West, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: West(e)s · Nominativ Plural: Weste
Aussprache 
Grundform Westen
Wortbildung  mit ›West‹ als Erstglied: ↗WNW · ↗Westnordwest  ·  mit ›West‹ als Letztglied: ↗Nordwest · ↗Südwest · ↗Wildwest

Bedeutungsübersicht+

  1. 1. [Seemannssprache, Meteorologie] Westen
  2. 2. ⟨Ost und West⟩
    1. a) [historisch] aus geographischer Sicht geprägte Bezeichnung für die sozialistischen und die kapitalistischen Länder
    2. b) ...
  3. 3. [Seemannssprache, Meteorologie] aus Westen kommender Wind, Westwind
eWDG, 1977

Bedeutungen

1.
Seemannssprache, Meteorologie Westen
Grammatik: nur im Singular, ohne Artikel
Gegenwort zu Ost
Beispiele:
das Schiff nahm Kurs auf West
der Wind drehte (sich) nach West
die Vögel zogen von Ost nach West
2.
Ost und West
Grammatik: nur im Singular, ohne Artikel
a)
historisch aus geographischer Sicht geprägte Bezeichnung für die sozialistischen und die kapitalistischen Länder
Beispiel:
eine Pressekonferenz mit Journalisten aus Ost und West abhalten
b)
Beispiele:
sie kamen von Ost und West (= sie kamen von überall her)
sie lebten in Ost und West (= sie lebten überall)
3.
Seemannssprache, Meteorologie aus Westen kommender Wind, Westwind
Grammatik: mit bestimmtem Artikel
Gegenwort zu Ost
Beispiel:
der West erreichte Orkanstärke
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Westen · West · westlich
Westen m. (meist ohne Artikel) ‘Himmelsrichtung des Sonnenuntergangs’, (mit Artikel) ‘das westliche Gebiet der Erde, der westliche Teil eines bestimmten Gebietes und dessen Bewohner’, historisch besonders ‘christliches Abendland, Okzident’ (vgl. schon mhd. westerrīche) als Gegensatz zum ‘heidnischen Orient’ (18. Jh.). Ahd. westan m. n. (11. Jh.; auch ‘Westwind’, 10. Jh.), mhd. mnd. mnl. nl. westen sind Substantivierungen des Richtungsadverbs ahd. westana ‘von Westen’ (9. Jh.), mhd. westen(e) ‘von, im, nach Westen’, asächs. westan(a) ‘von Westen’, mnl. westen, aengl. westan(e) ‘von, im Westen’, anord. vestan ‘von, nach, im Westen’. Dazu gehören weitere Richtungsadverbien wie mnd. mnl. aengl. west ‘nach, im Westen’ und (mit dem Suffix ie. -tero-) ahd. westar ‘westwärts, nach Westen’ (9. Jh.), mhd. wester, asächs. westar, aengl. westerne, anord. vestr. Daraus ableitbares germ. *wes- läßt sich (im Hinblick auf den Sonnenstand) mit aind. avás ‘herab’, ávaraḥ ‘der untere’, áva ‘herab, weg, ab’, lat. au- ‘fort’, lit. au- ‘weg von, von, ab’, aslaw. u-, russ. u- (у-) ‘ab, weg’ verbinden, so daß von einer Wurzel ie. *au-, *u̯ē̌- ‘herab, weg von’ (s. auch ↗öde) ausgegangen werden kann. Vielleicht gehört hierher auch der erste Wortbestandteil von griech. hésperos (ἕσπερος) ‘Abend, abendlich, westlich’, hespéra (ἑσπέρα) ‘Abend, Westen’, lat. vesper ‘Abend’. Westen ist die ‘Himmelsrichtung, in der die Sonne hinabsinkt, die Abendseite’. West m. (ohne Artikel, besonders in der Seemannssprache und Meteorologie) ‘Himmelsrichtung, in der die Sonne untergeht’, frühnhd. west (15. Jh.), im Ahd. und Mhd. nur in Komposita belegt, vgl. ahd. westnordrōni ‘Nordwestwind’ (10. Jh.), westnordrōniwint (Hs. 12. Jh.), westsundan ‘Südwest(wind)’ (Hs. 12. Jh.), in Eigennamen Westfalo (8. Jh.), Westheim (8. Jh.). West (mit Artikel) ‘aus westlicher Richtung wehender Wind, Westwind’, im 15. Jh. gekürzt aus Westwind, ahd. westan(a)wint (um 1000), mhd. westenwint (bis ins 17. Jh. gebräuchlich) und ahd. westarwint (Hs. 12. Jh.), mhd. westerwint. westlich Adj. ‘von Westen, im Westen gelegen, zum Westen gehörend’, Übernahme (17. Jh., geläufig seit 18. Jh.) von mnd. westelīk (seit dem 15. Jh. in mnd. nautischen Quellen); doch vgl. ahd. westar (9. Jh.), westarlīh ‘westlich’ (11. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Westen (Himmelsrichtung)  ●  ↗Abend  geh., veraltet, poetisch · West  fachspr., meteorologisch, seemännisch

Verwendungsbeispiele für ›West‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Um mir das mitzuteilen, hatte sie mich mitten auf dem West Broadway angehalten.
Die Zeit, 24.02.2000, Nr. 9
Wird sich letztlich von West nach Ost jedes Land gegen das andere abschotten?
Der Spiegel, 05.11.1990
Seit Juni 1991 sind die Kirchen in Ost und West wiedervereint.
o. A. [zip]: EKD. In: Aktuelles Lexikon 1974-2000, München: DIZ 2000 [1998]
Über beide Organisationen pflegt sie zahlreiche internationale Verbindungen nach Ost und West.
Zimmermann, Hartmut (Hg.): DDR-Handbuch - C. In: Enzyklopädie der DDR, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1985], S. 29725
Und nach Ost und nach West stiegen sie ab zu Tal.
Braun, Lily: Lebenssucher. In: Deutsche Literatur von Frauen, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1915], S. 2536
Zitationshilfe
„West“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/West>, abgerufen am 23.11.2020.

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