Weisheit, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Weisheit · Nominativ Plural: Weisheiten
Aussprache
WorttrennungWeis-heit (computergeneriert)
Wortbildung mit ›Weisheit‹ als Erstglied: ↗Weisheitslehre · ↗Weisheitszahn · ↗weisheitsvoll
 ·  mit ›Weisheit‹ als Letztglied: ↗Afterweisheit · ↗Altersweisheit · ↗Bauernweisheit · ↗Binsenweisheit · ↗Buchstabenweisheit · ↗Buchweisheit · ↗Bücherweisheit · ↗Kathederweisheit · ↗Lebensweisheit · ↗Narrenweisheit · ↗Schulweisheit · ↗Spruchweisheit · ↗Stammtischweisheit · ↗Volksweisheit · ↗Weltweisheit
eWDG, 1977

Bedeutungen

1.
nur im Singular
große Klugheit, die auf Lebenserfahrung und Einsicht in die Zusammenhänge beruht
Beispiele:
tiefe, abgeklärte, höhere, überlegene Weisheit
aus ihm spricht die Weisheit des Alters
umgangssprachlich er war mit seiner Weisheit am Ende (= wußte nicht weiter)
salopp er tut, als hätte er die Weisheit mit Löffeln gefressen (= dünkt sich sehr klug)
Laßt uns ... / Ändern dieser Erde Wirkung und Gestalt, / Fröhlich messend tausendjährige Weisheit / An der Weisheit, ein Jahr alt [BrechtHirse51]
Das ist der Weisheit letzter Schluß: / Nur der verdient sich Freiheit wie das Leben, / Der täglich sie erobern muß! [GoetheFaustII 11574]
2.
spöttisch einzelne Erkenntnis, Erfahrung, Lehre, die durch 1 gewonnen wurde
Beispiele:
diese Fabeln enthalten viele Weisheiten
platte, schülerhafte Weisheiten
umgangssprachlich sie suchte eine Gelegenheit, ihre Weisheit an den Mann zu bringen
umgangssprachlich Dieter ... hat mir heute eine Stunde lang solche Weisheiten an den Kopf geworfen [Diggelm.Hinterlassenschaft98]
salopp Aber ich möchte gern selbst mal das interessante Wiener Blättchen lesen, woraus du deine Weisheiten verzapfst [F. WolfMatrosenII]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

weise · Weisheit · Weisheitszahn · weismachen · weislich · wohlweislich
weise Adj. ‘wissend, lebenserfahren, klug’, ahd. wīs und die Weiterbildung (ja-Stamm) wīsi (8. Jh.), mhd. wīs, wīse ‘verständig, erfahren, klug, kundig, gelehrt’, asächs. mnd. aengl. wīs, mnl. nl. wijs, engl. wise, anord. vīss, schwed. vis, got. -weis (z. B. unweis ‘unwissend’), germ. *weis(s)a- gehören zu der unter ↗wissen (s. d.) dargestellten Wurzel ie. *u̯eid-. Dabei ist entweder von einer Partizipialform ie. *u̯eidto- auszugehen oder aber von ie. *u̯eidso-, das sich als adjektivische Weiterbildung eines alten s-Stammes *u̯eides- (z. B. in aind. vḗdas- ‘Kenntnis, Einsicht’) erklären läßt. Die Ausgangsbedeutung des Adjektivs ist ‘wissend’, zunächst ‘im Hinblick auf eine Sache kundig, erfahren’, dann auch ‘klug, intelligent, verstandesmäßig begabt’, heute ‘durch Erfahrung und Bemühung verständig, einsichtig, den Zusammenhang verstehend, maßvoll’, vornehmlich als Merkmal eines alten Menschen geltend (vgl. mhd. die wīsen, die getageten und die grīsen). Weisheit f. ‘(im Laufe eines Lebens gewonnenes) Wissen, Erfahrung, Einsicht’, eigentlich ‘Zustand des Weiseseins’, ahd. (9. Jh.), mhd. wīsheit. Weisheitszahn m. hinterster Backenzahn, meist im Plur. Weisheitszähne, Übersetzung (17. Jh., zuvor zehne der vernunft und weisheit, 16. Jh.) von medizin.-lat. dentes intellectus bzw. dentes sapientiae, nach griech. sōphronistḗres (σωφρονιστῆρες), zu griech. sṓphrōn (σώφρων) ‘besonnen, weise, klug’. Die Zähne entwickeln sich erst im Erwachsenenalter, wenn der Mensch weise ist. weismachen Vb. ‘jmdm. etw. Unwahres (als Wahrheit) sagen, jmdn. anführen, ihn zum Narren halten’ (16. Jh.), mhd. wīs machen ‘wissend machen, belehren, kundtun, beibringen’ (in diesem Sinne noch im 18. Jh.). weislich Adj. ‘weise, klug, wissend’, ahd. wīslīh (8. Jh.), mhd. wīslich; noch geläufig in wohlweislich Adv. ‘aus gutem Grund, bewußt, in berechnender Absicht’ (18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Bildung · ↗Gelehrtheit · ↗Klugheit · ↗Schlauheit · Weisheit  ●  ↗Gelahrtheit  veraltet
Oberbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Abgeklärtheit · ↗Lebenserfahrung · ↗Reife · Weisheit · ↗Weltkenntnis
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Brahmane Göttin Güte Klugheit Löffel Schluß Säule Tapferkeit Torheit Tugend Weitsicht Witz alt banal beherzigen bewahrheiten ewig fernöstlich gesammelt göttlich indianisch kollektiv konventionell pachten salomonisch staatsmännisch uralt zweifeln östlich überliefert

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Weisheit‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Weisheit schwebt über den Dingen, ich fühle mich aber noch sehr aktuell.
Die Welt, 10.06.2005
Das Volk sei eben noch nicht so weit, ihre Weisheit zu erkennen.
Der Tagesspiegel, 09.10.2000
Das ist, wie Sie richtig schreiben, nicht der Weisheit letzter Schluß; aber es ist schon sehr viel.
Tucholsky, Kurt: An Marierose Fuchs, 18.02.1930. In: ders., Kurt Tucholsky, Werke - Briefe - Materialien, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1930], S. 9798
Wenn sie nicht wäre, käme das Alter nicht zu seinen verdienstvollen Weisheiten.
Ganghofer, Ludwig: Lebenslauf eines Optimisten. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1911], S. 26270
Wie habe ich mich als Lehrer der Theologie zu dieser hohen Weisheit verhalten?
Overbeck, Franz: Selbstbekenntnisse. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1903], S. 39081
Zitationshilfe
„Weisheit“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Weisheit>, abgerufen am 16.06.2019.

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