Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

West, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: West(e)s · wird nur im Singular verwendet
Nebenform W
Aussprache  [vɛst]
GrundformWesten
Wortbildung  mit ›West‹ als Erstglied: WNW · Westnordwest  ·  mit ›West‹ als Letztglied: Nordwest · Südwest · Wildwest
Wahrig und ZDL

Bedeutungen

1.
Synonym zu Westen (1), in gegensätzlicher Bedeutung zu Ost (1)
Grammatik: ohne Artikel
Kollokationen:
in Präpositionalgruppe/-objekt: [der Wind weht] aus West
Beispiele:
Der Wind weht im Süden meist schwach, sonst mäßig, weiter nach Norden hin auch frisch mit starken, vereinzelt auch stürmischen Böen aus West bis Südwest. [Trüb und regnerisch vor Weihnachten – Die Zeit, 23.12.2015, aufgerufen am 17.02.2021]
Der Wind (meist aus W bis SW, fast nie aus O) frischte elfmal bis mindestens Stärke 6 auf, nur zweimal bis mindestens Sturmstärke 8. [Süddeutsche Zeitung, 09.09.2004]
Auf einmal steigt die Temperatur über dem Nordpol rasant an, und der Polarwirbel, der sonst im Winter in rund 30 Kilometern Höhe stabil von West nach Ost rund um den Nordpol weht, bricht zusammen oder kehrt seine Richtung um. [Süddeutsche Zeitung, 13.01.2021]
Auch Tief »Dieter«, das bis Samstag Deutschland von West nach Ost überquert, werde es […] nicht wärmer machen, sondern Regen und Schnee bringen. [Die Zeit, 27.03.2013 (online)]
Wir hatten uns damit abgefunden, dass dieses Auto zwar über kein Navigationssystem verfügt, aber über eine gut lesbare Anzeige von Außentemperatur und Himmelsrichtung – in den Abstufungen N, NE, E, SE, S, SW, W, NW. [Die Zeit, 27.03.2002]
2.
Synonym zu Westen (2, 3, 4), in gegensätzlicher Bedeutung zu Ost (2)
Grammatik: ohne Artikel
Kollokationen:
in Präpositionalgruppe/-objekt: das Gefälle, das Gleichgewicht, der Unterschied zwischen West und Ost
in Koordination: [in, zwischen, von] West und Ost
Beispiele:
Zunächst einmal müsste die gefährliche Sprachlosigkeit überwunden werden, die derzeit zwischen West und Ost herrscht. [Den Draht nach Moskau nicht abreißen lassen – Die Zeit, 09.12.2014, aufgerufen am 17.02.2021]
Finanzbedarf gebe es in West wie Ost: »Die Städte und Gemeinden in Ostdeutschland sind im Durchschnitt deutlich weniger verschuldet als die Städte und Gemeinden im Westen.« [Städte- und Gemeindebund, 25.11.2014, aufgerufen am 17.02.2021]
Bei Vergütung und Zufriedenheit [bei Praktikanten] ergibt sich der typische Unterschied zwischen West und Ost – beides ist in den östlichen Bundesländern weit unter Durchschnitt. [Der Spiegel, 29.09.2014 (online)]
Tatsächlich […] treffen hier [in Georgien] Russland und die Nato aufeinander, Ost und West. [Süddeutsche Zeitung, 19.05.2008]
Als Symbol seines EU‑Vorsitzes hat Griechenland die Schwalbe gewählt. Sie soll die »Hoffnung auf den Frühling« Europas mit dem baldigen Zusammenwachsen von West und Ost, aber auch Freiheit, Sicherheit und Transparenz versinnbildlichen. [Der Standard, 18.12.2002]
3.
in gegensätzlicher Bedeutung zu Ost (3)
Grammatik: ohne Artikel, als (nachgestelltes) geografisches Bestimmungswort bei Substantiven, meist Eigennamen. Wird ein geografischer Name von einem nachgestellten Substantiv näher bestimmt, so kann man laut § 52, getrennt schreiben oder einen Bindestrich setzen (z. B. München West oder München‑West).
Beispiele:
Bei seinen Einsätzen in der Regionalliga West fiel H[…] nicht unbedingt als Torjäger auf[…]. [Süddeutsche Zeitung, 11.01.2021]
Erst am Montag traue ich mich runter »ins Städtle«, wie man hier sagt, denn Stuttgarter wohnen entweder in [Stuttgart] Mitte, Süd, Ost, West oder in einem der vielen ehemaligen Dörfer, die nach der Eingemeindung weitere Teile der Landeshauptstadt bilden. [Die Welt, 27.06.2020]
Deutschland West erholte sich schnell von den Folgen des Krieges. [Welt am Sonntag, 26.04.2020]
Gestern feierten die fünfstelligen Postleitzahlen […] 20. Geburtstag. Die Wiedervereinigung hatte eine Neustrukturierung nötig gemacht. Bis damals gab es […] neben W‑5400 Koblenz auch noch O‑5400 Sondershausen (W für West, O für Ost[-Deutschland]), der Ort in Thüringen war für eine kurze Zeit unser PLZ‑Zwilling. [Rhein-Zeitung, 02.07.2013]
Der Autobahnring München‑West kann weitergebaut werden. [Süddeutsche Zeitung, 22.03.1996]
Die beiden Hauptzollämter München‑Mitte und München West mit acht Sachgebieten und zwei Abfertigungsstellen wurden fusioniert. [Süddeutsche Zeitung, 12.04.1995]
Mit großer Mehrheit wurde die Landesregierung [von der südhessischen SPD] aufgefordert, ihre »politischen und rechtlichen Möglichkeiten zu nutzen, um einen unnötigen Bau der Startbahn West zu verhindern«. [Der Spiegel, 24.11.1980]
Lag der Wechselkurs von Ost‑ in Westmark seit Jahren bei drei zu eins, so müssen für eine D‑Mark West inzwischen vier Ostmark angelegt werden. [Der Spiegel, 27.09.1976]
4.
veraltet, meist dichterisch aus Westen kommender Wind, Westwind
in gegensätzlicher Bedeutung zu Ost (4)
Beispiele:
Gegen elf Uhr nachts frischte der West ein wenig auf, wurde wie beiläufig stärker, eine unruhige Nacht ankündigend, doch der Himmel klarte wieder auf, lang genug, um die Sterne hervorkommen zu lassen. [Schrott, Raoul: Tristan da Cunha oder die Hälfte der Erde. [o. O.]: Hanser Verlag 2003, S. 129]
»Dort ist kein Schnee, kein Winterorkan, kein gießender Regen, ewig wehen die Gesäusel des leise atmenden Westes« – der überschwengliche Gesang aus Homers Odysee trifft zwar nicht genau die klimatischen Verhältnisse der Kanaren. Aber sollte Homer bereits von den wetterbestimmenden Passatwinden gewußt haben? [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.04.1993]

letzte Änderung:

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Westen · West · westlich
Westen m. (meist ohne Artikel) ‘Himmelsrichtung des Sonnenuntergangs’, (mit Artikel) ‘das westliche Gebiet der Erde, der westliche Teil eines bestimmten Gebietes und dessen Bewohner’, historisch besonders ‘christliches Abendland, Okzident’ (vgl. schon mhd. westerrīche) als Gegensatz zum ‘heidnischen Orient’ (18. Jh.). Ahd. westan m. n. (11. Jh.; auch ‘Westwind’, 10. Jh.), mhd. mnd. mnl. nl. westen sind Substantivierungen des Richtungsadverbs ahd. westana ‘von Westen’ (9. Jh.), mhd. westen(e) ‘von, im, nach Westen’, asächs. westan(a) ‘von Westen’, mnl. westen, aengl. westan(e) ‘von, im Westen’, anord. vestan ‘von, nach, im Westen’. Dazu gehören weitere Richtungsadverbien wie mnd. mnl. aengl. west ‘nach, im Westen’ und (mit dem Suffix ie. -tero-) ahd. westar ‘westwärts, nach Westen’ (9. Jh.), mhd. wester, asächs. westar, aengl. westerne, anord. vestr. Daraus ableitbares germ. *wes- läßt sich (im Hinblick auf den Sonnenstand) mit aind. avás ‘herab’, ávaraḥ ‘der untere’, áva ‘herab, weg, ab’, lat. au- ‘fort’, lit. au- ‘weg von, von, ab’, aslaw. u-, russ. u- (у-) ‘ab, weg’ verbinden, so daß von einer Wurzel ie. *au-, *u̯ē̌- ‘herab, weg von’ (s. auch öde) ausgegangen werden kann. Vielleicht gehört hierher auch der erste Wortbestandteil von griech. hésperos (ἕσπερος) ‘Abend, abendlich, westlich’, hespéra (ἑσπέρα) ‘Abend, Westen’, lat. vesper ‘Abend’. Westen ist die ‘Himmelsrichtung, in der die Sonne hinabsinkt, die Abendseite’. West m. (ohne Artikel, besonders in der Seemannssprache und Meteorologie) ‘Himmelsrichtung, in der die Sonne untergeht’, frühnhd. west (15. Jh.), im Ahd. und Mhd. nur in Komposita belegt, vgl. ahd. westnordrōni ‘Nordwestwind’ (10. Jh.), westnordrōniwint (Hs. 12. Jh.), westsundan ‘Südwest(wind)’ (Hs. 12. Jh.), in Eigennamen Westfalo (8. Jh.), Westheim (8. Jh.). West (mit Artikel) ‘aus westlicher Richtung wehender Wind, Westwind’, im 15. Jh. gekürzt aus Westwind, ahd. westan(a)wint (um 1000), mhd. westenwint (bis ins 17. Jh. gebräuchlich) und ahd. westarwint (Hs. 12. Jh.), mhd. westerwint. westlich Adj. ‘von Westen, im Westen gelegen, zum Westen gehörend’, Übernahme (17. Jh., geläufig seit 18. Jh.) von mnd. westelīk (seit dem 15. Jh. in mnd. nautischen Quellen); doch vgl. ahd. westar (9. Jh.), westarlīh ‘westlich’ (11. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Watt  ●  W  Einheitenzeichen
Oberbegriffe
Chemie
Synonymgruppe
Tungsten  engl. · W  Elementsymbol · Wolfram  Hauptform
Oberbegriffe
  • Nebengruppenelement
Synonymgruppe
Westen (Himmelsrichtung)  ●  Abend  geh., veraltet, poetisch · West  fachspr., meteorologisch, seemännisch

Typische Verbindungen zu ›West‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›West‹.

Zitationshilfe
„West“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/West>.

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