Werg, das

GrammatikSubstantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Werg(e)s · wird nur im Singular verwendet
Aussprache
eWDG, 1977

Bedeutung

kurze Fasern, die beim Hecheln von Flachs und Hanf abfallen und besonders als Polstermaterial und zum Abdichten von Rohrleitungen verwendet werden
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Werg n. ‘Abdichtungs- und Polstermaterial aus kurzen Fasern, die beim Hecheln von Hanf und Flachs abfallen’. Ahd. āwirki n. ‘grober Flachs oder Hanf, Abfall beim Schwingen des Flachses’ (um 800), āwirke f. (9. Jh.), āwirc n. (Hs. 12. Jh.), āwurki n. (10. Jh.), āwurka f. (Hs. 12. Jh.), āwerc n. (Hs. 13. Jh.), mhd. āwürke, āwerc n., nhd. (schwäb. alem.) Abwerk, Abwerg schließen sich als Bildungen mit dem Präfix ahd. ā- ‘von … weg, fort’ an das unter ↗Werk (s. d.) behandelte Substantiv im Sinne von ‘Ergebnis einer Tätigkeit’ an. Der Stammsilbenvokal folgt im Ahd. dabei teils ahd. wirken und wurken (s. ↗wirken), teils ahd. werc n. Daneben steht ebenfalls mit der speziellen Bedeutung ‘Flachs, Hanf, Abfall beim Flachsschwingen’ ahd. werc (9. Jh.), mhd. werc(h), nhd. Werg, mnd. wer(c)k, mnl. werc, nl. werk. Schreibung mit auslautendem -g tritt im Md. des 15. Jhs. auf, beginnt aber erst im 18. Jh. sich allmählich durchzusetzen (voll ausgeprägt im 20. Jh.). Als Abdichtungs- und Polstermittel ist Werg seit dem 16. Jh. bezeugt.

Thesaurus

Synonymgruppe
Flachs · Werg
Oberbegriffe

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Der Seiler hockte auf einem Dreifuß und zupfte Werg aus alten Tauen.
Ransmayr, Christoph: Die letzte Welt, Gütersloh: Bertelsmann 1990 [1990], S. 92
Die Ohren verstopfte er gegen den Wasserdruck mit einem Gemisch aus Werg und Butter.
Süddeutsche Zeitung, 06.05.1994
Redensarten mit Werg gehören also zum Umkreis des alten Spinnrades.
Röhrich, Lutz: Werg. In: Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten [Elektronische Ressource], Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1994], S. 33670
Doch auch sonst bewegen sich’ seine Menschen mechanisch und stereotyp, wie mit Werg ausgestopfte Puppen.
Die Zeit, 15.11.1956, Nr. 46
Zur Geräuschdämmung wird der Rahmen am besten mit Holzwolle, Werg, Zeitungspapier oder Schaumstoff ausgefüllt.
Bernd Käsch, Heimwerker-Handbuch: Wiesbaden: Falken-Verlag Erich Sicker 1968, S. 30
Zitationshilfe
„Werg“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Werg>, abgerufen am 20.06.2019.

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