Weihe, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Weihe · Nominativ Plural: Weihen
Aussprache
WorttrennungWei-he
Grundformweihen
Wortbildung mit ›Weihe‹ als Erstglied: ↗weihevoll  ·  mit ›Weihe‹ als Letztglied: ↗Bischofsweihe · ↗Denkmalsweihe · ↗Denkmalweihe · ↗Fahnenweihe · ↗Glockenweihe · ↗Jugendweihe · ↗Kerzenweihe · ↗Kirchweih · ↗Kirchweihe · ↗Kräuterweihe · ↗Mädchenweihe · ↗Namensweihe · ↗Namenweihe · ↗Priesterweihe · ↗Tempelweihe · ↗Wasserweihe
eWDG, 1977

Bedeutungen

1.
Religion feierliche Handlung
a)
feierliche Handlung, durch die eine Person gesegnet und für das geistliche Amt bestimmt wird
Beispiele:
die niederen, höheren Weihen (= die Weihen für die niederen, höheren Ränge der Geistlichen) empfangen
jmdm. die Weihen erteilen
jmdm. die Weihen aberkennen
Es ist schade, daß du die Weihen noch nicht hast und noch nicht Beichte hören kannst [HesseNarziß5,37]
b)
feierliche Handlung, durch die besonders ein kirchliches Gebäude gesegnet wird, bevor es in Gebrauch genommen wird
Beispiel:
hohe geistliche Würdenträger waren bei der Weihe des Doms, der Kirche, Kapelle zugegen
2.
gehoben feierliche Stimmung, Feierlichkeit
Beispiele:
die Weihe des Augenblicks, der Stunde empfinden
durch die musikalische Umrahmung erhielt die Feierstunde erst die rechte Weihe
3.
gehoben Erhabenheit
Beispiele:
das geduldige und stolze Ertragen der Schmerzen ... gibt seinem Leben die sittliche Weihe [Th. Mann11,15]
für ihn bin ich der Enkel des Himmelwirts, mit der ganzen Weihe, die dieser Mann für ihn hat [BahrHimmelfahrt40]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Weih · Weihe1 · Gabelweihe
Weih m. heute meist Weihe1 f. (im 17. Jh. entwickelt aus den schwachen Pluralformen des Maskulinums), Name eines in mehreren Arten auftretenden Greifvogels, ahd. wīo m. (8. Jh.), mhd. wīe, wīge, wīhe, wīwe m., mnd. wīe, wīge m. f., mnl. wīwe, wīe, wūwe, wouwe, nl. wouw m.; vgl. auch den zweiten Wortteil in anord. langvē m. ‘Alk’ (Art wilde Fettgans). Herkunft unbekannt. Vielleicht zu der unter ↗Weide (s. d.) dargestellten Wurzel ie. *u̯ei-, *u̯eiə- ‘gehen, auf etw. losgehen, etw. erstreben, erjagen, verfolgen, ersehnen’ sowie ‘Weg, Reihe’ gehörig und als ‘Jäger’ zu deuten? Oder angesichts einer Grundform germ. *wīwa- lautnachahmenden Ursprungs? Weitere Erklärungsversuche bei Neuss Ahd. Tierbezeichnungen (1973) 168 ff. Gabelweihe f. Rotmilan, mit auffällig gegabeltem Schwanz (18. Jh.).

weihen · Weihe2 · Weihrauch
weihen Vb. ‘durch eine religiöse Handlung heiligen, seiner religiösen Bestimmung übergeben, jmdm. (durch die Priesterweihe) ein geistliches Amt übertragen, jmdm. etw. widmen, stiften’, reflexiv ‘sich einer Sache verschreiben’, ahd. wīhen (8. Jh.), mhd. wīhen, wīen, wīchen, asächs. wīhian, mnd. wīen, wīgen, (mit dentalem Gleitlaut) mnl. wīden (aus älterem wīen), nl. wijden, afries. wīa, got. weihan und (mit grammatischem Wechsel) anord. vīgja, schwed. viga (germ. *wīhijan) sind von dem im Nhd. ausgestorbenen (im 19. Jh. nur noch mundartlich gebräuchlichen) und durch heilig ersetzten Adjektiv weich, ahd. wīh (8. Jh.), mhd. wīch, got. weihs ‘heilig’ (germ. *wīha-), substantiviert in asächs. wīh ‘Heiligtum, Tempel’, aengl. wēoh ‘Götzenbild’, anord. ‘heiliger Ort, Gerichtsstätte’, abgeleitet, dessen etymologischer Anschluß nicht gesichert ist. Erwogen wird Verbindung mit aind. vinákti ‘siebt, sichtet, sondert, trennt’, lat. victima ‘Opfertier, Opfer’ und Rückführung auf eine Wurzel ie. *u̯eik- ‘aussondern’. Für weihen ist dann von ‘zu gottesdienstlichen Zwecken aussondern’ auszugehen. Anders Krause in: ZfdA 64 (1927) 269 ff., der für die germ. Formen mit Nasalausfall rechnet, sie daher mit anord. Ving-Þōrr ‘Weihe-Thor’ (d. i. Thor, der weihende Gott) sowie mit aind. paḍviṁśa- (das, wenn nicht falsche Lesart, mit Nasal neben páḍbīśam, páḍvīśam) ‘Fessel, Fußfessel (eines Pferdes)’, griech. (Aorist) ímpsas (ἴμψας) ‘verbunden habend’ und lat. vincīre ‘binden, umwinden’ zusammenstellt und eine Ausgangsbedeutung ‘(magisch, religiös) gebunden’ erschließt. Weihe2 f. ‘Feierlichkeit, feierliche Inbetriebnahme, kultische Handlung, mit der etw. oder jmd. in den Dienst Gottes gestellt wird’ (z. B. Altar-, Priesterweihe), ahd. wīhī(n) (8. Jh.), mhd. wīhe. Weihrauch m. aromatisches Räuchermittel, zu kultischen Zwecken verwendetes Harz des in Südarabien und Nordostafrika beheimateten Weihrauchbaumes, dessen Gebrauch in der christlichen Kirche, anfangs als Opfergabe, seit dem 7. Jh. nachgewiesen ist, ahd. wīhrouh (8. Jh.; zuerst südd.-rhein., von dort ins Md. und Nd. vordringend), mhd. wī(h)rouch, asächs. wīhrōk, mnl. wierooc, nl. wierook, eigentlich ‘heiliger Rauch’ (zum Grundwort s. ↗Rauch).

Thesaurus

Synonymgruppe
Dignität · ↗Distinktion · ↗Eleganz · ↗Erhabenheit · ↗Gefasstheit · ↗Grandezza · ↗Gravität · ↗Haltung · ↗Stolz · ↗Vornehmheit · würdevolles Benehmen  ●  ↗Getragenheit  geh. · ↗Pathetik  geh. · Weihe  geh.
Oberbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Altar Bischof Diakon Diakonin Frauenkirche Gültigkeit Kleriker Krönung Priester Priesterin Sakrament Sprungbrett Taufwasser Ungültigkeit akademisch allerhöchst anglikanisch empfangen feierlich hoch kirchlich museal mystisch nieder priesterlich sakral sakramental simonistisch verleihen versehen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Weihe‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Ist das die letzte Chance, zu höheren Weihen zu gelangen?
Der Tagesspiegel, 12.01.2000
Warum sollten ausgerechnet sie von den höheren kirchlichen Weihen ausgeschlossen sein!
Süddeutsche Zeitung, 20.01.1996
Ich empfinde genau wie du die Weihe dieses hohen Gewölbes mit den bunten Fenstern im spärlichen Licht.
Goote, Thor [d.i. Langsdorff, Werner von]: Die Fahne Hoch!, Berlin: Zeitgeschichte-Verlag 1933 [1933], S. 307
Daher bedarf es einer besonderen Weihe für jeden, der an der Gemeinschaft teilnehmen will.
Meyer, Eduard: Geschichte des Altertums, Bd. III. In: Geschichte des Altertums, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1901], S. 31389
Eine Weihe lag über der Versammlung, eine Würde und ein tiefer Ernst.
Jahrbuch des Vereins für Wissenschaftliche Pädagogik, 1911, Bd. 43
Zitationshilfe
„Weihe“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Weihe#1>, abgerufen am 18.10.2019.

Weitere Informationen …

Weihe, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Weihe · Nominativ Plural: Weihen
Aussprache
WorttrennungWei-he
Wortbildung mit ›Weihe‹ als Letztglied: ↗Gabelweihe · ↗Kronweihe · ↗Königsweihe · ↗Rohrweihe · ↗Wiesenweihe
eWDG, 1977

Bedeutung

schlanker, langbeiniger Raubvogel von der Größe eines Bussards
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Weih · Weihe1 · Gabelweihe
Weih m. heute meist Weihe1 f. (im 17. Jh. entwickelt aus den schwachen Pluralformen des Maskulinums), Name eines in mehreren Arten auftretenden Greifvogels, ahd. wīo m. (8. Jh.), mhd. wīe, wīge, wīhe, wīwe m., mnd. wīe, wīge m. f., mnl. wīwe, wīe, wūwe, wouwe, nl. wouw m.; vgl. auch den zweiten Wortteil in anord. langvē m. ‘Alk’ (Art wilde Fettgans). Herkunft unbekannt. Vielleicht zu der unter ↗Weide (s. d.) dargestellten Wurzel ie. *u̯ei-, *u̯eiə- ‘gehen, auf etw. losgehen, etw. erstreben, erjagen, verfolgen, ersehnen’ sowie ‘Weg, Reihe’ gehörig und als ‘Jäger’ zu deuten? Oder angesichts einer Grundform germ. *wīwa- lautnachahmenden Ursprungs? Weitere Erklärungsversuche bei Neuss Ahd. Tierbezeichnungen (1973) 168 ff. Gabelweihe f. Rotmilan, mit auffällig gegabeltem Schwanz (18. Jh.).

weihen · Weihe2 · Weihrauch
weihen Vb. ‘durch eine religiöse Handlung heiligen, seiner religiösen Bestimmung übergeben, jmdm. (durch die Priesterweihe) ein geistliches Amt übertragen, jmdm. etw. widmen, stiften’, reflexiv ‘sich einer Sache verschreiben’, ahd. wīhen (8. Jh.), mhd. wīhen, wīen, wīchen, asächs. wīhian, mnd. wīen, wīgen, (mit dentalem Gleitlaut) mnl. wīden (aus älterem wīen), nl. wijden, afries. wīa, got. weihan und (mit grammatischem Wechsel) anord. vīgja, schwed. viga (germ. *wīhijan) sind von dem im Nhd. ausgestorbenen (im 19. Jh. nur noch mundartlich gebräuchlichen) und durch heilig ersetzten Adjektiv weich, ahd. wīh (8. Jh.), mhd. wīch, got. weihs ‘heilig’ (germ. *wīha-), substantiviert in asächs. wīh ‘Heiligtum, Tempel’, aengl. wēoh ‘Götzenbild’, anord. ‘heiliger Ort, Gerichtsstätte’, abgeleitet, dessen etymologischer Anschluß nicht gesichert ist. Erwogen wird Verbindung mit aind. vinákti ‘siebt, sichtet, sondert, trennt’, lat. victima ‘Opfertier, Opfer’ und Rückführung auf eine Wurzel ie. *u̯eik- ‘aussondern’. Für weihen ist dann von ‘zu gottesdienstlichen Zwecken aussondern’ auszugehen. Anders Krause in: ZfdA 64 (1927) 269 ff., der für die germ. Formen mit Nasalausfall rechnet, sie daher mit anord. Ving-Þōrr ‘Weihe-Thor’ (d. i. Thor, der weihende Gott) sowie mit aind. paḍviṁśa- (das, wenn nicht falsche Lesart, mit Nasal neben páḍbīśam, páḍvīśam) ‘Fessel, Fußfessel (eines Pferdes)’, griech. (Aorist) ímpsas (ἴμψας) ‘verbunden habend’ und lat. vincīre ‘binden, umwinden’ zusammenstellt und eine Ausgangsbedeutung ‘(magisch, religiös) gebunden’ erschließt. Weihe2 f. ‘Feierlichkeit, feierliche Inbetriebnahme, kultische Handlung, mit der etw. oder jmd. in den Dienst Gottes gestellt wird’ (z. B. Altar-, Priesterweihe), ahd. wīhī(n) (8. Jh.), mhd. wīhe. Weihrauch m. aromatisches Räuchermittel, zu kultischen Zwecken verwendetes Harz des in Südarabien und Nordostafrika beheimateten Weihrauchbaumes, dessen Gebrauch in der christlichen Kirche, anfangs als Opfergabe, seit dem 7. Jh. nachgewiesen ist, ahd. wīhrouh (8. Jh.; zuerst südd.-rhein., von dort ins Md. und Nd. vordringend), mhd. wī(h)rouch, asächs. wīhrōk, mnl. wierooc, nl. wierook, eigentlich ‘heiliger Rauch’ (zum Grundwort s. ↗Rauch).

Thesaurus

Synonymgruppe
Dignität · ↗Distinktion · ↗Eleganz · ↗Erhabenheit · ↗Gefasstheit · ↗Grandezza · ↗Gravität · ↗Haltung · ↗Stolz · ↗Vornehmheit · würdevolles Benehmen  ●  ↗Getragenheit  geh. · ↗Pathetik  geh. · Weihe  geh.
Oberbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Altar Bischof Diakon Diakonin Frauenkirche Gültigkeit Kleriker Krönung Priester Priesterin Sakrament Sprungbrett Taufwasser Ungültigkeit akademisch allerhöchst anglikanisch empfangen feierlich hoch kirchlich museal mystisch nieder priesterlich sakral sakramental simonistisch verleihen versehen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Weihe‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Ist das die letzte Chance, zu höheren Weihen zu gelangen?
Der Tagesspiegel, 12.01.2000
Warum sollten ausgerechnet sie von den höheren kirchlichen Weihen ausgeschlossen sein!
Süddeutsche Zeitung, 20.01.1996
Ich empfinde genau wie du die Weihe dieses hohen Gewölbes mit den bunten Fenstern im spärlichen Licht.
Goote, Thor [d.i. Langsdorff, Werner von]: Die Fahne Hoch!, Berlin: Zeitgeschichte-Verlag 1933 [1933], S. 307
Daher bedarf es einer besonderen Weihe für jeden, der an der Gemeinschaft teilnehmen will.
Meyer, Eduard: Geschichte des Altertums, Bd. III. In: Geschichte des Altertums, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1901], S. 31389
Eine Weihe lag über der Versammlung, eine Würde und ein tiefer Ernst.
Jahrbuch des Vereins für Wissenschaftliche Pädagogik, 1911, Bd. 43
Zitationshilfe
„Weihe“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Weihe#2>, abgerufen am 18.10.2019.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
Weihbrunnen
Weihbischof
Weih
Weigerungsfall
Weigerung
Weihebrunnen
Weihefest
Weihegabe
Weihegeschenk
Weihehandlung