Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Westdeutsch, das

Die Verwendung der beiden möglichen Formen des Wortes richtet sich einerseits nach formalen Kriterien, andererseits tendenziell auch nach der beabsichtigten Bedeutung. Die Form ohne ‑e ist die einzige Möglichkeit, wo sonst starke Formen des Adjektivs gefordert wären (ich verstehe kein Westdeutsch). Sie wird gewöhnlich dann verwendet, wenn von verschiedenen Ausprägungen der Sprache die Rede ist (das typische Westdeutsch, im Westdeutsch des 18. Jahrhunderts) und steht häufiger als Subjekt und Objekt (ohne Artikel: ich verstehe Westdeutsch) als in anderen Rollen (der Fortbestand unseres Westdeutsch(s)). Die Form mit ‑e, die immer mit Artikel steht, kann in allen Fällen verwendet werden, wo schwache Adjektivendungen vorkommen (aus dem Westdeutschen ins Schriftdeutsche gelangen, der Fortbestand unseres Westdeutschen). Sie wird gewöhnlich verwendet, wenn die Sprache allgemein gemeint ist (das Westdeutsche ist eine bunte Sprachmischung).
Grammatik Substantiv (Neutrum) · Genitiv Singular 1: Westdeutsch · Genitiv Singular 2: selten Westdeutschs · wird nur im Singular verwendet
Nebenform Westdeutsche · Substantiv · Genitiv Singular: Westdeutschen
Aussprache  [ˈvɛstdɔɪ̯tʃ] · [ˈvɛstdɔɪ̯tʃə]
Worttrennung West-deutsch ● West-deut-sche
Grundformwestdeutsch
ZDL-Vollartikel

Bedeutung

Gesamtheit der im mittleren Westdeutschland oder in der alten Bundesrepublik vor 1990 gesprochenen Mundarten oder der darauf beruhenden Akzente
Anders als Nieder-, Mittel-, Ober- und Hochdeutsch (2) handelt es sich hier um eine regionale, nicht sprachwissenschaftliche Bestimmung. Gemeint sind überwiegend westmitteldeutsche Dialekte oder entsprechende Einschläge im Hochdeutschen (1).
Beispiele:
Die junge Dame an der Hotelrezeption in Leipzig sprach zwar fehlerfrei Sächsisch, war aber auch des Westdeutschen mächtig. [Der Spiegel, 30.03.2002]
Sie feiert Feten (auf Westdeutsch: Partys), sie trinken Kirsch‑Whisky (was auch immer das für ein Gesöff ist). [Bild, 13.05.2013]
In einem seiner letzten Interviews bemerkte er [der Schriftsteller Erwin Strittmatter] beiläufig, dass er zwar in einige Dutzend Sprachen übertragen worden sei, »nur nicht ins Westdeutsche«. [Die Welt, 17.04.2000]
Formuliert worden ist der kommentierende Teil offenkundig von den Kooperatoren Ost. Man merkt das an einigen spezifischen DDR‑Vokabeln, die immer wiederkehren. Etwa an der »Zielstellung«, an deren Stelle im Westdeutschen »Zielsetzung« üblich ist – beides übrigens unschöne Indizien für die Sprachinflation, die das gute alte »Ziel« entwertet hat. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.02.1995]
Man hat nicht nur gekürzt, sondern alles, vom Titel »Hier spricht man Westdeutsch« angefangen, rücksichtslos alles herausgestrichen, was zum Thema »Sprachzerreißung« drinsteht. [Klemperer, Victor: [Tagebuch]. In: ders.: So sitze ich denn zwischen allen Stühlen. Berlin: Aufbau-Verl. 1999 [1950], S. 46]

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Typische Verbindungen zu ›Westdeutsche‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Westdeutsche‹.

Zitationshilfe
„Westdeutsch“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Westdeutsch#1>.

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Westdeutsche, die oder der

Grammatik Substantiv (Femininum, Maskulinum) · Genitiv Singular: Westdeutschen · Nominativ Plural: Westdeutsche(n)
Mit Pluralendung ‑n wird das Wort in der schwachen Flexion (bestimmter Artikel) und der gemischten Flexion (Indefinitpronomen, Possessivpronomen) gebildet, z. B. die, keine Westdeutschen, in der starken Flexion ist die Endung unmarkiert, z. B. zwei, einzelne Westdeutsche.
Aussprache  [ˈvɛstdɔɪ̯tʃə]
Worttrennung West-deut-sche
Wortzerlegung Westen Deutsche2
Wortbildung  mit ›Westdeutsch‹ als Erstglied: Wessi
ZDL-Vollartikel

Bedeutung

Person, die im Westen Deutschlands geboren wurde oder lebt
bezogen entweder auf den engeren geografischen Westen, im Gegensatz zum Norden, Osten und Süden, oder auf das ganze Gebiet der alten Bundesrepublik Deutschland vor 1989 im Gegensatz zu Ostdeutschland als ehemaliger DDR
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: ein gebürtiger Westdeutscher
in Koordination: Westdeutsche und Ostdeutsche, Westberliner
in Präpositionalgruppe/-objekt: der Unterschied, das Verhältnis zwischen Westdeutschen [und Ostdeutschen]
Beispiele:
Es gibt keine Charaktermauer zwischen Ost‑ und Westdeutschen, sondern es waren die unterschiedlichen Lebenswelten und Trainingsfelder, auf denen Haltungen eingeübt wurden. [Welt am Sonntag, 04.08.2019]
Während sich 52 Prozent aller Westdeutschen sicher fühlen (45 Prozent nicht), sind es im Osten nur 29 Prozent (59 Prozent nicht)! [Bild am Sonntag, 04.08.2019]
Heute unterscheide ich mich von Westdeutschen so wie von Süddeutschen oder anderen Ostdeutschen. [Die Zeit, 30.10.2014]
Als die Gäste in der Schlußphase nach großem Kampf über mehr als eine Stunde kräftemäßig am Ende waren, gelang den Platzherren noch der zählbare Erfolg. Der Bochumer Punktgewinn war schon deswegen nicht unverdient. Hinzu kam, daß die Westdeutschen das Fehlen von mehreren verletzten Stammspielern besser kompensieren konnten als die Norddeutschen. [Frankfurter Rundschau, 27.02.1999]
Es war die Bundesrepublik, die formell und förmlich die Rechtsnachfolge des Dritten Reiches antrat, wodurch das Staatsvolk der Westdeutschen zur Wiedergutmachung verpflichtet wurde. [Engler, Wolfgang: Die Ostdeutschen. Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 2000 [1999], S. 30]

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Typische Verbindungen zu ›Westdeutsche‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Westdeutsche‹.

Zitationshilfe
„Westdeutsche“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Westdeutsche#2>.

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