Weihrauch, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum)
Aussprache
WorttrennungWeih-rauch
WortzerlegungweihenRauch
Wortbildung mit ›Weihrauch‹ als Erstglied: ↗Weihrauchfass
eWDG, 1977

Bedeutungen

1.
körniges Harz südarabischer und indischer Sträucher, das beim Erhitzen würzige, balsamische Dämpfe abgibt und in verschiedenen Religionen bei Kulthandlungen verwendet wird
Beispiel:
Weihrauch abbrennen
2.
Rauch von 1
Beispiel:
während hernach bei der Messe der Schleier des Weihrauches aufsteigt [RoseggerWaldschulmeister1,190]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

weihen · Weihe2 · Weihrauch
weihen Vb. ‘durch eine religiöse Handlung heiligen, seiner religiösen Bestimmung übergeben, jmdm. (durch die Priesterweihe) ein geistliches Amt übertragen, jmdm. etw. widmen, stiften’, reflexiv ‘sich einer Sache verschreiben’, ahd. wīhen (8. Jh.), mhd. wīhen, wīen, wīchen, asächs. wīhian, mnd. wīen, wīgen, (mit dentalem Gleitlaut) mnl. wīden (aus älterem wīen), nl. wijden, afries. wīa, got. weihan und (mit grammatischem Wechsel) anord. vīgja, schwed. viga (germ. *wīhijan) sind von dem im Nhd. ausgestorbenen (im 19. Jh. nur noch mundartlich gebräuchlichen) und durch heilig ersetzten Adjektiv weich, ahd. wīh (8. Jh.), mhd. wīch, got. weihs ‘heilig’ (germ. *wīha-), substantiviert in asächs. wīh ‘Heiligtum, Tempel’, aengl. wēoh ‘Götzenbild’, anord. ‘heiliger Ort, Gerichtsstätte’, abgeleitet, dessen etymologischer Anschluß nicht gesichert ist. Erwogen wird Verbindung mit aind. vinákti ‘siebt, sichtet, sondert, trennt’, lat. victima ‘Opfertier, Opfer’ und Rückführung auf eine Wurzel ie. *u̯eik- ‘aussondern’. Für weihen ist dann von ‘zu gottesdienstlichen Zwecken aussondern’ auszugehen. Anders Krause in: ZfdA 64 (1927) 269 ff., der für die germ. Formen mit Nasalausfall rechnet, sie daher mit anord. Ving-Þōrr ‘Weihe-Thor’ (d. i. Thor, der weihende Gott) sowie mit aind. paḍviṁśa- (das, wenn nicht falsche Lesart, mit Nasal neben páḍbīśam, páḍvīśam) ‘Fessel, Fußfessel (eines Pferdes)’, griech. (Aorist) ímpsas (ἴμψας) ‘verbunden habend’ und lat. vincīre ‘binden, umwinden’ zusammenstellt und eine Ausgangsbedeutung ‘(magisch, religiös) gebunden’ erschließt. Weihe2 f. ‘Feierlichkeit, feierliche Inbetriebnahme, kultische Handlung, mit der etw. oder jmd. in den Dienst Gottes gestellt wird’ (z. B. Altar-, Priesterweihe), ahd. wīhī(n) (8. Jh.), mhd. wīhe. Weihrauch m. aromatisches Räuchermittel, zu kultischen Zwecken verwendetes Harz des in Südarabien und Nordostafrika beheimateten Weihrauchbaumes, dessen Gebrauch in der christlichen Kirche, anfangs als Opfergabe, seit dem 7. Jh. nachgewiesen ist, ahd. wīhrouh (8. Jh.; zuerst südd.-rhein., von dort ins Md. und Nd. vordringend), mhd. wī(h)rouch, asächs. wīhrōk, mnl. wierooc, nl. wierook, eigentlich ‘heiliger Rauch’ (zum Grundwort s. ↗Rauch).

Thesaurus

Linguistik/Sprache
Synonymgruppe
Lobeshymne (oft fig. und iron.) · ↗Lobpreisung · ↗Lobrede · Lobschrift · ↗Preisung · Weihrauch (oft iron.) · ↗Würdigung  ●  ↗Aretalogie  geh., griechisch · Aretologie  geh., griechisch · ↗Eloge  geh., franz. · ↗Elogium  geh., lat. · ↗Laudatio  geh., lat.
Unterbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Balsam Duft Edelstein Elfenbein Geranium Geruch Gesang Gewürz Gold Harz Kerze Kerzenwachs Kreide Myrrhe Parfüm Pumpernickel Räucherstäbchen Sandelholz Vanille Wachs Weihwasser Zimt benebeln duften qualmen riechen schwenken segnen stinken verströmen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Weihrauch‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Die deutschen Politiker aber stellen keine Fragen, sie streuen Weihrauch.
Die Welt, 07.04.2006
Der Geruch nach Weihrauch hingegen war nicht mehr schwächer geworden.
Glavinic, Thomas: Die Arbeit der Nacht, München Wien: Carl Hanser Verlag 2006, S. 367
So wehte zum Abschluss doch noch ein wenig Weihrauch durch den Raum.
Der Tagesspiegel, 15.03.2000
Da gibt es Bäume frischen Weihrauchs und alle möglichen schönen Dinge.
Krämer, Walter: Geheimnis der Ferne, Leipzig u. a.: Urania-Verlag 1971, S. 94
Nur der Gott fehlte noch, dem der Weihrauch duften sollte.
Braun, Lily: Memoiren einer Sozialistin. In: Lehmstedt, Mark (Hg.) Deutsche Literatur von Frauen, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1909], S. 4765
Zitationshilfe
„Weihrauch“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Weihrauch>, abgerufen am 25.04.2019.

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