Weiche, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Weiche · Nominativ Plural: Weichen
Aussprache
WorttrennungWei-che (computergeneriert)
eWDG, 1977

Bedeutungen

1.
meist im Plural
Flanke
Beispiele:
er drückte dem Pferd die Sporen in die Weichen
dem Pferd die Weichen streicheln, klopfen
die Weichen des Tieres zitterten vor Kälte
Jirmijah trat seiner Eselin in die Weichen und peitschte sie grimmig mit seinem Stock [WerfelJeremias32]
2.
selten
nur im Singular
Weichheit
Beispiel:
wegen zu großer Weiche des Bodens konnten die Feldarbeiten noch nicht begonnen werden
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

weich · weichen1 · Weiche1 · erweichen · weichlich · Weichtier
weich Adj. ‘nicht hart, nachgebend, biegsam, kraftlos, zart’, ahd. weih (8. Jh.), mhd. weich, asächs. mnd. wēk, mnl. weec, nl. week, aengl. wāc (engl. weak aus dem Anord.), anord. veikr, schwed. vek (germ. *waika-) ist wie das unter ↗weichen (s. d.) behandelte Verb an ie. *u̯eig- ‘biegen, winden, sich wenden, weichen’ anzuschließen. Als Ausgangsbedeutung ist ‘biegsam, nachgebend’ anzusetzen. weichen1 Vb. ‘weich machen oder werden’, ahd. weihhen ‘weich machen’ (um 800, giweihhen, 8. Jh.), weihhēn (10. Jh.), weihhōn (um 1100) ‘weich werden’, mhd. weichen ‘weich machen oder werden’. Weiche1 f. ‘Zustand des Weichseins, Weichheit’, ahd. weihhī (8. Jh.), mhd. weiche. In konkretem Gebrauch auch ‘weiche Stelle des Körpers’ (15. Jh.), in medizinischen Texten des 16. Jhs. ‘Flanke, knochenlose, weiche Körperstelle zwischen der untersten Rippe und dem Hüftknochen’ (oft pluralisch, seit Ende 16. Jh.), auch gelegentlich ‘Taille’ (16. Jh.). erweichen Vb. ‘weich machen, werden’, ahd. irweihhēn (9. Jh.), mhd. erweichen. weichlich Adj. ‘in ungehöriger, unerwünschter Art weich’ (15. Jh. in diesem Sinne zuerst mnd. wēklīk, dann md., 16. Jh.), ‘ohne innere Widerstandskraft, kraft- und energielos, verzärtelt’ (Mitte 17. Jh.), ‘willensschwach’ (19. Jh.); zunächst als Adverb zum Adjektiv weich gebildet, vgl. mhd. weichlīche ‘auf weiche, milde Weise, verweichlicht’. Weichtier n. skelettloses Tier mit weicher Körperdecke, oft mit äußerer Kalkschale, besonders Schnecken, Muscheln, Tintenfische (1. Hälfte 19. Jh.), Übersetzung von zoolog.-lat. Mollusca Plur. (Cuvier 1812, im weiteren Sinne, auch Würmer umfassend, bereits Linné 1758), nach lat. molluscus ‘recht weich’ (vgl. mollusca nux ‘Nuß mit weicher, dünner Schale’), Weiterbildung zu lat. mollis ‘weich’.

Weiche2 f. ‘Vorrichtung zur Überführung von Schienenfahrzeugen auf ein anderes Gleis’ (1. Hälfte 19. Jh.), ursprünglich wohl (als Wort der Elbschiffahrt) ‘mit eingeschlagenen Pfählen, mit Faschinen, Steinen und Sand befestigte Ausweichstelle’ (18. Jh.). Vgl. nd. Wīk ‘das Weichen, Flucht’, auch (ausgehend von der Vorstellung ‘das Zurückweichen des Ufers’) ‘Bucht, von einem Hauptkanal seitlich abweichender kleinerer Kanal, Ausbuchtung eines größeren Kanals’, mnd. wīke f. ‘Entweichung, Flucht’, wīk(e) f. ‘Seebucht’, nl. wijk ‘Seitenkanal, Bucht, Flucht’; von dem unter ↗weichen (s. d.) dargestellten Verb abgeleitet.

Thesaurus

Synonymgruppe
Abzweigung · ↗Gabelung · Weiche
Eisenbahn
Synonymgruppe
Auslenkung · ↗Eisenbahnweiche · Weiche  ●  ↗Gleiswechsel  ugs. · Spurwechseleinrichtung  ugs.
Unterbegriffe
  • Abt'sche Weiche · abtsche Ausweiche · abtsche Weiche

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Weicher ist es, und es klingt angenehmer in den Ohren.
Süddeutsche Zeitung, 26.06.1996
Weicher, wärmer, direkter, so beschreibt Müller den Klang der analogen Langspielplatte im Vergleich zum digitalen "Silberling" CD.
Süddeutsche Zeitung, 09.10.1999
Rollmann gilt in Bonn nicht als „Weicher“, man zählt ihn vielmehr auch in der CDU zu den kompromißlosen, militanten Antikommunisten.
Die Zeit, 13.12.1963, Nr. 50
Charles ist ein Zauderer, äußerlich gestählt von den kalten Duschen seiner Internatszeit, doch in Wahrheit ein Weicher, ein Ästhet, kein Anpacker.
Der Tagesspiegel, 11.02.2005
Weicher, wurzeliger Boden im Lärchenwald wechselt mit Metern ganz eng am Fels entlang, zur anderen Seite jäh abfallend, nur durch ein Holzgeländer gesichert.
Die Zeit, 25.09.2006, Nr. 39
Zitationshilfe
„Weiche“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Weiche#1>, abgerufen am 24.05.2019.

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Weiche, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Weiche · Nominativ Plural: Weichen
Aussprache
WorttrennungWei-che (computergeneriert)
Wortbildung mit ›Weiche‹ als Erstglied: ↗Weichenanlage · ↗Weichensteller · ↗Weichenstellung · ↗Weichenstörung · ↗Weichenwärter · ↗Weichenzunge
 ·  mit ›Weiche‹ als Letztglied: ↗Anschlussweiche · ↗Doppelweiche · ↗Einfahrweiche · ↗Eisenbahnweiche · ↗Faxweiche · ↗Frequenzweiche · ↗Schnellfahrweiche · ↗Straßenbahnweiche
eWDG, 1977

Bedeutung

Verbindungsglied in Gleisanlagen, das Abzweigungen und die Überführung auf ein anderes Gleis ermöglicht
Beispiele:
die Weiche stellen
die Weiche war falsch, richtig gestellt
die Weiche war eingefroren, vereist
eine elektrische Weiche
Schlagend, klirrend, stoßend fuhren die Wagen über die Weichen und Kreuzungen [FalladaWolf1,6]
übertragen
Beispiel:
[Entscheidungen] die die Weichen stellen für die Richtung, die man im Leben einschlagen soll [Tageszeitung1973]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

weich · weichen1 · Weiche1 · erweichen · weichlich · Weichtier
weich Adj. ‘nicht hart, nachgebend, biegsam, kraftlos, zart’, ahd. weih (8. Jh.), mhd. weich, asächs. mnd. wēk, mnl. weec, nl. week, aengl. wāc (engl. weak aus dem Anord.), anord. veikr, schwed. vek (germ. *waika-) ist wie das unter ↗weichen (s. d.) behandelte Verb an ie. *u̯eig- ‘biegen, winden, sich wenden, weichen’ anzuschließen. Als Ausgangsbedeutung ist ‘biegsam, nachgebend’ anzusetzen. weichen1 Vb. ‘weich machen oder werden’, ahd. weihhen ‘weich machen’ (um 800, giweihhen, 8. Jh.), weihhēn (10. Jh.), weihhōn (um 1100) ‘weich werden’, mhd. weichen ‘weich machen oder werden’. Weiche1 f. ‘Zustand des Weichseins, Weichheit’, ahd. weihhī (8. Jh.), mhd. weiche. In konkretem Gebrauch auch ‘weiche Stelle des Körpers’ (15. Jh.), in medizinischen Texten des 16. Jhs. ‘Flanke, knochenlose, weiche Körperstelle zwischen der untersten Rippe und dem Hüftknochen’ (oft pluralisch, seit Ende 16. Jh.), auch gelegentlich ‘Taille’ (16. Jh.). erweichen Vb. ‘weich machen, werden’, ahd. irweihhēn (9. Jh.), mhd. erweichen. weichlich Adj. ‘in ungehöriger, unerwünschter Art weich’ (15. Jh. in diesem Sinne zuerst mnd. wēklīk, dann md., 16. Jh.), ‘ohne innere Widerstandskraft, kraft- und energielos, verzärtelt’ (Mitte 17. Jh.), ‘willensschwach’ (19. Jh.); zunächst als Adverb zum Adjektiv weich gebildet, vgl. mhd. weichlīche ‘auf weiche, milde Weise, verweichlicht’. Weichtier n. skelettloses Tier mit weicher Körperdecke, oft mit äußerer Kalkschale, besonders Schnecken, Muscheln, Tintenfische (1. Hälfte 19. Jh.), Übersetzung von zoolog.-lat. Mollusca Plur. (Cuvier 1812, im weiteren Sinne, auch Würmer umfassend, bereits Linné 1758), nach lat. molluscus ‘recht weich’ (vgl. mollusca nux ‘Nuß mit weicher, dünner Schale’), Weiterbildung zu lat. mollis ‘weich’.

Weiche2 f. ‘Vorrichtung zur Überführung von Schienenfahrzeugen auf ein anderes Gleis’ (1. Hälfte 19. Jh.), ursprünglich wohl (als Wort der Elbschiffahrt) ‘mit eingeschlagenen Pfählen, mit Faschinen, Steinen und Sand befestigte Ausweichstelle’ (18. Jh.). Vgl. nd. Wīk ‘das Weichen, Flucht’, auch (ausgehend von der Vorstellung ‘das Zurückweichen des Ufers’) ‘Bucht, von einem Hauptkanal seitlich abweichender kleinerer Kanal, Ausbuchtung eines größeren Kanals’, mnd. wīke f. ‘Entweichung, Flucht’, wīk(e) f. ‘Seebucht’, nl. wijk ‘Seitenkanal, Bucht, Flucht’; von dem unter ↗weichen (s. d.) dargestellten Verb abgeleitet.

Thesaurus

Synonymgruppe
Abzweigung · ↗Gabelung · Weiche
Eisenbahn
Synonymgruppe
Auslenkung · ↗Eisenbahnweiche · Weiche  ●  ↗Gleiswechsel  ugs. · Spurwechseleinrichtung  ugs.
Unterbegriffe
  • Abt'sche Weiche · abtsche Ausweiche · abtsche Weiche

Typische Verbindungen
computergeneriert

Einbau Expansion Gleis Harte Kreuzung Nachfolge Neuanfang Oberleitung Richtung Schiene Sieg Signal Signalanlage Wachs Zukunft beheizen defekt einbauen eingefroren entgleisen entscheidend gestellt personalpolitisch personell stellen umlegen umstellen vereisen vereist überfahren

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Weiche‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Weicher ist es, und es klingt angenehmer in den Ohren.
Süddeutsche Zeitung, 26.06.1996
Weicher, wärmer, direkter, so beschreibt Müller den Klang der analogen Langspielplatte im Vergleich zum digitalen "Silberling" CD.
Süddeutsche Zeitung, 09.10.1999
Rollmann gilt in Bonn nicht als „Weicher“, man zählt ihn vielmehr auch in der CDU zu den kompromißlosen, militanten Antikommunisten.
Die Zeit, 13.12.1963, Nr. 50
Charles ist ein Zauderer, äußerlich gestählt von den kalten Duschen seiner Internatszeit, doch in Wahrheit ein Weicher, ein Ästhet, kein Anpacker.
Der Tagesspiegel, 11.02.2005
Weicher, wurzeliger Boden im Lärchenwald wechselt mit Metern ganz eng am Fels entlang, zur anderen Seite jäh abfallend, nur durch ein Holzgeländer gesichert.
Die Zeit, 25.09.2006, Nr. 39
Zitationshilfe
„Weiche“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Weiche#2>, abgerufen am 24.05.2019.

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