Widerwille, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum)
Nebenform Widerwillen · Substantiv (Maskulinum)
WorttrennungWi-der-wil-le ● Wi-der-wil-len
Wortzerlegungwider-Wille
Wortbildung mit ›Widerwille‹ als Erstglied: ↗widerwillig
eWDG, 1977

Bedeutung

starke Abneigung
Beispiele:
einen starken, großen, angeborenen Widerwillen gegen etw. haben
einen Widerwillen gegen etw., jmdn. empfinden
gehoben einen Widerwillen gegen etw., jmdn. hegen
jmd. hat einen Widerwillen, etw. zu tun, über etw. zu sprechen, etw. mit anzuhören
etw. nur mit Widerwillen, mit wachsendem Widerwillen erledigen
nur mit Widerwillen (= widerwillig) hörte er sie an
jmd. flößt jmdm. Widerwillen ein
ihr Widerwille gegen diesen Mann steigert sich, wird immer größer
etw., jmd. erregt bei jmdm. (entschiedenen) Widerwillen
Manche Frauen bekommen plötzlich einen Widerwillen gegen Bohnenkaffee [Gesundheit1967]
Ekel
Beispiele:
er empfand einen Widerwillen bei diesem schmutzigen, dicken Menschen
aber da erinnerte er sich der Kröte auf ihrem weißen Kleid, und ein Widerwille regte sich in ihm [Wasserm.Wahnschaffe1,54]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

wider · wieder · zuwider · widerlich · widern · erwidern · widrig · Widerhall · widerlegen · widerrufen · widerspenstig · widersprechen · Widerspruch · widerstehen · Widerstand · widerwärtig · Widerwille · widerwillig
wider Präp. ‘gegen, entgegen’. wieder Adv. ‘zurück, abermals, erneut’, mit konjunktionalem Charakter ‘umgekehrt, hingegen, anderer-, seiner-, ihrerseits’ Die seit dem 17./18. Jh. durch gelehrte Regelung orthographisch geschiedenen Wörter haben eine gemeinsame Herkunft. Ahd. widar Präp. ‘(ent)gegen, wider’ (8. Jh.), widar(i) Adv. ‘entgegen, zuwider, zurück, wiederum, abermals’ (um 800), mhd. wider (md. auch widder, weder) Präp. ‘gegen, wider’, wider(e) Adv. ‘(ent)gegen, zuwider, zurück, abermals’, asächs. wiðar Präp. ‘gegen, wider’, Adv. ‘zurück’, mnd. wed(d)er Präp. ‘gegen, wider’, wedder Adv. ‘zurück, abermals, wiederum, entgegen’, mnl. nl. weder, weer Präp. ‘wider, gegen’, Adv. (mnl. auch wēdere) ‘zurück, wieder, gegen’, afries. wither, aengl. wiþer Präp. Adv. ‘gegen’, anord. viðr Präp. ‘bei, gegen, wider’, got. wiþra Präp. ‘gegen, gegenüber’ (germ. *wiþra-) sind wie aind. vitarám ‘weiter, ferner’, awest. vītarəm ‘seitwärts’, vītara- ‘der seitlichere’ Bildungen mit dem Suffix ie. -tero-, setzen also ie. *u̯itero- voraus. Dessen Grundlage ie. *u̯ī̌- ‘auseinander’ findet sich in aind. ‘auseinander, abgetrennt, weg, fort’, awest. vī-, vi-, vy- ‘auseinander, abseits, entgegen’ und in den Weiterbildungen lit. vìsas ‘alle’, aslaw. vьsь, russ. ves’ (весь) ‘all, ganz’ (d. i. ‘nach allen Seiten auseinandergegangen’), lat. vitium (aus *u̯itiom) ‘Fehler, Gebrechen’. Neben den oben angeführten, germ. *wiþra- entsprechenden Bildungen stehen in einigen germ. Sprachen Kurzformen wie asächs. wið Präp., aengl. wiþ Präp., anord. við Präp., die sich in den modernen Sprachen durchgesetzt haben, vgl. engl. with Präp. ‘mit’, schwed. vid Präp. ‘bei, an, neben, auf’, zeitlich ‘gegen’, Adv. ‘etwa, ungefähr’. Die Bedeutungsentwicklung geht aus von räumlich verstandenem ‘auseinander, (ent)gegen’. Die Präposition steht daher für ‘gegen’ (räumlich, dann besonders im Sinne des feindlichen Entgegenwirkens, des Widerstandes) und für ‘im Gegensatz, im Widerspruch zu’; das Adverb steht für ‘zurück’ (d. h. ‘der eingeschlagenen Richtung entgegen’), woraus im zeitlichen Sinne ‘abermals, wiederum’. Alle Verwendungsweisen sind bereits im Ahd. entwickelt. In der Art einer adversativen Konjunktion ‘umgekehrt, hingegen, andrerseits’ (bereits bei Notker) wird wi(e)der besonders in neuerer Zeit gebräuchlich (er war freundlich, dann wieder unausstehlich). Adverbieller Gebrauch im Sinne von ‘(ent)gegen’ (der Wind war jnen wider, Luther) ist erhalten in der Erweiterung zuwider Adv. Präp. ‘entgegengesetzt, feindlich, widerwärtig’ (16. Jh.) und in zahlreichen Verbalkomposita (s. unten). widerlich Adj. ‘ungünstig, schlecht, unangenehm, abstoßend’ (17. Jh.), älter ‘gegnerisch, feindlich’ (16. Jh.). widern Vb. ‘zuwider, unangenehm sein, anwidern’ (17. Jh.), älter ‘zuwider-, entgegenhandeln, ablehnen, unterbinden, sich weigern, widerstreben’, ahd. widarōn, widaren ‘zurückweisen, ablehnen, zu verhindern suchen, sich weigern’ (8. Jh.), mhd. wider(e)n ‘zuwider machen, verleiden, sich widersetzen, rückgängig machen, zurückweisen, verschmähen, vergelten’. erwidern Vb. ‘entgegnen, antworten, reagieren’, mhd. erwideren ‘entgegnen, antworten, ersetzen’, ahd. irwidarōn ‘zurückweisen, verwerfen, mißbilligen’ (9. Jh.). widrig Adj. ‘ungünstig, unangenehm, Widerwillen erregend’, spätmhd. widerig. Widerhall m. ‘reflektierter Schall, Echo’, spätmhd. widerhal. widerlegen Vb. ‘nachweisen, daß etw. nicht zutrifft, etw. als falsch erweisen’ (16. Jh.), mhd. widerlegen ‘erstatten, ersetzen, wiedergutmachen, vergelten, umbiegen, umlegen, Widerstand leisten’. widerrufen Vb. ‘eine Aussage zurücknehmen’, mhd. widerruofen, -rüefen ‘ab-, zurückrufen, zurücknehmen, absetzen, widerlegen’. widerspenstig Adj. ‘widersetzlich störrisch’ (Ende 15. Jh.), nach voraufgehendem mhd. widerspene, widerspān, -spæne; vgl. mhd. span und widerspān ‘Streitigkeit, Zerwürfnis’, eigentlich ‘(gegenseitige) Spannung’, zu der unter ↗spannen (s. d.) dargestellten Wortgruppe. widersprechen Vb. ‘das Gegenteil vertreten, sich gegen etw. äußern’, ahd. widarsprehhan (10. Jh.), mhd. widersprechen ‘sich mit Worten gegen etw. wenden’; seit dem 17. Jh. auch ‘im Gegensatz stehen, nicht übereinstimmen, sich entgegenstehen’. Widerspruch m. ‘Einwand, Protest, (logische) Unvereinbarkeit’ (15. Jh.). widerstehen Vb. ‘Widerstand leisten, einer Neigung nicht nachgeben, zuwider, unangenehm sein’, ahd. widarstān, -stēn (8. Jh.), -stantan (9. Jh.), mhd. widerstān, -stēn. Widerstand m. ‘Gegenwehr, Weigerung, Behinderung’, mhd. widerstant; im Plural ‘Hemmungen, Hindernisse’ (18. Jh.); Widerstand leisten (18. Jh.), passiver Widerstand (Mitte 19. Jh.), nach engl. passive resistance. widerwärtig Adj. ‘abstoßend, unangenehm, ungünstig’, ahd. widarwertīg, -wartīg ‘feindlich, feindselig, entgegengesetzt, ungünstig’ (um 900), mhd. widerwertic, -wartic ‘entgegenstrebend, -gesetzt, widersetzlich, feindlich, unangenehm, zuwider’; zur Herkunft des Grundworts s. ↗-wärts. Widerwille m. ‘Widerstreben, Abneigung’, mhd. widerwille ‘Zwist, Auflehnung, Unannehmlichkeit, Ungemach’. widerwillig Adj. ‘ungern, widerstrebend’, frühnhd. auch ‘sich auflehnend, feindlich entzweit’ (15. Jh.); vgl. mhd. widerwillicheit.

Thesaurus

Synonymgruppe
(jemandem ein) Gräuel · ↗(körperliche) Ablehnung · ↗(körperliche) Abneigung · ↗Abscheu · ↗Aversion · ↗Ekelgefühl(e) · Sich-Abwenden · Widerwille  ●  ↗Ekel  Hauptform · ↗Degout  geh., franz.
Oberbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Trotz · ↗Unlust · ↗Unwille · Widerwille
Assoziationen
  • schlapp sein  ●  (sich) nicht aufraffen können  ugs. · (sich) zu nichts aufraffen können  ugs. · einen Durchhänger haben  ugs.
Synonymgruppe
(einen) Horror (haben vor) · ↗(moralische) Abscheu · ↗(moralischer) Ekel · ↗(starke) Antipathie · ↗Abneigung · ↗Aversion · ↗Widerstreben · Widerwillen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Abneigung Abscheu Desinteresse Ekel Gleichgültigkeit Spott Unverständnis Verachtung anfänglich angeboren ausgeprägt ausgesprochen diffus einflößen empfinden erkennbar erregen erzeugen hegen hervorrufen instinktiv kundtun regen sichtlich spürbar unüberwindlich verspüren wachsend äußer überwinden

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Widerwille‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Und doch reagiere ich, eine Überlebende, jedesmal mit demselben Widerwillen.
Süddeutsche Zeitung, 14.07.2001
Selbst wenn ich mich hungrig an den Tisch setzte, stellte sich bald Widerwillen ein.
Schlink, Bernhard: Der Vorleser, Zürich: Diogenes 1995, S. 380
Andererseits empfand ich einen starken Widerwillen gegen die Absicht, einen Terroristen darzustellen.
Die Zeit, 13.11.1981, Nr. 47
Mein ganzer aufgespeicherter Widerwille gegen den geradezu originell widerwärtigen Esel entlud sich.
Klemperer, Victor: [Tagebuch] 1952. In: ders., So sitze ich denn zwischen allen Stühlen, Berlin: Aufbau-Verl. 1999 [1952], S. 337
Ich bin gezwungen, an den Beratungen teilzunehmen, aber der Widerwille schüttelt mich.
Kafka, Franz: In der Strafkolonie. In: Deutsche Literatur von Lessing bis Kafka, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1914], S. 3406
Zitationshilfe
„Widerwille“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Widerwille>, abgerufen am 25.03.2019.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
Widerwärtigkeit
widerwärtig
widerstreiten
Widerstreit
widerstreben
Widerwillen
widerwillig
Widerwilligkeit
Widerwort
Widget