsens) dṛṇā́ti ‘birst, macht bersten, sprengt, zerreißt’, griech. dérein (δέρειν) ‘abhäuten, schinden, mißhandeln, prügeln’, kymr. darn ‘Stück, Teil’, lit. dir̃ti ‘(zer)reißen, prügeln, schinden, die Haut abziehen’, aslaw. dьrati ‘schinden, reißen, schlagen’, russ. drat’ (драть) ‘reißen, zerren, laufen, flüchten’. Alle Formen lassen sich auf die Wurzel ie. *der(ə)-, *drē- ‘schinden, (ab)spalten’ zurückführen (s. auch zerren sowie Torf, trennen, Troddel, Trotz, Zorn). Als Ausgangsbedeutung für zehren ist ‘(Fleisch) beim Essen zerreißen’ anzunehmen. – verzehren Vb. ‘essen (und trinken), bis nichts mehr übrig ist, aufbrauchen’, reflexiv ‘sich abhärmen’, mhd. verzer(e)n; dazu die Rückbildung Verzehr m. (18. Jh.), vgl. älteres Zehr m. ‘Mahlzeit, Gelage, Essen und Trinken’ (um 1600) und Zehre f. (bis 17. Jh.), mhd. zer(e) f. Zehrung f. ‘was man verzehrt oder zum Unterhalt braucht’, mhd. zerunge; Wegzehrung f. (16. Jh.). auszehren Vb. ‘körperlich sehr schwächen, entkräften’, älter auch ‘verzehren, alles aufessen, aufbrauchen, aufhören zu verzehren’ (15. Jh.); Auszehrung f. ‘krankhafte Abmagerung, Schwindsucht’ (18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Sterbekommunion · Viatikum · Wegzehrung
Oberbegriffe
Synonymgruppe
Lunchpaket · Marschverpflegung · Mundvorrat · Wegzehrung  ●  Reiseproviant  Hauptform · Futterage  fachspr., veraltet, Jargon, militärisch
Oberbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›Wegzehrung‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Wegzehrung‹.

Verwendungsbeispiele für ›Wegzehrung‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Ihre Augen tranken das stille Dunkel wie die letzte Wegzehrung. [Aichinger, Ilse: Die größere Hoffnung, Frankfurt a. M.: S. Fischer 1966 [1948], S. 42]
Die in Dollar ausgezahlte erste olympische Wegzehrung hatte jeder mitgenommen. [Der Spiegel, 04.08.1980]
Sie unterscheiden sich von gewöhnlicher Wegzehrung vor allem dadurch, dass sie haltbarer und leichter zu transportieren sind. [Die Zeit, 31.08.2009, Nr. 35]
Notfalls ist für Wegzehrung gesorgt, die Wasag ist reich an stillen Reserven. [Die Zeit, 01.02.1971, Nr. 05]
Davon habe ich einer Gefangenen eine Wegzehrung geschenkt von 100 Mark. [Süddeutsche Zeitung, 22.07.2000]
Zitationshilfe
„Wegzehrung“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Wegzehrung>.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
Wegwurf
Wegwespe
Wegwerfwindel
Wegwerfrakete
Wegwerfgesellschaft
Wegzeichen
Wegzeit
Wegzoll
Wegzug
Wegzugsbesteuerung