Wehmut, die
GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Wehmut · wird nur im Singular verwendet
Aussprache
WorttrennungWeh-mut (computergeneriert)
Wortbildung mit ›Wehmut‹ als Erstglied: ↗wehmutsvoll  ·  Ableitung von ›Wehmut‹: ↗wehmütig
eWDG, 1977

Bedeutung

sanfte Trauer, leiser Schmerz (um etw. Vergangenes, Verlorenes)
Beispiele:
jmdn. erfasst, ergreift Wehmut
jmdn. beschleicht Wehmut gehoben
in stiller Wehmut, voll Wehmut gedachte er seiner Jugend
mit heimlicher Wehmut an etw. zurückdenken
sich einer tiefen Wehmut nicht erwehren können
Tränen der Wehmut
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Wehmut · wehmütig · Wehmütigkeit
Wehmut f. ‘traurige, sentimentale Stimmung, Schmerz um Vergangenes’, offensichtlich Übernahme von älterem mnd. wēmōt m. ‘Zorn, Schmerz, tiefe Traurigkeit’ in die hd. Literatursprache (schles. 15. Jh., dann bei Luther, noch im 17. Jh. vorwiegend bei omd. Schriftstellern); wohl Rückbildung aus mnd. wēmōdich Adj. ‘tief betrübt, voller Schmerz, jammernd, kleinmütig, verzagt’, das als wehmütig ‘betrübt, Vergangenem nachtrauernd’ im 16. Jh. (Luther ‘voll ohnmächtigen Zorns, kleinmütig, verzagt, tief betrübt’) in der Literatursprache Fuß faßt und bes. im 18. Jh. attributiv zu Ausdrücken der Empfindung und des Gefühls hinzutritt, vgl. wehmütige Empfindung, Entzückung, Freude, Trauer u. dgl. Auch Wehmütigkeit f. (15. Jh.) beruht wohl wie die gesamte Wortgruppe auf Übernahme aus dem Mnd., vgl. mnd. wēmōdichēt ‘Betrübnis, Leid, Kleinmütigkeit’. Der Übergang des Maskulinums Wehmut zum fem. Genus vollzieht sich wahrscheinlich unter Einfluß von Demut. Zur Etymologie s. ↗weh und ↗Mut.

Thesaurus

Synonymgruppe
Bedrücktheit · ↗Freudlosigkeit · ↗Gedrücktheit · ↗Melancholie · ↗Niedergeschlagenheit · ↗Schwermut · ↗Traurigkeit · ↗Trübsal · ↗Trübsinn · ↗Weltschmerz · schlechte Laune  ●  ↗Tristesse  franz. · (eine) Depri  ugs. · ↗Depression  fachspr., medizinisch · ↗Depressivität  fachspr. · Leiden an der Welt  geh. · ↗Miesepetrigkeit  ugs.
Oberbegriffe
Assoziationen
  • Depressivität · depressive Grundstimmung
  • Furchtsamkeit · ↗Kleinmut · Kleinmütigkeit · ↗Mutlosigkeit · ↗Verzagtheit · ↗Ängstlichkeit  ●  Angst vor der eigenen Courage  ugs. · Decouragiertheit  geh. · Defaitismus  geh., schweiz. · ↗Defätismus  geh.
  • manisch-depressive Erkrankung  veraltet · bipolare affektive Störung  fachspr., medizinisch
  • Lebenskrise · ↗Sinnkrise · existentielle Krise · existenzielle Krise
  • Depression · depressive Erkrankung · depressive Störung  ●  depressive Episode  medizinisch · (eine) Depri  ugs.
DWDS-Wortprofil

Typische Verbindungen
computergeneriert

Abschied Anflug Bitterkeit Hauch Melancholie Nostalgie Stolz Trauer Traurigkeit Vorfreude Weltschmerz Wermut Wonne Zärtlichkeit aufkommt befällt beschleicht durchklingt gewissen leise mischt mitklingt mitschwingt nostalgische verspürt zurückblickt zurückdenkt zurückerinnert zurückschauen überkommt

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Wehmut‹.

DWDS-Beispielextraktor

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Da schwingt oft auch ein wenig Wehmut über den Untergang mit.
Die Welt, 09.03.2005
Mit Wehmut denkt Glos an den Beginn des vergangenen Jahres zurück.
Süddeutsche Zeitung, 05.01.2000
Mit großer Wehmut schicke ich Dir dieses Jahr das Päckchen ab.
Brief von Irene G. an Ernst G. vom 08.12.1944, Feldpost-Archive mkb-fp-0270
Dies hingegen war mir zu stark, der Zorn ließ mir keine Zeit mehr, der Wehmut nachzuhängen.
Hesse, Hermann: Der Steppenwolf, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1955 [1927], S. 204
Sie hatte aber in ihrem Leben erfahren, daß es besser sei, Leid und Wehmut zu fliehen.
Koeppen, Wolfgang: Der Tod in Rom. In: ders., Drei Romane, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1972 [1954], S. 388
Zitationshilfe
„Wehmut“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Wehmut>, abgerufen am 21.09.2017.

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