Wohlfahrt, die

GrammatikSubstantiv (Femininum)
Aussprache
WorttrennungWohl-fahrt
Wortbildung mit ›Wohlfahrt‹ als Erstglied: ↗Wohlfahrtsamt · ↗Wohlfahrtsausschuss · ↗Wohlfahrtseinrichtung · ↗Wohlfahrtsempfänger · ↗Wohlfahrtspartei · ↗Wohlfahrtspfleger · ↗Wohlfahrtspflegerin · ↗Wohlfahrtspolitik · ↗Wohlfahrtsstaat · ↗Wohlfahrtssystem · ↗Wohlfahrtsträger · ↗Wohlfahrtsverband · ↗Wohlfahrtsystem
eWDG, 1977

Bedeutungen

1.
gehoben, veraltend auf der weitgehenden Befriedigung der gesellschaftlichen und individuellen Bedürfnisse beruhendes Wohl eines Staates und seiner Bürger, gesellschaftliches Wohl
Beispiele:
die Wohlfahrt der Gesamtheit und jedes Einzelnen
Unser Streben ist Glück und Wohlfahrt, Brüderlichkeit, Freiheit und Völkerfrieden [LiebknechtReden494]
2.
veraltet Sozialfürsorge
Beispiel:
[deine Mutter und deine drei Geschwister] mußt du der Wohlfahrt überlassen, dafür zahlen wir Steuern [H. Mann5,315]
3.
veraltet, umgangssprachlich Wohlfahrtsamt
Beispiele:
sie musste den bitteren Gang zur Wohlfahrt antreten
sie ging auf die Wohlfahrt und bat um Unterstützung
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

wohl · Wohl · wohlig · Wohlfahrt · Wohlstand · Wohltat · Wohltäter · Wohlwollen · wohlhabend
wohl Adv. ‘gut’. Das gemeingerm. Adverb zu dem unter ↗gut (s. d.) dargestellten Adjektiv ahd. wela und (mit zu o verdumpftem e nach w) wola (8. Jh.), mhd. wol(e), asächs. wel(a), wola, mnd. wol, mnl. wēle, wel, nl. wel, afries. wel, wal, wol, aengl. wel(l), engl. well, anord. vel, schwed. väl, (ablautend) anfrk. asächs. wala, mnd. wal (germ. *welō-) sowie got. (mit abweichendem und nicht erklärtem Vokal) waíla oder waila stellt sich wie ↗wählen, ↗Wille und ↗wollen (s. d.) zur Wurzel ie. u̯el- ‘wollen, wählen’ und bedeutet etwa ‘gewollt, gewünscht, nach Wunsch’. Die heutige Schreibung mit Dehnungs-h setzt im 16. Jh. ein und wird im 18. Jh. vorherrschend. Das Adverb mit der Bedeutung ‘gut, zweckmäßig, richtig, genau, geziemend, günstig, erfolgreich, glücklich, gesund, angenehm, schön, reichlich, ausreichend’ wird bereits im Ahd. in abgeschwächtem Sinne zur Partikel der Beteuerung, Vermutung, Einschränkung oder Verstärkung sowie interjektionaler Aus- und Zuruf. Wohl n. ‘Wohlergehen’ (15. Jh.), Substantivierung des Adverbs; Wohl und Wehe (16. Jh.). wohlig Adj. ‘angenehm, behaglich’ (Anfang 18. Jh.). Wohlfahrt f. ‘Wohlergehen’ (16. Jh.), Abstraktum neben gleichbed. frühnhd. wolfaren n. (substantivierter Infinitiv, 15. Jh.); vgl. auch mhd. wolvar f. Wohlstand m. ‘Wohlhabenheit, Besitz, materiell gesicherte Verhältnisse’ (18. Jh.), zuvor ‘Wohlergehen, Gesundheit, was schön ist, gefällt, geziemt’ (16. Jh.). Wohltat f. ‘sittlich richtiges Verhalten, gute Tat, Geschenk, Labsal’, ahd. wolatāt (9. Jh.), mhd. woltāt. Wohltäter m. ‘wer richtig handelt, mildtätig ist, Gutes tut’ (16. Jh.), Gegensatz ↗Übeltäter (s. d.). Wohlwollen n. ‘Gunst, Zuneigung’ (18. Jh.), ‘sittlich richtiges Wollen’ (17. Jh.). wohlhabend Adj. ‘vermögend, begütert, reich’, wolhabend (14. Jh.); vgl. ahd. sie habent wola ‘sie befinden sich wohl’ (9. Jh.), d. h. sie (die Kranken) gesunden (nach Handauflegen).

Thesaurus

Synonymgruppe
Armenpflege · ↗Diakonie · ↗Fürsorge · ↗Sozialfürsorge · Wohlfahrt

Typische Verbindungen
computergeneriert

Einzelner Erziehung Frieden Fürsorge Gedeihen Gemeinwesen Gerechtigkeit Gesellschaftsordnung Gesundheit Gewährleistung Komitee Lebensstandard Literaturwerkstatt Mehrung Menschheit Spitzenverband Untertan Volk Vollbeschäftigung Weltfrieden Wohlstand allgemein garantiert gesamtgesellschaftlich gesamtwirtschaftlich irdisch materiell maximieren sozial öffentlich

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Wohlfahrt‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Weil sie mit einem Mann zusammenlebt, zahlt ihr die Wohlfahrt keine Unterstützung mehr.
Die Zeit, 28.11.1969, Nr. 48
Die Mittel zur Wiederherstellung der so heißersehnten Wohlfahrt sind aber falsch, weil zweitrangig.
o. A.: Einhundertvierundsiebzigster Tag. Dienstag, 9. Juli 1946. In: Der Nürnberger Prozeß, Berlin: Directmedia Publ. 1999 [1946], S. 13056
Das ganze Land wetteifere, zur öffentlichen Wohlfahrt beitragen zu können.
Berliner Tageblatt (Morgen-Ausgabe), 06.03.1915
Damit wurden diese aber zu einer Belastung für die private und öffentliche Wohlfahrt.
Kreuter, Maria-Luise: Emigration. In: Enzyklopädie des Nationalsozialismus, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1997], S. 656
Als Objekte der Wohlfahrt wurden sie schlecht und recht abgefertigt.
Reger, Erik [d.i. Dannenberger, Hermann]: Union der festen Hand, Kronberg/Ts.: Scriptor 1976 [1931], S. 290
Zitationshilfe
„Wohlfahrt“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Wohlfahrt>, abgerufen am 19.09.2019.

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