Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Wirklichkeit, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Wirklichkeit · Nominativ Plural: Wirklichkeiten · wird meist im Singular verwendet
Aussprache 
Worttrennung Wirk-lich-keit
Wortzerlegung wirklich -keit
eWDG

Bedeutung

das tatsächlich Existierende, die Tatsachen, Realität
Beispiele:
die bunte, harte, lebendige, nüchterne, raue Wirklichkeit
mit der Zulassung zum Studium war für ihn ein Traum Wirklichkeit geworden
der Unterschied zwischen seinen Vorstellungen, Träumen, Wünschen und der Wirklichkeit
den Schein mit der Wirklichkeit verwechseln
auf dem Boden der Wirklichkeit stehen (= eine nüchterne, realistische Lebenseinstellung haben)
die gesellschaftliche, politische Wirklichkeit
Philosophiedie objektive Wirklichkeit (= objektive Realität)
Philosophiedie Widerspiegelung der Wirklichkeit
Philosophiedie Erkenntnis der Wirklichkeit
Und die Wirklichkeit war noch viel schöner, als ich es mir ausgedacht hatte [ WintersteinLeben1,274]
Ende 1929 war die Wirtschaftskrise bereits Wirklichkeit [ Gesch. d. dt. Arbeiterbewegung9,11]
er sähe das Glück und die Berufung seines Lebens darin, der Menschheit zu dienen und die Wirklichkeit menschlich zu gestalten [ Engels-Biographie88]
Dieses Wort ist Teil des Wortschatzes für das Goethe-Zertifikat B1.
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

wirken · wirklich · Wirklichkeit · wirksam · verwirklichen · bewirken · verwirken
wirken Vb. ‘arbeiten, tätig sein, Einfluß ausüben, Eindruck machen’. Ahd. wurken (um 800; vgl. firwurken, 8. Jh.), mhd. würken, wurken, asächs. workian, mnd. wurken, aengl. wyrcan, engl. to work, anord. yrkja, schwed. yrka, got. waúrkjan (germ. *wurkijan) ist zur Schwundstufe der unter Werk (s. d.) dargestellten Wurzel ie. *u̯erg̑, *u̯reg̑- ‘wirken, tun’ gebildet. Es hat neben sich eine wohl unter dem Einfluß von dem unter Werk (s. d.) behandelten Substantiv stehende hochstufige Form ahd. (8. Jh.), mhd. wirken ‘tätig sein, handeln, arbeiten, er-, bewirken, verfertigen, schaffen’, asächs. wirkian, mnd. wirken, werken, mnl. nl. werken (germ. *wirkijan). Im Dt. ist der Geltungsbereich beider Verben insofern zu bestimmen, als ahd. wurken, mhd. würken vornehmlich im Obd., ahd. mhd. wirken vornehmlich im Frk. bzw. Md. gelten. Im Nhd. wird dagegen würken als die scheinbar gewähltere Form auch von einigen mitteldeutschen und norddeutschen Schriftstellern aufgenommen. Allgemein jedoch beginnt sich wirken durchzusetzen und gilt gegen Ende des 18. Jhs. auch in obd. Literatursprache. Die Grundbedeutung beider Verbformen ist ‘arbeiten, verfertigen’, dann ‘etw. ausführen, verrichten, einflußreich tätig sein, etw. vollbringen’ und ‘Einfluß ausüben, Eindruck machen’. Die spezielle Bedeutung ‘nähend, stickend, webend verfertigen’ entwickelt sich in spätmhd. Zeit. – wirklich Adj. ‘tatsächlich, real’ (16. Jh.), mhd. würk(en)lich, spätmhd. wirklich ‘tätig, wirksam, wirkend’, abgeleitet vom Verb; Wirklichkeit f. ‘tatsächliche Existenz, Realität’, spätmhd. wirke-, würkelīcheit ‘Tätigkeit, Wirksamkeit, Aktivität’. wirksam Adj. ‘handelnd, tätig, schöpferisch, aktiv’ (17. Jh.), ‘einen Einfluß, eine Wirkung ausübend’ (16. Jh.). verwirklichen Vb. ‘wirklich werden lassen, in die Tat umsetzen’ (2. Hälfte 18. Jh.). bewirken Vb. ‘verursachen, hervorrufen, erreichen’ (16. Jh.), mhd. bewirken, bewürken ‘umfassen mit, einschließen in, umhegen, einwirken’. verwirken Vb. ‘durch eigene Schuld des Rechtes auf etw. verlustig gehen, einen Anspruch verlieren’, ahd. firwurken (8. Jh.), -wirken (um 800) ‘sündigen, sich einer Sache verlustig machen, verschulden’, mhd. verwirken, -würken.

Thesaurus

Synonymgruppe
Gegebenheit · Realität · Tatsächlichkeit · Wirklichkeit  ●  (das) Hier und Jetzt  fig. · Boden der Tatsachen  Redensart · (das) wahre Leben  ugs. · Faktizität  geh.
Assoziationen
Antonyme

Typische Verbindungen zu ›Wirklichkeit‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Wirklichkeit‹.

Verwendungsbeispiele für ›Wirklichkeit‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Die Wirklichkeit sah komplizierter aus, aber es ist nie gelungen, sie voll zu rekonstruieren. [Brandt, Willy: Erinnerungen, Berlin: Ullstein 1997 [1989], S. 247]
Die Wirklichkeit sieht – sofern wir von »solchen« Bars reden – wesentlich anders aus. [Graudenz, Karlheinz u. Pappritz, Erica: Etikette neu, Berlin: Deutsche Buch-Gemeinschaft 1967 [1956], S. 261]
Keinesfalls darf man die höhere Welt des Ideals preisgeben zugunsten einer bescheideneren Wirklichkeit. [Safranski, Rüdiger: Friedrich Schiller, München Wien: Carl Hanser 2004, S. 31]
In Wirklichkeit sind jedoch nicht alle Teile eines Problems parallelisierbar. [Rechenberg, Peter: Was ist Informatik?, München: Hanser 1994 [1991], S. 293]
Aber die Wirklichkeit hat mit beiden Positionen nichts zu tun. [Der Spiegel, 27.07.1998]
Zitationshilfe
„Wirklichkeit“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Wirklichkeit>.

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