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Wehrersatzdienst, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Wehrersatzdienst(e)s · Nominativ Plural: Wehrersatzdienste · wird selten im Plural verwendet
Aussprache  [ˈveːɐ̯ʔɛɐ̯ˌzaʦdiːnst]
Worttrennung Wehr-er-satz-dienst
Wortzerlegung Wehr1 Ersatzdienst
ZDL-Vollartikel

Bedeutung

Dienst, den Wehrpflichtige (im Falle der Kriegsdienstverweigerung) anstelle des Militärdienstes ableisten; mehrjährige Verpflichtung zur Mitwirkung in anerkannten Organisationen des Zivil- und Katastrophenschutzes, die Wehrpflichtige als Ersatz für die Ableistung des Militärdienstes eingehen
Synonym zu Ersatzdienst (1), siehe auch Zivildienst
In vielen Ländern kann der Dienst an der Waffe aus Gewissensgründen verweigert werden. In Österreich ist dies seit 1975 möglich, in der Schweiz seit 1992. In Deutschland ist mit der Aussetzung der Wehrpflicht 2011 auch der Wehrersatzdienst entfallen. An seiner Stelle wurde der Bundesfreiwilligendienst ins Leben gerufen.
Beispiele:
Als Totalverweigerung oder »totale Kriegsdienstverweigerung« bezeichnet man die Verweigerung des Wehrdienstes und aller Wehrersatzdienste. [Neue Westfälische, 16.06.2007]
Zur Erinnerung: Bis zum Jahr 2011 galt in Deutschland die allgemeine Wehrpflicht. Bis dahin mussten junge Männer zur Bundeswehr oder Zivildienst leisten, auch Wehrersatzdienst genannt. [Reutlinger General-Anzeiger, 30.04.2022]
Beim Gedenkdienst handelt sich um einen österreichischen Wehrersatzdienst, der mindestens zwölf Monate im Ausland absolviert wird, hauptsächlich in Holocaust‑Gedenkstätten. [Der Standard, 01.02.2012]
[…] die Abschaffung des Wehrdienstes und damit verbunden der Wegfall des Wehrersatzdienstes stelle das THW (= Technische Hilfswerk) vor eine neue Herausforderung bei der Gewinnung engagierter Helfer. [Schweriner Volkszeitung, 14.12.2011]
Seit mit der Wehrpflicht auch der »Wehrersatzdienst« abgeschafft wurde, sollen Tätigkeiten für die Gemeinschaft allen Männern und Frauen ab 18 Jahren offen stehen – ohne Altersbegrenzung nach oben. Ab Juli soll es dafür den neuen Bundesfreiwilligendienst geben. […] »Der Dienst soll in gemeinwohlorientierten Einrichtungen geleistet werden und die bisherigen Tätigkeitsfelder des Zivildienstes abdecken«, erklärt Antje M[…], Pressesprecherin des Bundesamtes für den Zivildienst in Köln. [Schweriner Volkszeitung, 19.04.2011]
Derzeit sind Zivildienern Berufe, für die eine Nutzung von Waffen erforderlich ist, verwehrt. Vormalige Zivildiener dürfen bis zum 50. Lebensjahr keinem Wachkörper angehören, und auch andere Jobs wie Förster sind für sie auf längere Zeit unmöglich, da ein 15‑jähriges Waffenverbot nach Absolvierung des Wehrersatzdienstes gilt. Dazu verpflichten sich die Zivildiener in der sogenannten Gewissensklausel. Das ist jener Passus, mit dem sie schriftlich festhalten müssen, dass sie aus moralischen Gründen den Dienst mit der Waffe ablehnen. Gekoppelt ist diese Verpflichtung an ein 15‑jähriges Waffenverbot. [Der Standard, 19.04.2010]
Entwicklungshelfer oder Bewerber, die sich auf den Entwicklungsdienst vorbereiten, werden nicht zum Wehrdienst herangezogen, auch nicht zum Wehrersatzdienst. Die Pflicht, Grundwehrdienst zu leisten, erlischt nach zwei Jahren Tätigkeit im Entwicklungsdienst. Wer vor Vollendung des 21. Lebensjahres vom DED (= Deutscher Entwicklungsdienst) abgenommen wurde, muß ebenfalls keinen Wehr‑ oder Wehrersatzdienst leisten, wenn er sich auf seine Tätigkeit vorbereitet. [Die Zeit, 01.06.1973, Nr. 23]
spezieller in der DDR   (den regulären Wehrdienst bei der Nationalen Volksarmee ersetzender) Dienst von wehrpflichtigen Personen als Angehörige der Bereitschafts- oder Transportpolizei, des Wachregiments des Ministeriums für Staatssicherheit, der Einheiten der Zivilverteidigung oder bei den Baueinheiten der Nationalen Volksarmee
Beispiele:
Als Militärschöffen können Angehörige der NVA (= Nationale Volksarmee) oder der Organe des Wehrersatzdienstes (Dienst in VP(= Volkspolizei)‑Bereitschaften, Einheiten der Transportpolizei u. a.) gewählt werden, die das 21. Lebensjahr vollendet und mindestens drei Monate Wehr‑ oder Wehrersatzdienst qeleistet haben. [Berliner Zeitung, 15.12.1971]
In der DDR wurde 1962 ein 18‑monatiger Grundwehrdienst für alle Männer zwischen 18 und 26 Jahren eingeführt. Einen zivilen Wehrersatzdienst gab es nicht, die einzige Alternative war, als »Bausoldat« den Dienst ohne Waffe abzuleisten. [Schweriner Volkszeitung, 12.05.2022]
Mit dem 7. September 1964 wurde [in der Deutschen Demokratischen Republik] durch Anordnung des Nationalen Verteidigungsrates im Bereich des Ministeriums für nationale Verteidigung in Baueinheiten ein waffenloser Wehrersatzdienst möglich für die, [die] »aus religiösen Anschauungen oder aus ähnlichen Gründen den Wehrdienst mit der Waffe ablehnen.« [Schweriner Volkszeitung, 18.07.2011]
In der Eliteschmiede des Ministeriums für Staatssicherheit […] wollte der […] Olympiamanager seinen dreijährigen Wehrersatzdienst leisten. [Die Welt, 04.10.2003]
Die im Gesetz geregelte Führung der Zivilverteidigung durch den Minister für Nationale Verteidigung und die Festlegung des Nationalen Verteidigungsrates, daß die in einem Dienstverhältnis stehenden Angehörigen der Zivilverteidigung Wehrersatzdienst leisten, steht in Übereinstimmung mit den entsprechenden Bestimmungen des Völkerrechts und mit unseren inneren staatsrechtlichen Regelungen. [Neues Deutschland, 14.10.1978]

letzte Änderung:

Typische Verbindungen zu ›Wehrersatzdienst‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Wehrersatzdienst‹.

Zitationshilfe
„Wehrersatzdienst“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Wehrersatzdienst>.

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