Wesen, das

GrammatikSubstantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Wesens · Nominativ Plural: Wesen
WorttrennungWe-sen (computergeneriert)
Wortbildung mit ›Wesen‹ als Erstglied: ↗Wesensart · ↗Wesensausdruck · ↗Wesensgehalt · ↗Wesenskern · ↗Wesensmerkmal · ↗Wesensunterschied · ↗Wesenszug · ↗wesenhaft · ↗wesenlos · ↗wesenseigen · ↗wesensfremd · ↗wesensgemäß · ↗wesensgleich · ↗wesensmäßig · ↗wesensverschieden · ↗wesensverwandt
 ·  mit ›Wesen‹ als Letztglied: ↗Doppelwesen · ↗Einzelwesen · ↗Fabelwesen · ↗Gattungswesen · ↗Geistwesen · ↗Gottwesen · ↗Halbwesen · ↗Kulturwesen1 · ↗Lebewesen · ↗Mangelwesen · ↗Maschinenwesen · ↗Menschenwesen · ↗Mischwesen · ↗Mängelwesen · ↗Naturwesen · ↗Seewesen2 · ↗Sinnenwesen · ↗Urwesen · ↗Vernunftwesen · ↗Zauberwesen · ↗Zwitterwesen · ↗Überwesen
 ·  mit ›Wesen‹ als Grundform: ↗Gewese  ·  formal verwandt mit: ↗entwesen
eWDG, 1977

Bedeutungen

1.
nur im Singular
das Grundlegende, die Eigenart
a)
Gesamtheit der entscheidenden, bestimmenden inneren Eigenschaften einer Sache, die ihre besondere, eigentümliche Art ausmachen
Beispiele:
das Wesen einer Sache erkennen, erfassen, ergründen, erforschen
das Wesen einer Krankheit beurteilen
etw. enthüllt das innere, wahre, widerspruchsvolle Wesen einer Sache
etw. deckt das eigentliche Wesen auf
tief in das Wesen einer Sache eindringen
etw. liegt im Wesen einer Sache, gehört zum Wesen einer Sache
b)
Philosophie Kategorie in zahlreichen philosophischen Strömungen
Beispiel:
eine materialistische, idealistische Auslegung des Begriffs des Wesens
Marxismus Gesamtheit der inneren, allgemeinen, invarianten Bestimmungen der Dinge und Prozesse, die diesen notwendigerweise zukommen
Beispiele:
das Wesen eines Dinges tritt in der Erscheinung zutage
Wesen und Erscheinung bilden eine dialektische Einheit von Gegensätzen
2.
nur im Singular
Gesamtheit der entscheidenden individuellen geistig-seelischen Eigenschaften eines Menschen, wie sie in Gesinnung, Lebensführung und Verhalten zum Ausdruck kommen, Charakter
Beispiele:
er verstand das Wesen seines Freundes
sein (ganzes) Wesen (= seine ganze Persönlichkeit, er) empörte sich dagegen, ist verändert, gefällt mir nicht
sein ganzes Wesen ist mir fremd
er leidet bis in die Tiefen seines Wesens
jmdm. sein (innerstes) Wesen (= sein Innerstes) offenbaren, enthüllen
er ist im Grunde seines Wesens schüchtern
er war mit jeder Faser seines Wesens ein Künstler
das gehört zu seinem Wesen, ist seinem Wesen fremd
diese Tat, das entspricht nicht seinem Wesen
Art und Weise, wie jmd. aufgrund seiner Veranlagung, seines Charakters in seiner Umwelt wirkt, sich verhält
Beispiele:
er hat ein freundliches, frisches, angenehmes, gerades, kindliches, verspieltes, sprunghaftes, schüchternes, scheues, ungehobeltes Wesen
jmd. zeigt ein verändertes, verstörtes, gedrücktes, herausforderndes, gebieterisches Wesen
sein rücksichtsloses, launisches, aufdringliches, unterwürfiges, unhöfliches, starres, finsteres Wesen wirkte abstoßend
er ist ein Mensch von heftigem, liebenswürdigem Wesen
ein lebhaftes, lautes, munteres, lustiges, gesetztes, würdiges Wesen zur Schau tragen, an den Tag legen
3.
nur im Singular
veraltend Tun und Treiben
Beispiele:
das laute, heitere, tolle Wesen auf dem Rummelplatz störte sie
Sie können das Wesen mit der schlawinerischen Braut nicht mehr dulden [A. ZweigRegenbogen128]
Ich wußte, daß hinter der graugestrichenen Tür ... Christian sein Wesen hatte [Hausm.Überfall16]
jmd. treibt sein Wesen
Beispiele:
die Kinder trieben im Garten ihr Wesen (= tummelten sich im Garten)
am Ufer treiben die Blesshühner ihr Wesen
im Vorort N treibt ein Einbrecher sein Wesen (= treibt sein Unwesen, gefährdet Sicherheit und Ordnung)
umgangssprachlich viel, kein Wesen, Wesens von etw., jmdm. macheneiner Sache, jmdm. viel, wenig Bedeutung beimessen, viel, wenig Aufhebens, Umstände machen
Beispiele:
mach nicht so viel Wesens davon, darum!
er machte kein Wesen daraus
er war dagegen, dass man (solch) ein Wesen um ihn machte
4.
lebender Organismus, Lebewesen
Beispiele:
er sah im Wasser winzige, lebende, kleine, fremde Wesen
der Mensch ist ein gesellschaftliches, soziales, geselliges Wesen
Der Mensch hatte ... ein geistiges Wesen zu werden, das die Erde beherrscht und bezwingt [StrittmatterWundertäter232]
angeblich vorhandenes Geschöpf
Beispiel:
er glaubt an überirdische, übernatürliche, höhere Wesen
Mensch
Beispiele:
sie ist ein liebes, freundliches, sanftes, gütiges, angenehmes, sonniges, reizendes, zartes, unscheinbares, ängstliches, scheues, kränkliches, hilfloses, armes, verbittertes Wesen
sie ist das einzige Wesen, das er liebt
umgangssprachlich ein weibliches Wesen (= Frau, Mädchen)
umgangssprachlich ein männliches Wesen (= Mann, Knabe)
ein menschliches Wesen (= Mensch)
sie nahm das kleine Wesen (= Kind) auf den Arm
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Wesen · wesentlich
Wesen n. ‘Tun und Lassen, den Charakter eines Menschen bestimmende Grundeigenschaften, das Grundlegende einer Sache, Lebewesen’, ahd. wesan ‘das Verweilen an einem Ort, Aufenthalt, Existenz, Dasein’ (8. Jh.), mhd. mnd. wesen ‘das Sein, Verweilen, Wohnen, Aufenthalt(sort), Wohnung, Hauswesen, Existenz, Wesenheit, Leben, Art, Eigenschaft, Zustand, Ding, Sache’, mnl. wesen, nl. wezen ist die nur im Dt. und Nl. übliche Substantivierung des alten germ. Infinitivs zu dem unter ↗sein (s. d.) genannten stark flektierenden Verbum ahd. wesan (8. Jh.), mhd. wesen ‘sein, verweilen, sich aufhalten, existieren, dauern, geschehen’, asächs. aengl. wesan, mnd. mnl. wesen, afries. wesa, anord. vesa, got. wisan (germ. *wesan), verwandt mit aind. vásati ‘wohnt, lebt, verweilt’, griech. aésai (ἀέσαι, Aorist) ‘(die Nacht) zubringen’, lat. Vesta ‘Göttin des häuslichen Herdes’, mir. fō(a)id (aus *u̯oseti) ‘nächtigt, bleibt, verweilt, wacht in der Nacht’. Daraus ist ie. *u̯es- erschließbar, das als Erweiterung der Wurzel ie. *au- ‘verweilen, wohnen, übernachten’ erklärbar ist. Die Gebrauchshäufigkeit von Wesen nimmt seit dem 14. Jh. beträchtlich zu; es entwickeln sich dabei zahlreiche neue Bedeutungen, z. B. ‘(sozialer) Stand, Status’ (14. Jh.); ‘Tun und Treiben’ (Hauptbedeutung im Frühnhd.), vgl. viel Wesens (‘Aufhebens, Lärm’) machen (16. Jh.), sein Wesen treiben ‘seinem Tun und Treiben nachgehen’, dann ‘sein Spiel mit etw. treiben’ (18. Jh.); ‘öffentliches Gemeinwesen und dessen Ordnung’ (14. Jh.); ‘Sache, Ding’ (Ende 13. Jh.), vgl. das ist ein seltsames Wesen ‘eine seltsame Sache’. Seit dem 18. Jh. vor allem ‘Lebewesen, Ding’, dann ‘die eigentliche Natur einer Sache’ (vgl. das Wesen der Sache), ‘die Art, der Charakter eines Menschen’ (vgl. gesetztes, einnehmendes Wesen, 18. Jh.), ‘nationale Eigenart’ (17. Jh.; vgl. deutsches Wesen, 18. Jh.); ‘Inbegriff der Persönlichkeit’ (Anfang 18. Jh.). wesentlich Adj. ‘hauptsächlich, charakteristisch, wichtig, bestimmend’, ahd. (mit aus dem Partizip stammendem Dental) wesantlīh ‘seiend, substantiell’ (9. Jh.), wesantlīhho Adv. (um 1000), mhd. wesentlich, meist jedoch wes(en)lich ‘wesenhaft, wirklich, dauerhaft, häuslich’, frühnhd. auch ‘wohnhaft, seßhaft, in gutem Zustand befindlich’.

Thesaurus

Synonymgruppe
(das) Eigentliche · (das) Wesentliche · ↗Essenz · ↗Grundgedanke · Hauptgehalt · ↗Hauptsache · ↗Kerngedanke · ↗Kernstück · ↗Knackpunkt · ↗Quiddität · ↗Substanz · Wesen · das Alpha und das Omega · das Um und Auf · zentraler Inhalt  ●  (das) hüpfende Komma  ironisch · (der) Casus knacktus  ugs., salopp · (der) Casus knaxus  ugs., salopp · (der) springende Punkt  ugs. · das A und O  ugs.
Assoziationen
  • Eckpunkte · Rahmenbedingungen · Richtgrößen
Synonymgruppe
Geschöpf · ↗Kreatur · Wesen  ●  ↗Lebewesen  fachspr., Hauptform · ↗Organismus  fachspr.
Oberbegriffe
Unterbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Anlage · ↗Charakter · ↗Eigenart · ↗Naturell · ↗Temperament · ↗Veranlagung · Wesen
Oberbegriffe
  • psychologische Eigenschaft
Unterbegriffe
Synonymgruppe
Wes · Wesen · Wessen
Oberbegriffe
Synonymgruppe
Charakter · ↗Eigenart · ↗Format · ↗Gemüt · ↗Gemütsart · ↗Gepräge · ↗Natur · ↗Naturell · ↗Persönlichkeit · ↗Temperament · ↗Veranlagung · Wesen · ↗Wesenheit · ↗Wesensart  ●  ↗Profil  fachspr.
Unterbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Art · ↗Charakter · ↗Eigenart · ↗Eigentümlichkeit · ↗Gepräge · Wesen
Synonymgruppe
(unheimliches o.ä.) Wesen · ↗Geist · ↗Gespenst · ↗Phantom · ↗Schemen · ↗Spirit · ↗Spuk · ↗Spukgestalt  ●  ↗Manen  ugs., Plural
Oberbegriffe
  • Fabelwesen · Fantasiegeschöpf · Phantasiegeschöpf · übernatürliches Wesen
Unterbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Christentum Ding Erscheinung ausmachen außerirdisch denkend eigentlich einnehmend entsprechen ergründen fremd freundlich geistig geliebt genesen göttlich inner innerst intelligent lebend lebendig menschenähnlich menschlich männlich seltsam unbekannt vernunftbegabt vernünftig wahr weiblich

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Wesen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Dabei wägt man die Interessen aller leidensfähigen Wesen ab, die bei einer Entscheidung betroffen sind.
Die Zeit, 29.10.2013, Nr. 44
Er ist so unzuverlässig, ich kann mit seinem Wesen nicht.
konkret, 1982
Wie wunderbar ist es doch, solch ein liebes Wesen zu besitzen.
Brief von Ernst G. an Irene G. vom 12.04.1944, Feldpost-Archive mkb-fp-0270
Man ist doch während dieser Zeit unsagbar glücklich und die Freude über so ein kleines Wesen, das zum Licht drängt, die kann man nicht verheimlichen.
Brief von Irene G. an Ernst G. vom 01.11.1940, Feldpost-Archive mkb-fp-0270
Ihr habt einige oberflächliche Erkenntnisse über das Wesen der chemischen Elemente.
Werfel, Franz: Die Vierzig Tage des Musa Dagh II, Stockholm: Bermann - Fischer 1947 [1933], S. 172
Zitationshilfe
„Wesen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Wesen>, abgerufen am 22.08.2019.

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