Wirklichkeit, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Wirklichkeit · Nominativ Plural: Wirklichkeiten · wird meist im Singular verwendet
Aussprache
WorttrennungWirk-lich-keit (computergeneriert)
Wortzerlegungwirklich-keit
Wortbildung mit ›Wirklichkeit‹ als Erstglied: ↗Wirklichkeitsform · ↗Wirklichkeitsmensch · ↗Wirklichkeitssinn · ↗Wirklichkeitsverständnis · ↗wirklichkeitsdicht · ↗wirklichkeitsfern · ↗wirklichkeitsfremd · ↗wirklichkeitsgetreu · ↗wirklichkeitsnah · ↗wirklichkeitsnahe · ↗wirklichkeitstreu
 ·  mit ›Wirklichkeit‹ als Letztglied: ↗Alltagswirklichkeit · ↗Erfahrungswirklichkeit · ↗Erziehungswirklichkeit · ↗Lebenswirklichkeit · ↗Rechtswirklichkeit · ↗Verfassungswirklichkeit
eWDG, 1977

Bedeutung

das tatsächlich Existierende, die Tatsachen, Realität
Beispiele:
die bunte, harte, lebendige, nüchterne, raue Wirklichkeit
mit der Zulassung zum Studium war für ihn ein Traum Wirklichkeit geworden
der Unterschied zwischen seinen Vorstellungen, Träumen, Wünschen und der Wirklichkeit
den Schein mit der Wirklichkeit verwechseln
auf dem Boden der Wirklichkeit stehen (= eine nüchterne, realistische Lebenseinstellung haben)
die gesellschaftliche, politische Wirklichkeit
Philosophie die objektive Wirklichkeit (= objektive Realität)
Philosophie die Widerspiegelung der Wirklichkeit
Philosophie die Erkenntnis der Wirklichkeit
Und die Wirklichkeit war noch viel schöner, als ich es mir ausgedacht hatte [WintersteinLeben1,274]
Ende 1929 war die Wirtschaftskrise bereits Wirklichkeit [Gesch. d. dt. Arbeiterbewegung9,11]
er sähe das Glück und die Berufung seines Lebens darin, der Menschheit zu dienen und die Wirklichkeit menschlich zu gestalten [Engels-Biographie88]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

wirken · wirklich · Wirklichkeit · wirksam · verwirklichen · bewirken · verwirken
wirken Vb. ‘arbeiten, tätig sein, Einfluß ausüben, Eindruck machen’. Ahd. wurken (um 800; vgl. firwurken, 8. Jh.), mhd. würken, wurken, asächs. workian, mnd. wurken, aengl. wyrcan, engl. to work, anord. yrkja, schwed. yrka, got. waúrkjan (germ. *wurkijan) ist zur Schwundstufe der unter ↗Werk (s. d.) dargestellten Wurzel ie. *u̯erg̑, *u̯reg̑- ‘wirken, tun’ gebildet. Es hat neben sich eine wohl unter dem Einfluß von dem unter ↗Werk (s. d.) behandelten Substantiv stehende hochstufige Form ahd. (8. Jh.), mhd. wirken ‘tätig sein, handeln, arbeiten, er-, bewirken, verfertigen, schaffen’, asächs. wirkian, mnd. wirken, werken, mnl. nl. werken (germ. *wirkijan). Im Dt. ist der Geltungsbereich beider Verben insofern zu bestimmen, als ahd. wurken, mhd. würken vornehmlich im Obd., ahd. mhd. wirken vornehmlich im Frk. bzw. Md. gelten. Im Nhd. wird dagegen würken als die scheinbar gewähltere Form auch von einigen mitteldeutschen und norddeutschen Schriftstellern aufgenommen. Allgemein jedoch beginnt sich wirken durchzusetzen und gilt gegen Ende des 18. Jhs. auch in obd. Literatursprache. Die Grundbedeutung beider Verbformen ist ‘arbeiten, verfertigen’, dann ‘etw. ausführen, verrichten, einflußreich tätig sein, etw. vollbringen’ und ‘Einfluß ausüben, Eindruck machen’. Die spezielle Bedeutung ‘nähend, stickend, webend verfertigen’ entwickelt sich in spätmhd. Zeit. wirklich Adj. ‘tatsächlich, real’ (16. Jh.), mhd. würk(en)lich, spätmhd. wirklich ‘tätig, wirksam, wirkend’, abgeleitet vom Verb; Wirklichkeit f. ‘tatsächliche Existenz, Realität’, spätmhd. wirke-, würkelīcheit ‘Tätigkeit, Wirksamkeit, Aktivität’. wirksam Adj. ‘handelnd, tätig, schöpferisch, aktiv’ (17. Jh.), ‘einen Einfluß, eine Wirkung ausübend’ (16. Jh.). verwirklichen Vb. ‘wirklich werden lassen, in die Tat umsetzen’ (2. Hälfte 18. Jh.). bewirken Vb. ‘verursachen, hervorrufen, erreichen’ (16. Jh.), mhd. bewirken, bewürken ‘umfassen mit, einschließen in, umhegen, einwirken’. verwirken Vb. ‘durch eigene Schuld des Rechtes auf etw. verlustig gehen, einen Anspruch verlieren’, ahd. firwurken (8. Jh.), -wirken (um 800) ‘sündigen, sich einer Sache verlustig machen, verschulden’, mhd. verwirken, -würken.

Thesaurus

Synonymgruppe
(harte) Realität · ↗Gegebenheit · ↗Tatsächlichkeit · Wirklichkeit  ●  (das) Hier und Jetzt  fig. · Boden der Tatsachen  Redensart · ↗Faktizität  geh.
Assoziationen
Antonyme

Typische Verbindungen
computergeneriert

Abbild Anspruch Diskrepanz Fiktion Ideal Illusion Kluft Phantasie Schein Traum Vision Wahn Wahrheit Wahrnehmung Wunsch abbilden auseinanderklaffen aussehen einholen entfernen entsprechen geschichtlich gesellschaftlich historisch klaffen rauh sozial vorbeigehen übereinstimmen überholen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Wirklichkeit‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Sie bildet die Wirklichkeit nicht ab, sie "versteht" die Wirklichkeit nicht, noch will sie sie erklären.
Die Zeit, 09.12.2013, Nr. 49
Es hat keinen Zweck, sich vor der gesellschaftlichen Wirklichkeit zu verstecken.
Archiv der Gegenwart, 2001 [1994]
In Wirklichkeit liegt seinen dramatischen Absichten ein tiefer Ernst zugrunde.
Hanley, Edwin: Scarlatti. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1963], S. 935
Dabei sind die in Wirklichkeit gegebenen Variationen mit den hier angedeuteten Fällen noch keineswegs erschöpft.
Scheiber, Johannes: Chemie und Technologie der künstlichen Harze, Stuttgart: Wissenschaftl. Verl.-Ges. 1943, S. 987
Eine ganze gesellschaftliche Wirklichkeit kann in ihm ihren geistigen Ausdruck gefunden haben.
Freyer, Hans: Soziologie als Wirklichkeitswissenschaft, Leipzig u. a.: B.G. Teubner 1930, S. 23
Zitationshilfe
„Wirklichkeit“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Wirklichkeit>, abgerufen am 21.10.2019.

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