Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Weltalter, das

Grammatik Substantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Weltalters · Nominativ Plural: Weltalter
Aussprache [ˈvɛltʔaltɐ]
Worttrennung Welt-al-ter
Wortzerlegung Welt Alter
DWDS-Vollartikel

Bedeutungen

1.
Religion, Mythologie Zeitabschnitt einer als vorbestimmt angenommenen Entwicklung der Welt- oder Menschheitsgeschichte
siehe auch Äon
Beispiele:
Der Weltzyklus teilt sich nach hinduistischer Auffassung in vier Weltalter, sogenannte Yugas. Das erste Weltalter ist das kraftvollste, wir sind momentan im Kali‑Yuga, dem letzten Quartal sozusagen, dem Akt, in dem alles zu Ende geht. Um dann von Neuem zu beginnen. Ein einzelner solcher Weltenzyklus umfasst vier Millionen Jahre. [Süddeutsche Zeitung, 19.04.2010]
Hermanns [von Reichenau] wichtigstes Werk ist sein Chronicon de sex aetatibus mundi, die Chronik von den sechs Weltaltern: eine von Christi Geburt bis zu seinem Todesjahr 1054 reichende Weltgeschichte. [Die Zeit, 18.07.2013, Nr. 29]
In dem verwirrenden Geflecht der Überlieferung wird immer wieder auf die Glaubensfestigkeit Montezumas [des Aztekenkönigs] verwiesen. Dazu gehörte auch die Gewissheit, dass am Ende aller Zeiten [der Gott] Quetzalcoatl zurückkehren werde in das Land, das er vor vier Weltaltern erschaffen hatte. Cortés aber war nicht der erwartete Gott, sondern nur ein gieriger Mensch, der mit Blut den Schlussstrich zog. [Die Welt, 30.09.2009]
Auch Augustin hatte ja nicht gezweifelt, sondern besonders eindringlich betont, daß mit Christus das letzte Weltalter angebrochen sei, wenn es auch bis zur Wiederkunft Christi noch einmal solange dauern könne wie alle fünf früheren Weltalter zusammen. Er hatte dieser Lehre von sechs den Schöpfungstagen entsprechenden Zeitaltern (aetates) der Welt‑ und Heilsgeschichte, deren letztes mit Christus begann, die bleibende Form gegeben. [Grundmann, Herbert: Über die Welt des Mittelalters. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000, S. 17732. Zitiert nach: Grundmann, Herbert: Über die Welt des Mittelalters. In: Propyläen Weltgeschichte, Bd. 11, Berlin: Propyläen-Verl. 1965.]
Hesiod trägt in den »Werken und Tagen« den Mythos von den Weltaltern vor, die nach den Metallen Gold, Silber, Erz, Eisen abgestuft sind. [Curtius, Ernst Robert: Europäische Literatur und lateinisches Mittelalter, Tübingen: Francke 1993, S. 178. Zitiert nach: Curtius, Ernst Robert: Europäische Literatur und lateinisches Mittelalter, Basel: Francke 1948.]
Die Weltgeschichte verläuft – augustinisch – in sechs Weltaltern: 1. von Adam zu Noah; 2. von Noah zu Abraham; 3. von Abraham zu David; 4. von David bis zum babylonischen Exil; 5. von da bis zur Inkarnation; 6. von da bis zum Weltende. [Curtius, Ernst Robert: Europäische Literatur und lateinisches Mittelalter, Tübingen: Francke 1993, S. 447. Zitiert nach: Curtius, Ernst Robert: Europäische Literatur und lateinisches Mittelalter, Basel: Francke 1948.]
2.
Alter des Universums, des Weltalls
Beispiele:
[…] GN‑z11 im Sternbild Großer Bär bricht alle Rekorde: Das Licht dieser Galaxie ging auf die Reise, als der Kosmos gerade einmal 400 Millionen Jahre alt war. Das bedeutet bei einem Weltalter von 13,8 Milliarden Jahren jedoch nicht, dass GN‑z11 auch 13,4 Milliarden Lichtjahre entfernt ist. Vielmehr expandiert das Universum sehr schnell. So wächst die Strecke, die die Lichtteilchen bis zu uns zurücklegen müssen, permanent an – ähnlich wie bei Ameisen, die auf einem Gummituch krabbeln, das man immer stärker dehnt. Tatsächlich beträgt die Distanz zu GN‑z11 etwa 32 Milliarden Lichtjahre. [Süddeutsche Zeitung, 05.01.2017]
Die Anhänger der Urknall‑Theorie von der Entstehung des Weltalls sind ins Schwitzen geraten, seitdem Sterne gefunden wurden, die offenbar älter als das Universum selbst sind. Dessen Alter wurde auf 12 bis 15 Milliarden Jahre berechnet. Während die Urknall‑Theoretiker sich fieberhaft bemühen, das Weltalter genauer zu bestimmen, sind sie für jedes weitere Argument zugunsten ihrer Theorie dankbar. [Berliner Zeitung, 07.12.1996]
Die Hubble‑Konstante H0 gibt nach gängigen Theorien […] ein Maß für das Alter der Welt an. Hätte sie zum Beispiel den Wert 100, ergäbe sich daraus ein Weltalter von weniger als 10 Milliarden Jahren – die ältesten Kugelsternhaufen, 15 bis 18 Milliarden Jahre alt, hätten darin keinen Platz. Die Forschung sorgt ständig für neue Probleme dieser Art: Fast täglich werden Objekte entdeckt, die riesige kosmische Rotverschiebungen haben, also in entfernten Grenzbereichen liegen, wo sie eigentlich – nach der allgemeinen Evolutionsgeschichte unseres Kosmos – nicht auftauchen dürften. [Bild der Wissenschaft auf CD-ROM, 1997. Zitiert nach: Bild der Wissenschaft, 1996, Nr. 12.]
Bei der Berechnung des Weltalters mit Hilfe der Einsteinschen Gleichungen spielt zunächst die nach dem Kosmologen Edwin Hubble benannte Maßzahl für die Expansionsgeschwindigkeit des Weltalls eine große Rolle. Sie kann durch astronomische Beobachtungen ermittelt werden und ermöglicht es, die seit dem »Urknall« verstrichene Zeit zu berechnen, an dem diese Ausdehnung gleichsam im Punkt Null eingesetzt hat. [Berliner Zeitung, 14.01.1995]
[…] [Nach Meinung der Bonner Astrophysiker] […] finden sich die Leerräume [im Weltall], im Astronomen‑Slang »Hubble Bubbles« genannt, überall gleichmäßig verteilt. Gebildet hätten sie sich quasi von selbst aus schwerkraftbedingten Dichteschwankungen. Allerdings sei dazu eine Zeit von rund dreißig Milliarden Jahren notwendig gewesen, also gut doppelt soviel, wie man bisher für das Weltalter annimmt. [Die Zeit, 06.11.1992, Nr. 46]
3.
allgemeiner, gehoben Zeitalter, Epoche, langer Zeitraum
Beispiele:
Zum Ende des 19. Jahrhunderts hin waren viele deutsche Wissenschaftler überzeugt, sie und das Reich seien dabei, ein  ›deutsches Weltalter‹ (so [der deutsche Altphilologe] Jacob Bernays) zu begründen. [Süddeutsche Zeitung, 06.10.1993]
Ich neige zu des Verfassers These, dass weibliche und männliche Weltalter alternieren. Und dass sich derzeit das männliche Weltalter erschöpft hat und, wie immer mit dem Demos und seinen Gottheiten, sich ein neues weibliches Weltalter vorbereitet. [Die Welt, 13.10.2018]
Der Mann [der römische Feldherr und spätere Diktator Sulla] ist auf dem Rückweg nach Rom. Er hat in Griechenland den pontischen König Mithridates besiegt, muß nun aber in der Heimatstadt einen Zwist beilegen. [Der Filmemacher Klaus] Wyborny zeigt ihn an der Schwelle zwischen dem griechischen und dem römischen Weltalter. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.02.2005]
Heute dagegen verwandele sich die Menschheit vom unterworfenen Subjekt zum Projekt, sie nimmt die Erkenntnis ernst, dass Menschen autopoietische Wesen seien und sich selbst erschaffen. Damit kündige sich nicht nur ein philosophischer Paradigmenwechsel, sondern ein neues Weltalter an. [Die Zeit, 16.08.2001, Nr. 34]
Gemeint war, in Äonen gedacht, daß auf die Ära der Vokalmusik und das Zeitalter der Instrumentalmusik jetzt das Weltalter der elektronischen Musik zu folgen sich anschicke. Gottfried Michael Koenig ist der Komponist dieser Dritten Epoche par excellence. [Die Zeit, 04.10.1996, Nr. 41]
Das artenreiche, über alle Ozeane verbreitete Geschlecht der Robben ist wahrscheinlich schon vor rund 60 Millionen Jahren, als das Weltalter der Säugetiere eben erst angebrochen war, aus marderähnlichen Raubtieren hervorgegangen. [Natzmer, Gert von: Tierstaaten und Tiergesellschaften, Berlin: Safari-Verl. 1967, S. 12]

letzte Änderung:

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Welt · weltlich · verweltlichen · Umwelt · Weltalter · Weltbürger · Weltmann
Welt f. ‘Erde, Universum, gesamte Realität’, ahd. weralt (8. Jh.), mhd. werlt und (zuerst 12. Jh., später häufiger) welt ‘Zeitalter, die gesamte Schöpfung, Erde als Wohnsitz der Menschen und als Gegensatz zum Meer, Menschheit’, asächs. werold, mnd. werlt, werlde, mnl. wērelt, werlt, nl. wereld, aengl. weorold, wor(o)ld, engl. world, anord. verǫld (wohl entlehnt aus dem Aengl.), schwed. värld (germ. *weraldi-). Es handelt sich um eine Zusammensetzung, deren erstes Glied aus ahd. (8. Jh.), mhd. wer ‘Mann’, asächs. aengl. wer ‘Mann, Mensch’, anord. verr ‘Mann, Ehemann’, got. waír ‘Mann’ (germ. *wera- m. ‘Mensch, Mann’, aus *wira-) besteht, das mit lat. vir ‘Mann, Gatte’, air. fer ‘Mann’ und (langvokalisch) aind. vīráḥ ‘Mann, kraftvoller Mann, Held’, lit. výras ‘Mann, Ehemann’ auf ie. *u̯ī̌ros ‘Mann’, eigentlich ‘der Kräftige’, führt, vielleicht zu der unter Weide2 (s. d.) genannten Wurzel ie. *u̯ei-, *u̯eiə- ‘auf etw. losgehen’, auch ‘kräftig sein’ gehörig. Das Grundwort besteht aus dem (mit unterschiedlicher Stammbildung) in aengl. ieldo ‘Zeitalter, -raum, Lebenszeit, Alter’ (Plur. ielde ‘Leute’), anord. ǫld ‘Lebenszeit, Zeitalter, Menschen’, got. alds ‘Menschenalter, Zeit’ überlieferten Substantiv, das zu der unter alt und Alter (s. d.) dargestellten Wurzel ie. *al- ‘wachsen, nähren’ gehört. Ahd. weralt übersetzt lat. saeculum ‘Geschlecht, Zeitalter, Zeit, Zeitgeist, Jahrhundert’, kirchenlat. ‘Welt, irdisches (sündiges) Leben’ und lat. mundus ‘Welt, Weltordnung, Weltall’ und entwickelt so bereits die Bedeutungen ‘Zeitalter, Menschen-, Weltalter, Zeitlichkeit, Kreis der Erdbewohner, Außenwelt, Erdkreis, Schöpfung’. Naturwissenschaftliche Betrachtungsweise erweitert in spätmhd. Zeit (14. Jh.) den Anwendungsbereich um ‘Makrokosmos, Universum’ sowie ‘Mikrokosmos, die kleine Welt des Menschen’. Dazu stellt sich in übertragenem Gebrauch Welt als Bezeichnung für einen ‘umfassenden geistigen Bereich’ (14. Jh., geläufig besonders seit dem 18. Jh., vgl. Fügungen wie eine Welt von Begriffen, der Erinnerungen, von Kenntnissen). Die Verwendung des Wortes im Sinne der christlichen Schöpfungsvorstellung tritt in neuerer Zeit hinter der der modernen Naturwissenschaften zurück. weltlich Adj. ‘die Welt betreffend, ihr angehörend, irdisch, sinnlich’, besonders als Gegenwort zu geistlich, kirchlich, himmlisch (‘jenseitig’), ahd. weraltlīh ‘zeitlich, irdisch, dem Laienstand gemäß, weltzugewandt’ (9. Jh.), mhd. werltlich, weltlich ‘zur Welt, zum Leben gehörend, weltlich gesinnt’, Übersetzungswort für lat. mundānus ‘zur Welt gehörig’ und saeculāris ‘zeitlich, weltlich, heidnisch’. verweltlichen Vb. ‘sich der Welt zuwenden’ (17. Jh.), ‘weltlicher Verwaltung unterstellen (von Kirchenbesitz), säkularisieren’ (19. Jh.). Umwelt f. ‘Umgebung des Menschen (Land, Leute)’. Da zuerst (1800) in einem dt. verfaßten Gedicht des Dänen Baggesen auftretend, ist vielleicht gleichbed. dän. omverden vorauszusetzen; danach Goethe (1816). Später (um 1870) wird Umwelt Übersetzungswort von Milieu (s. d.) in der Gesellschaftstheorie von Taine. Im biologischen Sinne versteht J. v. Uexküll (1909) unter Umwelt die für ein Lebewesen existierende und auf seine Lebensbedingungen einwirkende Umgebung (zunächst in Hinsicht auf Tiere, dann Menschen). Das Wort Umwelt wird (ca. 1970) als Standardbegriff aufgenommen von der ökologischen Bewegung und steht dort im weitesten Sinne für ‘Natur’, doch im allgemeinen Sprachgebrauch durchaus noch der Erstbedeutung folgend für ‘Dinge, Lebewesen, Vorgänge, die in Kontakt und Wechselbeziehung zum Menschen stehen’. Weltalter n. ‘Zeitalter’ (17. Jh.), ‘weltgeschichtlicher Zeitabschnitt’ (18. Jh.). Weltbürger m. ‘Mensch, der sich als Bürger der gesamten Welt, nicht nur als Bürger eines Staates empfindet’, Übersetzung (17. Jh.) von griech. kosmopolítēs (κοσμοπολίτης), s. Kosmopolit. Dann (18. Jh.) unter Einfluß von frz. cosmopolite als Schlagwort der Aufklärung ‘freier, weltweit (über die nationalen Grenzen hinaus) denkender Mensch, der sich der gesamten Menschheit verpflichtet fühlt’ (besonders seit Wieland); auch ‘Erdenbürger’ (18. Jh.). Weltmann m. ‘Mann mit Weltkenntnis, Erfahrung und gewandten Umgangsformen’ (16. Jh., geläufig seit 18. Jh.), vgl. Mann von Welt (18. Jh.) nach frz. homme du monde; auch allgemein ‘Mann, der das Leben meistert’ (17. Jh.), älter abschätzig für einen ‘allzu lebenstüchtigen Mann’ (16. Jh.); vgl. ahd. weraltman ‘Bewohner der Erde, Mensch’, abschätzig ‘weltlich gesinnter Mensch, Nichtgeistlicher’ (9. Jh.), mhd. werltman ‘Mensch auf Erden, weltlich gesinnter Mensch’; noch im 17. Jh. bilden Weltmann und Mönch ein Gegensatzpaar.

Thesaurus

Synonymgruppe
Weltalter · Zeitalter · sehr langer Zeitraum · Ära  ●  Äon(en)  auch figurativ · Ewigkeit  ugs.
Oberbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›Weltalter‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Weltalter‹.

Zitationshilfe
„Weltalter“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Weltalter>.

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