Wittum

WorttrennungWit-tum (computergeneriert)
Duden GWDS, 1999

Bedeutungen

1.
im germanischen Recht   Vermögensleistung des Bräutigams an die Braut bei der Eheschließung (zugleich zum Zwecke der Versorgung der Witwe)
2.
katholische Kirche, landschaftlich mit einem Kirchenamt verbundenes, zum Unterhalt des Amtsinhabers bestimmtes Vermögen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Wittum n. historische Bezeichnung für die (aus dem germanischen Recht hervorgegangene) ‘Brautgabe’, danach auch ‘Witwenvermögen’, ferner ‘Vermögensleistung an die Kirche’, ahd. widamo m. (9. Jh.), mhd. widem(e), widen m. f. ‘Gabe des Bräutigams (zuweilen auch des Brautvaters) an die Braut bei der Eheschließung’ (ursprünglich der dem Brautvater zu entrichtende Kaufpreis), ‘Dotierung einer Kirche, eines Klosters, besonders in Form von Grundstücken, das einer Pfarrkirche gestiftete Grundstück, besonders der Pfarrhof’, mnd. wēdem(e), wēme, afries. wetma, witma, mnl. wēdeme, wēdem, wēdom, aengl. wituma ‘Brautgabe’, vgl. asächs. wiðumlīk ‘zur Mitgift gehörig’. Das germ. Rechtswort ist verwandt mit griech. hédnon (ἕδνον), meist im Plur. hédna (ἕδνα) ‘Brautgaben, Mitgift, Hochzeitsgeschenke’, vielleicht auch mit aruss. věno, russ. (älter) véno (вено) ‘Mitgift, Zahlung für die Braut’. Es handelt sich um Bildungen mit dem Suffix ie. -meno-, -mono- bzw. (schwundstufig) -mno-, so daß sich ie. *u̯edmon- (für westgerm. *witmōn), *u̯edno- (für das Griech.) und (langvokalisch) *u̯ēdno- (für das Slaw.) ‘Kaufpreis für die Braut’ annehmen läßt. Weiter sind vergleichbar aind. vadhū́ḥ ‘Braut, junge Frau’, awest. υαδū- ‘Weib, Frau’, air. fedid ‘führt, geht, trägt, bringt’, lit. vèsti ‘leiten, führen, heiraten (vom Mann)’, aslaw. vesti, russ. vestí (вести) ‘führen’ (vgl. aruss. voditi ženu ‘eine Frau heiraten’), sämtlich Bildungen zur Wurzel ie. *u̯edh- bzw. (vor Nasal) *u̯ed- ‘führen, heimführen, heiraten (vom Mann)’. Im Dt. treten im 15./16. Jh. Formen mit auslautendem -b/ -p auf (widemb, widemp) und durch Anlehnung an das Kompositionssuffix ↗-tum (s. d.) widumb, widump, widum; danach (mit verändertem Dental) Widdumb, Widdum, Wittumb, seit dem 17. Jh. in Anlehnung an Witwe die heute allein geltende Form Wittum ‘Witwenvermögen’ mit Übergang zum neutralen Genus. Für die nur im Dt., Nl. und Afries. bezeugte kirchenrechtliche Verwendung ‘Begabung einer Kirche oder eines kirchlichen Herrn durch die weltliche Herrschaft’ wird seit dem 17. Jh. die alte Wortform Widem sprachüblich. S. auch ↗widmen.

Thesaurus

Geschichte, Jura
Synonymgruppe
Widum · Witthum · Wittum

Verwendungsbeispiel für ›Wittum‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Falls sie als Fürstin Witwe werden sollte, sollte sie ein jährliches Wittum von 30000 Mark, freie standesgemäße Wohnung nebst Einrichtung und Unterhalt bekommen.
Die Zeit, 22.03.1963, Nr. 12
Zitationshilfe
„Wittum“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Wittum>, abgerufen am 25.01.2020.

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