Winner-takes-all-Prinzip, das

Grammatik Substantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Winner-takes-all-Prinzips · Nominativ Plural: Winner-takes-all-Prinzipien · wird meist im Singular verwendet
Aussprache [wɪnɐtɛɪ̯ks'ʔɔːlpʀɪnˌʦiːp] · ['wɪnɐtɛɪ̯ksʔɔːlpʀɪnˌʦiːp]
Worttrennung Win-ner-takes-all-Prin-zip
Rechtschreibregeln § 44 (1)
Herkunft aus the winner takes allengl, aus winnerengl ‘Sieger, Gewinner’, to takeengl ‘nehmen, einnehmen, ergreifen’ und allengl ‘alles’
Dieses Stichwort finden Sie im DWDS-Themenglossar zur US-Präsidentschaftswahl.
ZDL-Vollartikel

Bedeutung

Grundsatz, nach dem sich ausschließlich durchsetzt, was bzw. wer über den höchsten Anteil einer relevanten Größe verfügt (z. B. Marktanteil eines Produkts, Stimmenanteil bei einer Wahl usw.)
Beispiele:
In unserer Gesellschaft dominiert heute vor allem das »Winner-takes-all-Prinzip«. Wir leben in einer auf Gewinn und Effizienz getrimmten Leistungskultur, in der unser Stellenwert ausschließlich an unseren Erfolgen gemessen wird. Gefordert wird unbedingtes Gelingen. [Richtig schön scheitern, 04.09.2018, aufgerufen am 30.07.2020]
Denn in der Regel kann der Marktführer höhere Preise durchsetzen als die Nummer 2, die Nummer 3 oder die Nummer Sowieso. Das kommt daher, dass wir Menschen Marktführer spontan höher einschätzen als Nicht‑Marktführer. […] Im Neuro‑Marketing spricht man auch vom Winner-takes-all-Prinzip. [Brandtner on Branding, 04.04.2011, aufgerufen am 29.04.2016]
Dass Lichtmangel letztlich für das Artensterben verantwortlich ist, konnten […] Forscher in […] mehrjährigen Experimenten eindeutig nachweisen: Sobald die Forscher den Pflanzen im Unterbewuchs künstlich Licht zuführten, blieben die negativen Auswirkungen der Düngergaben aus, d. h. die Artenvielfalt blieb unverändert. »Fehlendes Licht ist für den Verlust an Biodiversität verantwortlich«, fasst Yann H[…] das Resultat seiner Doktorarbeit zusammen. »Die mit der Düngung eingebrachten zusätzlichen Nährstoffe führen zu einer Konkurrenzsituation nach dem Winner-takes-all-Prinzip um das lebenswichtige Sonnenlicht.« [Dünger verschärft Konkurrenz um Licht, 03.05.2009, aufgerufen am 30.07.2020]
Das »Winner-takes-all«-Prinzip hält […] die bei Laune, die aufgrund ihrer Lebenszusammenhänge noch nicht [aus ihrer Berufstätigkeit im Kulturbereich] aussteigen mussten und motiviert sie weiterhin, 80 Stunden in der Woche zu arbeiten, PartnerInnenschaften [sic!] und eventuell Kinder hintanzustellen oder gleich zu vergessen. Und es befördert die Entsolidarisierung […]. [Der Standard, 04.07.2005]
Grundsatz des Wahlrechts in den USA, nach dem in den einzelnen Bundesstaaten die einfache Mehrheit der abgegebenen Stimmen über die Nominierung der zur Wahl des US-Präsidenten autorisierten Wahlmänner und Wahlfrauen entscheidet
Beispiele:
In den USA wählen bis auf zwei Ausnahmen alle Bundesstaaten nach dem Mehrheitswahlrecht. In 48 Staaten gilt das »Winner-takes-all«-Prinzip – der Gewinner bekommt alles. Das bedeutet, wer eine einfache Mehrheit in einem Staat gewinnt, vereint alle Wahlmänner des betreffenden Staates auf sich – egal, ob der Vorsprung nun riesig oder nur hauchdünn ist. [Die Zeit, 09.11.2016 (online)]
Kritiker am System des einfachen Mehrheitswahlrechts und der konsequent umgesetzten Konkurrenzdemokratie im »Winner-takes-all«-Prinzip beklagen, dass sich der Wahlkampf hauptsächlich auf die Swing States (die Staaten ohne klare Mehrheitsverhältnisse) konzentriert und damit die Anliegen der Wähler in diesen Bundesstaaten bevorzugt würden. [Wie das Wahlmännersystem entstanden – und geblieben ist, 12.11.2016, aufgerufen am 30.07.2020]
In den Staaten Maine und Nebraska, die vier beziehungsweise fünf Wahlmänner stellen, gilt das »Winner-takes-all«-Prinzip in abgeänderter Form. Dort werden nur zwei Wahlmänner oder ‑frauen nach diesem Prinzip verteilt. Die anderen Stimmen werden proportional zum Wahlergebnis vergeben. [Die Zeit, 09.11.2016 (online)]
Der Grund für das schlechte Abschneiden von Drittparteien liegt im US‑amerikanischen Wahlsystem, das zahlreiche strukturelle Hürden für Drittparteien bereithält. Als einer der größten Stolpersteine ist hier das Winner-takes-all-Prinzip – die Abstimmung nach dem Mehrheitsprinzip – zu nennen, das bei den Präsidentschaftswahlen in den meisten US‑Bundesstaaten angewendet wird. Das bedeutet, dass sämtliche Stimmen der Wahlmänner an den Kandidaten gehen, der die relative Mehrheit der Stimmen erhalten hat, selbst wenn der Abstand zwischen einzelnen Parteien sehr gering ist. [Der Standard, 07.07.2016]

letzte Änderung:

Zitationshilfe
„Winner-takes-all-Prinzip“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Winner-takes-all-Prinzip>, abgerufen am 04.08.2021.

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