Witz, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Witzes · Nominativ Plural: Witze
Aussprache
Wortbildung mit ›Witz‹ als Erstglied: ↗Witzblatt · ↗Witzbold · ↗Witzchen · ↗Witzemacher · ↗Witzling · ↗Witzonkel · ↗Witzwort · ↗witzlos · ↗witzreich
 ·  mit ›Witz‹ als Letztglied: ↗Aberwitz · ↗Blondinenwitz · ↗Flachwitz · ↗Menschenwitz · ↗Mutterwitz · ↗Ostfriesenwitz · ↗Schottenwitz · ↗Sprachwitz · ↗Treppenwitz · ↗Vorwitz · ↗Wahnwitz · ↗Wortwitz
 ·  formal verwandt mit: ↗gewitzigt · ↗gewitzt
eWDG, 1977

Bedeutungen

1.
geschickt, kunstvoll auf eine Überraschung hin formulierter Scherz, Spaß, der Fehler, Schwächen, Absonderlichkeiten von Menschen oder Sachverhalten anprangert, entlarvt, dem Gelächter preisgibt
Beispiele:
ein guter, schlechter, geistreicher, kindischer, plumper Witz
umgangssprachlich ein alberner Witz
salopp, abwertend ein fauler Witz
abwertend ein platter Witz
ein politischer Witz
ein anzüglicher, derber, zweideutiger, gemeiner, geschmackloser, kräftiger, pikanter, obszöner, schmutziger, schlüpfriger, unanständiger, zotiger Witz
salopp ein saftiger Witz
Witze über Handwerker, Schotten, Spießer, Männer, Frauen, über die Dummheit, Liebe
salopp lass deine dreckigen Witze!
das sind die typischen, üblichen Witze, die an Stammtischen zum Besten gegeben werden
dieser Witz ist uralt
salopp dieser Witz hat einen Bart
einen Witz erzählen
einen Witz machen (über etw., jmdn.)
einen Witz (über etw., jmdn.) reißen
eine Menge Witze kennen, wissen
über einen Witz lachen
jmdn. zur Zielscheibe seiner Witze machen
einen Witz zeichnen (= zeichnerisch darstellen)
übertragen
Beispiele:
sich [Dativ] einen Witz mit jmdm. erlauben, machen (= jmdn. aufziehen, zum besten haben)
umgangssprachlich was du mir da erzählst, das kann doch nicht wahr sein, das ist doch ein Witz (= damit willst du mich zum besten haben)
umgangssprachlich was, 10 Euro wollen Sie für diesen alten Kittel haben, das ist ja ein Witz! (= das ist ein schlechter Scherz, eine Zumutung!)
umgangssprachlich machen Sie keine Witze (= erzählen Sie keinen Unsinn, das kann Ihnen nicht ernst sein), so schnell stirbt man nicht!
umgangssprachlich ist das nicht ein Witz? (= ist das nicht absurd, zum Lachen oder zum Ärgern?)
umgangssprachlich das eben ist der Witz (= das Entscheidende, Wesentliche) dabei, daran, dass du gar nicht mehr zurücktreten kannst
2.
nur im Singular
Gabe, etw. lustig, treffend, schlagfertig und geistreich zu erzählen
Beispiele:
sein beißender, scharfer, sarkastischer, funkelnder, unerschöpflicher Witz
eine mit viel Witz und Laune vorgebrachte Erzählung
seine Rede sprühte von Geist und Witz
veraltend Verstand, Klugheit
Beispiele:
er war bald am Ende seines Witzes
Aller Witz schien den sonst besonnenen Mann verlassen zu haben [PolenzBüttnerbauer1,149]
Mit dem Witz eines Mannes, der seine paar Bücher gelesen [FrischBin40]
Wo nicht Ungeschicklichkeit im Spiele war, reichte der Witz der Polizei nicht aus, Entdeckungen zu machen [BebelAus meinem Leben689]
im Reiche des Witzes, wie man früher sagte – jetzt sagt man ›Geist‹ und ›Bildung‹ [Th. MannLotte7,498]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Witz · witzeln · witzig · Witzbold
Witz m. ‘Verstand, Schlauheit, geistreicher Spaß, schlagfertige Formulierung, scherzhafte Äußerung’. Die Neutra ahd. wizzi ‘Wissen, Vernunft, Verstand, Einsicht, Weisheit, Bewußtsein’ (9. Jh.), aengl. wit(t), engl. wit, got. unwiti ‘Unwissenheit’ und (mit anderer Stammbildung) anord. vit, schwed. vett ‘Verstand’ sowie das Femininum ahd. wizzī ‘Verstand, Wissen, Einsicht, Sinn, Weisheit, Tugend, Geist’ (9. Jh.), mhd. witz(e) ‘Wissen, Verstand, Besinnung, Einsicht, Klugheit, Weisheit’ gehören wie auch aind. vidyā́ ‘Wissen, Weisheit, Gelehrsamkeit’ zu der unter ↗wissen (s. d.) genannten Wurzel ie. *u̯eid- ‘erblicken, sehen’. Im 17. Jh. entwickelt sich maskuliner Gebrauch, der sich im 18. Jh. durchsetzt. Unter dem Einfluß von frz. esprit und engl. wit erhält Witz im 17. Jh. die Bedeutung ‘Begabung für geistreiche, überraschend formulierte Einfälle, dichterisches Erfindungsvermögen’ im Hinblick auf die schönen Wissenschaften und freien Künste. Zu Beginn des 19. Jhs. steht Witz bereits für ‘kluger, geistreicher Einfall’ (scherzhaften oder spöttischen Inhalts) und erhält gegen Ende des 19. Jhs. den heutigen Sinn ‘geistreicher Spaß, Scherz, Ulk, humorvolle Anekdote’. Vgl. das ist der Witz ‘das ist der springende Punkt, auf den es ankommt’, Witze reißen ‘kurze, komisch wirkende Geschichten erzählen’ (beide 19. Jh.). witzeln Vb. ‘geistreich reden wollen’ (16. Jh.), ‘(unangebracht) scherzhaft oder spöttisch daherreden’ (19. Jh.). witzig Adj. ‘voller geistreicher oder lustiger Einfälle’ (18. Jh., in Anlehnung an Witz ‘Esprit’), zuvor ‘vernünftig, verständig’, auch ‘schlau, gerissen’ (16. Jh.), ahd. wizzīg (8. Jh.), mhd. witzec, witzic ‘kundig, verständig, klug, weise’. Witzbold m. ‘frühreifes Kind’, dann ‘Klügling’ und ‘Spaßmacher, Spötter’ (16. Jh.), zusammengesetzt mit dem aus Eigennamen stammenden Kompositionsglied -bold (s. ↗bald).

Thesaurus

Synonymgruppe
Humor · ↗Komik · Witz
Unterbegriffe
  • Fäkalhumor  ●  skatologischer Humor  selten
  • britischer Humor · englischer Humor
Assoziationen
Synonymgruppe
Esprit · ↗Geist · Witz
Assoziationen
Synonymgruppe
Scherz · ↗Ulk · Witz  ●  ↗Gag  engl. · ↗Joke  engl.
Assoziationen
Synonymgruppe
Lächerlichkeit · Witz · schlechter Scherz  ●  Lachplatte  ugs.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Anekdote Charme Esprit Humor Ironie Leichtigkeit Pointe Schlagfertigkeit Selbstironie Tempo Verstand Witz blöd bös derb dumm erzählen gespielt hintergründig jüdisch kursieren lachen lakonisch makaber reißen sarkastisch schlecht schmutzig trocken zynisch

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Witz‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Die abgelesenen Witze, mit denen er sich bisher mühte, ließ er weg.
Die Zeit, 09.12.2012 (online)
Manche Witze im Stück sind zwar von gestern, aber dafür sind auch einige von vorgestern.
Die Welt, 15.10.2005
Ich kenne den Witz seit zwanzig Jahren und setz mich seither zu dem alten Mann auf die Bank.
Müller,Herta: Der König verneigt sich und tötet, München: Carl Hanser Verlag 2003, S. 142
Die alten Männer rissen Witze vor den sieben Brunnen, und die alten Weiber kicherten verschämt.
Hilsenrath, Edgar: Das Märchen vom letzten Gedanken, München: Piper 1989, S. 293
Ich hielt natürlich diese paradoxe Diagnose für einen schlechten Witz.
Ganghofer, Ludwig: Lebenslauf eines Optimisten. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1911], S. 26465
Zitationshilfe
„Witz“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Witz>, abgerufen am 12.11.2019.

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