Wucherung, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Wucherung · Nominativ Plural: Wucherungen
Aussprache
WorttrennungWu-che-rung
Wortbildung mit ›Wucherung‹ als Letztglied: ↗Gewebewucherung · ↗Gewebswucherung
eWDG, 1977

Bedeutungen

1.
krankhaft um sich greifende Bildung von Gewebe am menschlichen, tierischen, pflanzlichen Körper
Grammatik: nur im Singular
Beispiel:
eine rasche Wucherung der Schleimhäute trat ein
2.
durch 1 entstandenes Gewebe, Geschwulst
Beispiele:
eine knotige, bösartige Wucherung
Wucherungen auf Pflanzen, in der Nase
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Wucher · Wucherer · wuchern · Wucherung
Wucher m. ‘aus verliehenem Geld erzielter unverhältnismäßig hoher Gewinn’, ahd. wuohhar ‘Frucht, Ernte, Ertrag, Gewinn, Lohn, Erfolg’ (8. Jh.), mhd. wuocher, (md.) wūcher, wōcher, auch ‘Kind, Zuchtvieh, übermäßige und unerlaubte Zinsen’, mnd. wōker, wūker ‘Ertrag von ausgeliehenem Geld, Zins’, mnl. nl. woeker, aengl. wōcor ‘Nachkommenschaft, Zins’, got. wōkrs ‘Zins’, eigentlich ‘Ertrag, Frucht’ (anord. okr ‘Zinsen, Wucher’ aus dem Mnd.), germ. *wōkra- m. ist mit dem Suffix für maskuline oder neutrale Konkreta germ. -ra- (ie. -ro-) zur Dehnstufe ie. *u̯ōg- der unter ↗wachsen (s. d.) angegebenen Wurzel ie. *(a)u̯eg-, *aug- ‘vermehren, zunehmen’ gebildet, wozu die verwandten unter ↗auch (s. d.) angeführten Formen. Ausgangsbedeutung ist ‘Frucht, Nachkommenschaft’, an die sich der übertragene (und zunächst wertneutrale) Gebrauch ‘Frucht, Ertrag des Kapitals, Gewinn, Zins(en)’ anschließt. Da die Kirche Geldverleih gegen Zinsen verurteilt, entwickelt das Wort in mhd. Zeit abschätzigen Sinn. Als im 16./17. Jh. die Gesetzgebung, Zinsen (bis zu 5%) erlaubt, steht Wucher nur noch für die Erzielung überhöhter Zinsen bzw. Geschäftsgewinne. Wucherer m. ‘wer Geld zu übermäßig hohen Zinsen ausleiht’, ahd. wuohharāri ‘Geldverleiher’ (um 1100), mhd. wuocherære ‘wer Wucher treibt’. wuchern Vb. ‘Wucher treiben, sich sehr vermehren, üppig machen’, ahd. wuohharōn (um 1000), mhd. wuochern ‘Frucht bringen, wachsen, gewinnen, Wucher treiben’. Wucherung f. ‘üppiges Wachstum, Geschwulst, Auswuchs’ (19. Jh.), zuvor (besonders frühnhd.) ‘Wucher, Wucherei’, ahd. wuohharunga (um 1000), mhd. wuocherunge ‘Wachstum, Wucher’.

Thesaurus

Biologie
Synonymgruppe
Proliferation · ↗Weiterverbreitung · ↗Wildwuchs · Wucherung · Zellproliferation
Oberbegriffe
Assoziationen
Medizin
Synonymgruppe
Auswuchs · ↗Geschwulst · ↗Gewebewucherung · ↗Raumforderung · ↗Tumor · Wucherung · ↗Wulst  ●  ↗Exkreszenz  fachspr., lat. · ↗Neoplasie  fachspr.
Oberbegriffe
Unterbegriffe
  • Hodentumor  ●  Seminom  fachspr.
  • Geschwulstbildungen der Haut  ●  ↗Melanom  fachspr.
  • vom Knochenmark ausgehende Geschwulst  ●  ↗Myelom  fachspr.
  • Katecholaminüberschuss  ●  Phäochromozytom  fachspr.
  • Erdheim-Tumor  ●  Kraniopharyngeom  fachspr.
  • Blutschwämmchen · Erdbeerfleck · ↗Hämangiom
  • Krebs · ↗Krebserkrankung · ↗Krebsleiden · bösartige Tumorerkrankung
  • Aderhautmelanom · malignes uveales Melanom
  • Teratom  ●  Wundergeschwulst  veraltet
  • Fleischgewächs · bösartiges Geschwulst  ●  ↗Sarkom  fachspr., griechisch
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Bindegewebe Blutgefäß Blutzelle Dickdarm Entzündung Gebärmutter Gebärmutterhals Gebärmutterschleimhaut Gewebe Lymphknoten Nasenrachenraum Prostata Schleimhaut Sozialstaat Stimmband Tumor Zelle beschneiden bösartig bürokratisch diagnostizieren gutartig häßlich krankhaft krebsartig mythologisch unkontrolliert warzenähnlich zellulär üppig

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Wucherung‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Die an sich harmlosen Wucherungen, die man von etwa 45 Jahren an bekommen kann, bergen das Risiko zu entarten.
Süddeutsche Zeitung, 31.01.2002
Tragischerweise scheinen derart entstandene Wucherungen besonders schwer heilbar zu sein.
Die Zeit, 14.03.1997, Nr. 12
Er entsteht durch krankhaft gesteigertes Wachstum, sogenannte Wucherungen der Schilddrüse.
o. A.: Heumann-Heilmittel, o. O.: [1936], S. 142
In jedem Gewebe des menschlichen Körpers kann eine Wucherung entstehen.
Hauke, Hugo: Unterrichtsbuch für die freiwilligen Hilfskräfte der Deutschen Frauenvereine vom Roten Kreuz. Berlin: Mittler 1932, S. 55
Diese Blutschwämme können bösartig sein und sich durch Wucherung weit und tief hinein fortpflanzen.
Waegner, Martin u. Thomasius, Erich: Zeugung, Entwicklung und Geburt des Menschen. In: Das große Aufklärungswerk für Braut- und Eheleute, Dresden: Buchversand Gutenberg o.J. 1933 [1933], S. 343
Zitationshilfe
„Wucherung“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Wucherung>, abgerufen am 10.12.2019.

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