Wickel, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Wickels · Nominativ Plural: Wickel
Aussprache 
Worttrennung Wi-ckel
Wortbildung  mit ›Wickel‹ als Erstglied: Wickelbraten  ·  mit ›Wickel‹ als Letztglied: Brustwickel · Flachswickel · Garnwickel · Haarwickel · Halswickel · Krautwickel · Leibwickel · Lockenwickel · Senfwickel · Wadenwickel · Zigarrenwickel
Mehrwortausdrücke  am Wickel haben · beim Wickel haben
eWDG

Bedeutungen

1.
etw. Gewickeltes, Knäuel
Beispiele:
ein Wickel Garn, Wolle, Schnur
zu einem Wickel gelegte Haare, Zöpfe
der Wickel (= die Einlage, das Umwickelte) einer Zigarre
2.
selten Lockenwickler, Wickler
Beispiel:
aber immer wieder bohrte sich ein Wickel schmerzhaft in meinen Kopf [ DurieuxTür97]
3.
feuchtes oder trockenes Tuch, das um einen Körperteil gewickelt, gelegt wird
Beispiele:
ein warmer, kalter, heißer, wollener, leinener Wickel
jmdm. einen Wickel anlegen, um den Hals, die Brust machen
jmd. bekommt einen Wickel gegen Erkältung
4.
salopp
jmdn., ein Tier am, beim Wickel packen, fassen, jmdn., ein Tier beim Wickel kriegen (= jmdn., ein Tier am Nacken, Schopf packen, fassen)
Beispiele:
jmdn. am Wickel packen und hinauswerfen
er packte den Hund beim Wickel
die Großmutter … kriegte Emil beim Wickel [ KästnerEmil154]
jmdn. am, beim Wickel haben (= jmdn. am Nacken, Schopf gepackt haben)
Beispiele:
die beiden Kinder hatten sich nach kurzer Zeit beim Wickel (= zankten sich)
»Was hast du angestellt?« kreischte die Meisterin und hatte mich auch schon beim Wickel [ WelkGrambauer75]
bildlich umgangssprachlich jmdn. am, beim Wickel haben, jmdn. am Wickel kriegen (= jmdn. in seiner Gewalt haben, in seine Gewalt bekommen (und zur Rede stellen, zur Verantwortung, Rechenschaft ziehen))
Beispiel:
War er nur vorgeladen? … Jedenfalls haben sie ihn am Wickel [ SeghersSiebtes Kreuz4,344]
übertragen etw. beim Wickel haben (= über etw. intensiv, engagiert sprechen, etw. ausführlich behandeln)
Beispiele:
ein bestimmtes Thema beim Wickel haben
auf der Versammlung hatten sie die Disziplin der Schüler beim Wickel
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

wickeln · Wickel · Wieche · abwickeln · einwickeln · verwickeln
wickeln Vb. ‘etw. windend zusammenrollen, um etw. herumwinden, einhüllen’, mhd. wickeln ‘windeln’; in fester Wendung jmdn. um den kleinen Finger wickeln ‘gefügig, willig machen’ (16. Jh.), schief gewickelt (‘falsch angelegt’, dann auch ‘im Irrtum’) sein (19. Jh.). Das Verb ist abgeleitet von dem Substantiv Wickel m. f. ‘abzuspinnendes, um den Rocken gewundenes Faserbündel’, allgemein ‘Gewickeltes, was gewickelt wird und was zum Wickeln dient’ (15. Jh.), besonders ‘Rolle, auf die etw. gewickelt wird’ (vgl. Haar-, Lockenwickel, -wickler), ‘feuchter Umschlag um Körperteile’ (17. Jh.), ahd. wickilī(n) (10. Jh.), wickel (Hs. 12. Jh.), mhd. wickel n. ‘Faserbündel um den Rocken’ (Übersetzungswort für lat. pēnsum, eigentlich ‘die einer Spinnerin zur täglichen Verarbeitung zugewogene Wollmenge’, s. Pensum). Dieses stellt sich wie Wieche m. f. ‘Faserbündel, Docht, Lunte, Scharpie’, ahd. wioh, wiohha (11. Jh.), mhd. wieche m. f. ‘aus Garn gedrehter Docht, gedrehte Scharpie, Lunte’, mnd. wēke, mnl. wieke, nl. wiek, aengl. wēoce (mit dem Stammsilbenvokal germ. eu) und gleichbed. mhd. (md.) wicke, engl. wick (mit dem Stammsilbenvokal germ. i) sowie außergerm. aind. vāgurā́ ‘Schlinge, Fallstrick’, lat. vēlum ‘Segel, Hülle, Tuch’, air. figim ‘webe’ zu der unter Wachs (s. d.) angegebenen Wurzel ie. *u̯eg- ‘weben, knüpfen, Gewebe, Gespinst’. Das maskuline Genus von Wickel entwickelt sich (17. Jh.) in Anlehnung an maskuline Gerätebezeichnungen auf el- (vgl. Flegel, Griffel, Schlüssel). In fester Wendung beim, am Wickel haben, kriegen, nehmen ‘am Kragen, Schopf fassen’ (19. Jh.), wohl zu Wickel in der Bedeutung ‘um den (Männer)zopf gewundenes Band’ (Wickelband). abwickeln Vb. ‘(von einer Rolle, Spule) abwinden, abrollen’ (16. Jh.), ‘(geschäftliche Dinge) erledigen, zum Abschluß bringen’ (2. Hälfte 18. Jh.). einwickeln Vb. ‘in Papier u. ä. verpacken’, übertragen ‘jmdn. betören’ (16. Jh.). verwickeln Vb. ‘umwinden’, übertragen ‘in unlösbare Verbindung bringen, umstricken’ (15. Jh.); dazu verwickelt Part.adj. ‘kompliziert’ (18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Auseinandersetzung(en) · Clinch · Geplänkel · Gerangel · Hakelei · Rangelei · Reibungen · Scharmützel · Streiterei · Streitigkeit · Unfrieden · Zank · Zwist · Zwistigkeit  ●  Streit  Hauptform · Differenzen  geh. · Friktion  geh., bildungssprachlich · Hader  geh. · Hickhack  ugs. · Hin und Her  ugs., fig. · Klinsch  ugs., regional · Knatsch  ugs. · Krach  ugs. · Querelen  geh. · Stunk  ugs. · Wickel  ugs., österr. · Zankerei  ugs. · Zoff  ugs.
Oberbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›Wickel‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Wickel‹.

Verwendungsbeispiele für ›Wickel‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Der Patient erhält diesen Wickel gewöhnlich im Bett und in einem gut durchwärmten Zimmer. [Hasler, Ulrich E.: Eubiotik, Heidelberg: Haug 1967, S. 56]
An einem Tage kann man zwei bis drei Wickel machen. [o. A.: Heumann-Heilmittel, o. O.: [1936], S. 167]
Freilich, es dauert nur kurz und die Überziehungszinsen haben einen wieder am Wickel. [konkret, 1988]
Allein das Wickeln der Beine, die zum Teil auch offen sind, nimmt mir von jedem Tag mindestens eine halbe Stunde, wenn es fachmännisch sein soll. [Die Zeit, 03.03.1980, Nr. 09]
Beim Wickeln mußt du die Arbeit ab und zu drehen. [Frost, Margarete: Aus bunten Fäden, Leipzig: Verl. für die Frau 1986, S. 6]
Zitationshilfe
„Wickel“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Wickel>.

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