Weichbild, das

GrammatikSubstantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Weichbild(e)s · Nominativ Plural: Weichbilder
Aussprache
WorttrennungWeich-bild (computergeneriert)
eWDG, 1977

Bedeutung

das innerhalb der Ortsgrenzen, Stadtgrenzen liegende Gebiet
Beispiele:
das Weichbild der Stadt betreten
das Haus lag noch im Weichbild der Stadt
er ist nie über das Weichbild seiner Vaterstadt hinausgekommen
die Wälder erstrecken sich bis an das Weichbild der Stadt
außerhalb des Weichbildes der Stadt
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Weichbild n. ‘innerhalb der Ortsgrenzen liegendes Gebiet’, mhd. wīchbilde ‘die Stadtgrenze bezeichnendes Symbol, Stadtgebiet, Stadtrecht’, mnd. wīkbelde ‘Stadtgrenze, Stadtgebiet, Ort mit eigener Gerichtsbarkeit, Stadtrecht’, mnl. wijcbelt ‘städtisches Rechtsgebiet, Ansiedlung’. Der seit der 2. Hälfte des 12. Jhs. von Westfalen aus sich im Bereich des Nieder- und Mitteldeutschen ausbreitende Rechtsausdruck weist in seinem zweiten Glied wahrscheinlich ein Substantiv mit der Bedeutung ‘Recht’ auf, das vom germ. Stamm *bil- ‘angemessen, gerecht’ (s. ↗billig und ↗Unbill) abgeleitet ist, während das erste Glied wohl mit ahd. wīh m. ‘Ortschaft’, asächs. wīk ‘Wohnstätte’, mnd. wīk ‘(fester) Ort, Stadt’, mnl. wijc ‘Stadtviertel, Gebiet’, aengl. wīc ‘Wohnung, Ansiedlung, Ortschaft’ und dem ersten Kompositionsglied in mhd. wīchgrāve ‘Stadtrichter’, wīchvride ‘Stadtfrieden’ übereinstimmt, einer westgerm. Entlehnung aus lat. vīcus ‘Stadtviertel, Dorf, Gehöft’, das seinerseits mit griech. ó͞ikos (οἶκος) ‘Haus, Wohnung’ und got. weihs ‘Flecken’ verwandt ist; vgl. Frings in: PBB 65 (1942) 221 ff. Den ältesten Belegen entsprechend wäre die ursprüngliche Bedeutung dann ‘Ortsrecht’, aus der sich Verwendungen wie ‘Rechtssymbol, Marktzeichen’ und ‘Rechtsgebiet’ entwickelt hätten. Eine andere Deutung bei Kaspers in: ZfdSpr. 20, 91 ff., der für germ. *bil- die Bedeutung ‘Zeichen, Symbol’ annimmt (s. ↗Bild), Weich- aber mit mhd. wīch ‘das Weichen, Fliehen’, mnd. wīk ‘das Weichen, Entweichung’, nl. wijk ‘Flucht, Zuflucht’ zu ie. *u̯eig- ‘sich von der Stelle bewegen, weichen’ (Erweiterung von ie. *u̯ei- ‘drehen, biegen’) stellt und deshalb für Weichbild die Ausgangsbedeutung ‘Schutzzeichen’ erschließt.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Adel Großstadt Hauptstadt Stadt städtisch südlich

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Weichbild‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Plötzlich verlangen große Flächen im Weichbild der Stadt nach einer zeitgemäßen Nutzung.
Süddeutsche Zeitung, 03.11.2000
Nur ein einziges Haus war in dem ganzen Weichbilde unter Dach und Fach geblieben.
Lehmann, Lilli: Mein Weg. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1913], S. 23054
So richtig ins Weichbild der Epoche haben sie tatsächlich nie gepasst, die vier.
Die Zeit, 03.12.2001, Nr. 49
Am Morgen des dritten Tages fuhr der Zug in das Weichbild von Chikago ein.
Dominik, Hans: John Workmann der Zeitungsboy, Biberach an d. Riss: Koehler 1954 [1925], S. 184
Schon um 1200 muß die örtliche Bedeutung vorhanden gewesen sein, Weichbild begegnet vereinzelt sogar als Ortsname.
Jahresberichte für deutsche Geschichte, 1940, S. 191
Zitationshilfe
„Weichbild“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Weichbild>, abgerufen am 22.02.2019.

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