Wolle, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Wolle · wird nur im Singular verwendet
Nebenform fachsprachlich Wolle · Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Wolle · Nominativ Plural: Wollen
Aussprache
WorttrennungWol-le
Wortbildung mit ›Wolle‹ als Erstglied: ↗Wolldecke · ↗Wollfaden · ↗Wollfett · ↗Wollfäustling · ↗Wollgarn · ↗Wollgestrick · ↗Wollgewebe · ↗Wollgras · ↗Wollgroßhandel · ↗Wollhandschuh · ↗Wollhaube · ↗Wollhemd · ↗Wollkamm · ↗Wollkleid · ↗Wollknäuel · ↗Wollkämmerei · ↗Wollmantel · ↗Wollmusselin · ↗Wollmütze · ↗Wollnashorn · ↗Wollplüsch · ↗Wollpullover · ↗Wollrest · ↗Wollrips · ↗Wollrock · ↗Wollschal · ↗Wollschotten · ↗Wollsocke · ↗Wollspinnerei · ↗Wollstoff · ↗Wollstrumpf · ↗Wolltuch · ↗Wollunterrock · ↗Wollware · ↗wollen1 · ↗wollhaarig · ↗wollhaltig
 ·  mit ›Wolle‹ als Letztglied: ↗Alpakawolle · ↗Angorawolle · ↗Baumwolle · ↗Eiswolle · ↗Glaswolle · ↗Halbwolle · ↗Holzwolle · ↗Kaschmirwolle · ↗Merinowolle · ↗Plantowolle · ↗Putzwolle · ↗Reißwolle · ↗Schafswolle · ↗Schafwolle · ↗Scherwolle · ↗Schlackenwolle · ↗Schurwolle · ↗Shetlandwolle · ↗Stopfwolle · ↗Streichgarnwolle · ↗Strickwolle · ↗Strumpfwolle · ↗Trockenwolle · ↗Unterwolle · ↗Zellwolle
eWDG, 1977

Bedeutungen

1.
gekräuseltes oder glattes Haar von bestimmten Tieren, besonders von Schaf, Ziege, Kamel, Kaninchen, das geschoren und versponnen wird
Beispiele:
rohe, ungewaschene Wolle
dieses Schaf hat eine dichte, lange, kräftige Wolle
der Schurertrag beträgt bei Böcken 5–9 Kilo Wolle jährlich
die Feinheit der Wolle messen, schätzen
das während der Schur herrschende Regenwetter hat die Qualität der ausgestellten Wollen beeinträchtigt
bildlich
Beispiel:
saloppdu hast ja eine mächtige, dicke Wolle auf dem Kopf
Jägersprache
Beispiele:
die Wolle (= Haare) des Hasen, Kaninchens
die Wolle (= das auf der Schwarte sitzende Haar, die Unterwolle) des Schwarzwilds und Haarraubwilds
die Wolle (= Flaumfedern) der (jungen, noch nicht flüggen) Wasservögel
übertragen
Beispiele:
jmd. sitzt (warm) in der Wolle (= jmdm. geht es gut, jmd. hat eine gesicherte Existenz)
sprichwörtlichviel Geschrei und wenig Wolle (= viel Lärm um nichts)
umgangssprachlich sich in der Wolle haben, liegensich zanken, streiten
Beispiele:
sie haben, liegen sich in der letzten Zeit oft in der Wolle
ich war dabei, als sie sich in die Wolle kriegten
in die Wolle kommenwütend werden, in Erregung geraten
Beispiele:
er kommt schnell, leicht in die Wolle
konnte ihn ein Wort oder eine taktlose Wendung derart in die Wolle bringen [ZuckmayerLeben u. Tod19]
spöttisch in der Wolle gefärbtdurch und durch überzeugt
Beispiel:
ein in der Wolle gefärbter Konservativer
2.
Garn (aus 1) zum Stricken
Beispiele:
rote, weiße, melierte Wolle
ein Pullover aus reiner, echter Wolle
für diese Strickjacke brauchst du 400 Gramm feine, mittlere, dicke Wolle
ich muss noch 100 Gramm Wolle nachkaufen
diese Wolle filzt nicht
die Wolle ist beim Waschen hart geworden und kratzt
die Wolle (vor dem Stricken) zu einem Knäuel (auf)wickeln
3.
Gewebe aus 2
Grammatik: meist im Singular
Beispiele:
ein Anzug aus reiner, feinster Wolle
ein sportlicher Mantel aus blauer, strukturierter Wolle
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Wolle · wollen1
Wolle f. ‘(zum Spinnen zu verwendende, bzw. versponnene) Tierhaare’, ahd. wolla (9. Jh.), mhd. wolle, mnd. wulle, mnl. wolle, wulle, nl. wol, aengl. wull, engl. wool, anord. schwed. ull, got. wulla (germ. *wullō mit ll aus ln) ist wie aind. ū́ṛṇā ‘Wolle’, griech. lḗnos (λῆνος) ‘Wolle, Wollfaser, -flocke’, lat. lāna ‘Wolle’, lit. vìlna ‘Wolle’, aslaw. vlьna ‘Wolle’, russ. (landschaftlich) vólna, volná (волна) ‘Schafs-, Ziegenwolle’ (aus ie. *u̯ḷnā) und kymr. gwlan, korn. gluan ‘Wolle’ (aus ie. *u̯lənā) mit dem Suffix ie. -nā (germ. -nō) gebildet. Verwandt sind ferner (hochstufig) lat. vellere ‘rupfen, zupfen, ausrupfen’, vellus ‘abgeschorene, noch zusammenhängende Wolle des Schafs, Pelz’ und wohl auch got. wilwan ‘rauben’. Als Wurzel läßt sich ie. *u̯el(ə)- ‘Haar, Wolle’, auch ‘Gras, Ähre, Wald’ bzw. *u̯el- ‘reißen, rupfen, an sich reißen, rauben, ritzen, verwunden, Wunde’ (s. auch ↗Walstatt) erschließen. Wolle meint in erster Linie ‘Schafwolle’ mit einer Ausgangsbedeutung ‘Gezupftes’. wollen1 Adj. ‘aus Wolle bestehend oder hergestellt’, ahd. wullīn (9. Jh.), mhd. wüllīn, wullīn.

Thesaurus

Synonymgruppe
Haar · Haare · ↗Haarpracht · ↗Haarschopf · ↗Haupthaar · ↗Kopfbehaarung · ↗Kopfhaar · ↗Mähne · ↗Schopf  ●  ↗Fell  ugs. · ↗Matte  ugs. · ↗Pelz  ugs. · Wolle  ugs.
Oberbegriffe
Unterbegriffe
  • Feenhaar · dünnes Haar · feines Haar
  • Biquoquet · Witwenspitze · spitzer Haaransatz
Assoziationen
Synonymgruppe
Schurwolle · Wolle
Oberbegriffe

Typische Verbindungen
computergeneriert

Baumwolle Chemiefaser Filz Flachs Garn Geschrei Hanf Kunstfaser Lammfleisch Leder Lein Leinen Schaf Seide Spinnen Stricknadel Tweed flauschig färben gekräuselt gekämmt gewaschen handgesponnen handgewebt kratzig stricken ungefärbt verarbeitet verspinnen weben

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Wolle‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Bei denen kann man sich nämlich das Färben der edlen Wolle sparen.
Süddeutsche Zeitung, 27.08.2004
Wolle ein Land darüber hinausgehenden Schutz anbieten, stehe dem nichts entgegen.
Die Welt, 30.11.1999
Beginne am unteren Ärmel mit weißer Wolle und häkle 8 Muster in den unteren Ärmelrand.
Frost, Margarete: Aus bunten Fäden, Leipzig: Verl. für die Frau 1986, S. 72
Oder die "garantiert reine Wolle", die so merkwürdig billig ist, ist gar keine reine Wolle.
Weber, Annemarie (Hg.), Die Hygiene der Schulbank, Wiesbaden: Falken-Verl. 1955, S. 341
Nirgend sonst in der Welt gab es ähnlich feine Wolle für die Herstellung der besten Tuche.
Hahn, Christian Diederich: Bauernweisheit unterm Mikroskop, Oldenburg i.O.: Stalling 1943 [1939], S. 132
Zitationshilfe
„Wolle“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Wolle>, abgerufen am 07.12.2019.

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