Wisch, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Wisches · Nominativ Plural: Wische
Aussprache
Wortbildung mit ›Wisch‹ als Letztglied: ↗Arschwisch · ↗Bartwisch · ↗Borstwisch · ↗Federwisch · ↗Flederwisch · ↗Irrwisch · ↗Strohwisch
eWDG, 1977

Bedeutungen

1.
salopp, abwertend Schriftstück
Beispiele:
er besah den Wisch, den ihm ein Fremder zugesteckt hatte
wenn's sein muss, schreibe ich dir so einen Wisch
fülle rasch den Wisch aus, damit wir aufbrechen können
ich muss nur noch ein paar Wische unterschreiben, und dann bin ich fertig
2.
veraltend Büschel, Bündel
Beispiel:
ein Wisch Stroh, Haare
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Wisch · wischen · entwischen · erwischen
Wisch m. ‘Büschel’, abschätzig ‘Schriftstück’, ahd. -wisc m. (in ars-, ovanwisc, Hs. 12. Jh.), mhd. wisch m. n. ‘Strohbündel’, mnd. wisch, mnl. wisc, nl. wis, anord. visk ‘Strohbündel’, aschwed. visk ‘Besen’ (germ. *wiska-) führen mit aind. vēṣkáḥ ‘Schlinge’, lat. vīscus ‘Eingeweide’ (eigentlich ‘Darmschlingen’?), virga (aus *u̯izgā) ‘dünner Zweig, Reis, Rute’ und (ohne Gutturalsuffix) aind. vēṣṭatē ‘hängt sich an, windet sich um’, vēṣṭa- ‘Schlinge’, russ. vécha (веха) ‘lange Stange mit einem Strohbündel’ auf ie. *u̯eis- ‘drehen, biegsame, flechtbare Ruten’, eine Erweiterung der unter ↗Weide (s. d.) angegebenen Wurzel ie. *u̯ei- ‘drehen, biegen’. Wisch ist ursprünglich ein ‘aus Stroh (oder biegsamen Ruten) gedrehtes Büschel’, das als Flurzeichen, dann auch als Fackel (15. Jh.; vgl. Irrwisch, s. ↗irr) und als Strohbesen (16. Jh.) dient; daraus übertragen ‘wertloses Zeug’, abschätzig ‘Schriftstück, Druckschrift’ (16. Jh.). wischen Vb. ‘(mit einem Wisch) reinigen’ (ursprünglich ‘mit Stroh, mit dem Besen, dann mit einem Lappen reibend darüber hinfahren’), auch ‘sich schnell bewegen’, ahd. wisken ‘über etw. reinigend reiben’ (um 1000), mhd. wischen, wüschen ‘reibend darüberfahren, reinigen, trocknen, leicht und schnell sich bewegen, (ent)schlüpfen’, mnd. wischen, mnl. wiscen, wisscen, nl. wissen. entwischen Vb. ‘abhanden kommen, sich schnell davonmachen, entkommen’, ahd. intwisken (11. Jh.), mhd. entwischen. erwischen Vb. ‘rasch ergreifen, fangen, ergattern’, mhd. erwischen.

Thesaurus

Synonymgruppe
Anschreiben · ↗Schreiben · ↗Zuschrift  ●  ↗Brief  Hauptform · ↗Epistel  geh., veraltet, bildungssprachlich · ↗Liebesbrief  ugs., scherzhaft · ↗Schrieb  ugs. · Wisch  derb
Oberbegriffe
Unterbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Bescheid · ↗Mitteilung · ↗Schreiben  ●  Wisch  derb
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

entfernen unterschreiben zerreißen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Wisch‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Ein Wisch von rechts ins Bild erlaubt es, zur direkt zuvor genutzten App zurückzukehren.
Die Zeit, 02.01.2013, Nr. 01
Unterdessen kritzelte Silvelie ein paar Zeilen auf einen Wisch Papier.
Knittel, John: Via Mala, Berlin: Deutsche Buch-Gemeinschaft 1957 [1934], S. 56
Leo faltete den Wisch und ließ ihn in seiner Hemdtasche verschwinden.
Die Welt, 28.07.2001
Der Wisch, den sie verteilten, war natürlich das Papier nicht wert.
Bild, 19.07.1999
Oder vielleicht hat er ihm auch einen Wisch zur Unterschrift vorgelegt.
Tucholsky, Kurt: Der kleine Geßler und der große Grosz. In: ders., Kurt Tucholsky, Werke - Briefe - Materialien, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1920], S. 22965
Zitationshilfe
„Wisch“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Wisch>, abgerufen am 21.11.2019.

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