Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Weihrauch, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum)
Aussprache 
Worttrennung Weih-rauch
Wortzerlegung weihen Rauch
Wortbildung  mit ›Weihrauch‹ als Erstglied: Weihrauchfass
eWDG

Bedeutungen

1.
körniges Harz südarabischer und indischer Sträucher, das beim Erhitzen würzige, balsamische Dämpfe abgibt und in verschiedenen Religionen bei Kulthandlungen verwendet wird
Beispiel:
Weihrauch abbrennen
2.
Rauch von 1
Beispiel:
während hernach bei der Messe der Schleier des Weihrauches aufsteigt [ RoseggerWaldschulmeister1,190]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

weihen · Weihe2 · Weihrauch
weihen Vb. ‘durch eine religiöse Handlung heiligen, seiner religiösen Bestimmung übergeben, jmdm. (durch die Priesterweihe) ein geistliches Amt übertragen, jmdm. etw. widmen, stiften’, reflexiv ‘sich einer Sache verschreiben’, ahd. wīhen (8. Jh.), mhd. wīhen, wīen, wīchen, asächs. wīhian, mnd. wīen, wīgen, (mit dentalem Gleitlaut) mnl. wīden (aus älterem wīen), nl. wijden, afries. wīa, got. weihan und (mit grammatischem Wechsel) anord. vīgja, schwed. viga (germ. *wīhijan) sind von dem im Nhd. ausgestorbenen (im 19. Jh. nur noch mundartlich gebräuchlichen) und durch heilig ersetzten Adjektiv weich, ahd. wīh (8. Jh.), mhd. wīch, got. weihs ‘heilig’ (germ. *wīha-), substantiviert in asächs. wīh ‘Heiligtum, Tempel’, aengl. wēoh ‘Götzenbild’, anord. ‘heiliger Ort, Gerichtsstätte’, abgeleitet, dessen etymologischer Anschluß nicht gesichert ist. Erwogen wird Verbindung mit aind. vinákti ‘siebt, sichtet, sondert, trennt’, lat. victima ‘Opfertier, Opfer’ und Rückführung auf eine Wurzel ie. *u̯eik- ‘aussondern’. Für weihen ist dann von ‘zu gottesdienstlichen Zwecken aussondern’ auszugehen. Anders Krause in: ZfdA 64 (1927) 269 ff., der für die germ. Formen mit Nasalausfall rechnet, sie daher mit anord. Ving-Þōrr ‘Weihe-Thor’ (d. i. Thor, der weihende Gott) sowie mit aind. paḍviṁśa- (das, wenn nicht falsche Lesart, mit Nasal neben páḍbīśam, páḍvīśam) ‘Fessel, Fußfessel (eines Pferdes)’, griech. (Aorist) ímpsas (ἴμψας) ‘verbunden habend’ und lat. vincīre ‘binden, umwinden’ zusammenstellt und eine Ausgangsbedeutung ‘(magisch, religiös) gebunden’ erschließt. – Weihe2 f. ‘Feierlichkeit, feierliche Inbetriebnahme, kultische Handlung, mit der etw. oder jmd. in den Dienst Gottes gestellt wird’ (z. B. Altar-, Priesterweihe), ahd. wīhī(n) (8. Jh.), mhd. wīhe. Weihrauch m. aromatisches Räuchermittel, zu kultischen Zwecken verwendetes Harz des in Südarabien und Nordostafrika beheimateten Weihrauchbaumes, dessen Gebrauch in der christlichen Kirche, anfangs als Opfergabe, seit dem 7. Jh. nachgewiesen ist, ahd. wīhrouh (8. Jh.; zuerst südd.-rhein., von dort ins Md. und Nd. vordringend), mhd. wī(h)rouch, asächs. wīhrōk, mnl. wierooc, nl. wierook, eigentlich ‘heiliger Rauch’ (zum Grundwort s. Rauch).

Thesaurus

Linguistik/Sprache
Synonymgruppe
Lobeshymne (oft fig. und iron.) · Lobpreisung · Lobrede · Lobschrift · Preisung · Würdigung  ●  Aretalogie  fachspr., griechisch, literaturwissenschaftlich · Aretologie  fachspr., griechisch, literaturwissenschaftlich · Eloge  geh., franz. · Elogium  fachspr., lat. · Hymne (auf)  geh., fig. · Laudatio  geh., lat. · Weihrauch (oft iron.)  geh., fig.
Assoziationen
Botanik
Synonymgruppe
Boswellienharz  ●  Incensum  lat. · Olibanum  lat. · Thus  lat. · Weihrauch  Hauptform
Oberbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›Weihrauch‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Weihrauch‹.

Verwendungsbeispiele für ›Weihrauch‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Der Geruch nach Weihrauch hingegen war nicht mehr schwächer geworden. [Glavinic, Thomas: Die Arbeit der Nacht, München Wien: Carl Hanser Verlag 2006, S. 367]
Im Schatten des Windes weht denn auch etwas von dem Weihrauch barocker Kirchen. [Die Zeit, 17.12.2003, Nr. 51]
Glücklicherweise ist das neue Buch selber der beste Schutz gegen den Weihrauch. [Die Zeit, 09.09.1977, Nr. 37]
Weihrauch ist dem nüchternen Protestanten auch in der Politik unbekömmlich. [Süddeutsche Zeitung, 20.04.1995]
Die deutschen Politiker aber stellen keine Fragen, sie streuen Weihrauch. [Die Welt, 07.04.2006]
Zitationshilfe
„Weihrauch“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Weihrauch>.

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