Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Wohlfahrt, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Wohlfahrt · Nominativ Plural: Wohlfahrten
Aussprache 
Worttrennung Wohl-fahrt
eWDG

Bedeutungen

1.
gehoben, veraltend auf der weitgehenden Befriedigung der gesellschaftlichen und individuellen Bedürfnisse beruhendes Wohl eines Staates und seiner Bürger, gesellschaftliches Wohl
Beispiele:
die Wohlfahrt der Gesamtheit und jedes Einzelnen
Unser Streben ist Glück und Wohlfahrt, Brüderlichkeit, Freiheit und Völkerfrieden [ LiebknechtReden494]
2.
veraltet Sozialfürsorge
Beispiel:
[deine Mutter und deine drei Geschwister] mußt du der Wohlfahrt überlassen, dafür zahlen wir Steuern [ H. Mann5,315]
3.
veraltet, umgangssprachlich Wohlfahrtsamt
Beispiele:
sie musste den bitteren Gang zur Wohlfahrt antreten
sie ging auf die Wohlfahrt und bat um Unterstützung
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

wohl · Wohl · wohlig · Wohlfahrt · Wohlstand · Wohltat · Wohltäter · Wohlwollen · wohlhabend
wohl Adv. ‘gut’. Das gemeingerm. Adverb zu dem unter gut (s. d.) dargestellten Adjektiv ahd. wela und (mit zu o verdumpftem e nach w) wola (8. Jh.), mhd. wol(e), asächs. wel(a), wola, mnd. wol, mnl. wēle, wel, nl. wel, afries. wel, wal, wol, aengl. wel(l), engl. well, anord. vel, schwed. väl, (ablautend) anfrk. asächs. wala, mnd. wal (germ. *welō-) sowie got. (mit abweichendem und nicht erklärtem Vokal) waíla oder waila stellt sich wie wählen, Wille und wollen2 (s. d.) zur Wurzel ie. u̯el- ‘wollen, wählen’ und bedeutet etwa ‘gewollt, gewünscht, nach Wunsch’. Die heutige Schreibung mit Dehnungs-h setzt im 16. Jh. ein und wird im 18. Jh. vorherrschend. Das Adverb mit der Bedeutung ‘gut, zweckmäßig, richtig, genau, geziemend, günstig, erfolgreich, glücklich, gesund, angenehm, schön, reichlich, ausreichend’ wird bereits im Ahd. in abgeschwächtem Sinne zur Partikel der Beteuerung, Vermutung, Einschränkung oder Verstärkung sowie interjektionaler Aus- und Zuruf. – Wohl n. ‘Wohlergehen’ (15. Jh.), Substantivierung des Adverbs; Wohl und Wehe (16. Jh.). wohlig Adj. ‘angenehm, behaglich’ (Anfang 18. Jh.). Wohlfahrt f. ‘Wohlergehen’ (16. Jh.), Abstraktum neben gleichbed. frühnhd. wolfaren n. (substantivierter Infinitiv, 15. Jh.); vgl. auch mhd. wolvar f. Wohlstand m. ‘Wohlhabenheit, Besitz, materiell gesicherte Verhältnisse’ (18. Jh.), zuvor ‘Wohlergehen, Gesundheit, was schön ist, gefällt, geziemt’ (16. Jh.). Wohltat f. ‘sittlich richtiges Verhalten, gute Tat, Geschenk, Labsal’, ahd. wolatāt (9. Jh.), mhd. woltāt. Wohltäter m. ‘wer richtig handelt, mildtätig ist, Gutes tut’ (16. Jh.), Gegensatz Übeltäter (s. d.). Wohlwollen n. ‘Gunst, Zuneigung’ (18. Jh.), ‘sittlich richtiges Wollen’ (17. Jh.). wohlhabend Adj. ‘vermögend, begütert, reich’, wolhabend (14. Jh.); vgl. ahd. sie habent wola ‘sie befinden sich wohl’ (9. Jh.), d. h. sie (die Kranken) gesunden (nach Handauflegen).

Thesaurus

Synonymgruppe
Sozialfürsorge  ●  (öffentliche) Fürsorge  Hauptform · Armenfürsorge  historisch · Armenwesen  historisch · Diakonie  kirchlich · Wohlfahrt  ugs.

Typische Verbindungen zu ›Wohlfahrt‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Wohlfahrt‹.

Verwendungsbeispiele für ›Wohlfahrt‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Das ganze Land wetteifere, zur öffentlichen Wohlfahrt beitragen zu können. [Berliner Tageblatt (Morgen-Ausgabe), 06.03.1915]
Die Mittel zur Wiederherstellung der so heißersehnten Wohlfahrt sind aber falsch, weil zweitrangig. [o. A.: Einhundertvierundsiebzigster Tag. Dienstag, 9. Juli 1946. In: Der Nürnberger Prozeß, Berlin: Directmedia Publ. 1999 [1946], S. 13056]
Auch bei der Wohlfahrt ist »big government« keineswegs am Absterben. [konkret, 1997]
Aber die soziale Wohlfahrt muß finanzierbar sein, also brauchen wir wirtschaftliche Erfolge. [Die Zeit, 11.10.1996, Nr. 42]
Es war ein Land der Arbeit ein Land der Wohlfahrt. [Archiv der Gegenwart, 2001 [1940]]
Zitationshilfe
„Wohlfahrt“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Wohlfahrt>.

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