Wunder, das
GrammatikSubstantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Wunders · Nominativ Plural: Wunder
Aussprache
WorttrennungWun-der (computergeneriert)
Wortbildung mit ›Wunder‹ als Erstglied: ↗Wunderblume · ↗Wunderding · ↗Wunderdoktor · ↗Wunderglaube · ↗Wunderglauben · ↗Wunderheilung · ↗Wunderkammer · ↗Wunderkerze · ↗Wunderkind · ↗Wunderland · ↗Wundermann · ↗Wundermärchen · ↗Wundertat · ↗Wundertier · ↗Wundertäter · ↗Wundertüte · ↗Wunderwelt · ↗Wunderwerk · ↗wundergläubig · ↗wunderkräftig · ↗wundernehmen · ↗wundersam · ↗wundertätig · ↗wundervoll
 ·  mit ›Wunder‹ als Letztglied: ↗Backwunder · ↗Busenwunder · ↗Gotteswunder · ↗Naturwunder · ↗Weltwunder · ↗Wirtschaftswunder
 ·  Ableitung von ›Wunder‹: ↗wundern  ·  Ableitung von ›Wunder‹: ↗wunder-
eWDG, 1977

Bedeutungen

1.
nicht sofort erklärbarer, staunenerregender Vorgang, der den Gesetzmäßigkeiten in der Natur und Gesellschaft zu widersprechen scheint
Beispiele:
ein unbegreifliches, vermeintliches Wunder
diese Arznei hat Wunder gewirkt (= sehr geholfen)
nicht an Wunder glauben
er hoffte immer noch auf ein Wunder
seine Rettung erschien ihm wie ein Wunder
es war das reinste Wunder (= unfassbar, nicht zu erwarten), dass er mit dem Leben davonkam umgangssprachlich
Und mit Geistesstärke / Tu ich Wunder auch [GoetheZauberlehrl.]
2.
ungewöhnliche, das übliche Maß weit übertreffende Sache, Person
Beispiele:
die Wunder der Natur
diese Maschine ist ein Wunder (= Wunderwerk) der Technik
die elektrische Uhr ist ein Wunder an Präzision
Dieser Lemke war ein wahres Wunder [Becher5,111] umgangssprachlich
3.
umgangssprachlich etw., das Überraschung, Staunen hervorruft
Beispiele:
es ist ja ein Wunder, dass er das geschafft hat (= es ist ja erstaunlich, dass er das geschafft hat)
kein Wunder, wenn er bei der Kälte so friert (= nicht verwunderlich, wenn er bei der Kälte so friert)
Wunder über Wunder, oh Wunder! (= Ausruf der Überraschung)
du wirst schon (noch) dein blaues Wunder erleben (= du wirst staunen) (= du wirst schon sehen, was dir passiert)
es geschehen noch Zeichen und Wunder! (= Ausruf, wenn etw. Überraschendes eintritt) umgangssprachlich, scherzhaft
Was Wunder (= nicht zu verwundern), wenn ich sie [die Reclam-Bibliothek] liebte [Th. Mann11,410]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Wunder · wunderbar · wunderlich · wundern · verwundern
Wunder n. ‘Erstaunen verursachendes, ungewöhnliches Ereignis’, ahd. wuntar (um 800), mhd. wunder ‘Verwunderung, Erstaunen, Erstaunen hervorrufendes Geschehen, Gegenstand des Erstaunens’, asächs. wundar, mnd. wunder, mnl. nl. wonder, aengl. wundor, engl. wonder, anord. undr, schwed. under (germ. *wundra-). Herkunft unbekannt. Alle bisherigen Anknüpfungsversuche sind unbefriedigend; vgl. H. Adolf in: JEGP 46 (1947) 395 ff. Wunder bezeichnet zu Beginn seiner Bezeugung ‘Erstaunen’ und ‘was Erstaunen hervorruft’, wird aber in neuerer Zeit mehr und mehr durch konkurrierendes Verwunderung und Erstaunen auf ‘was Erstaunen, Verwunderung hervorruft’ eingeengt; aber vgl. noch das, es nimmt jmdn. wunder ‘es versetzt jmdn. in Erstaunen’, mhd. mich nimt es wunder. wunderbar Adj. ‘außerordentlich, großartig, sehr schön’ (16. Jh.), in älterer Sprache ‘einem Wunder entsprechend, übernatürlich’, mhd. wunderbære; dann auch ‘sonderbar, seltsam, wunderlich’ (16. Jh.) und in der literarischen Erörterung des 18. Jhs. ‘in der Phantasie verwurzelt’ (nicht der menschlichen Erfahrung angehörend). wunderlich Adj. ‘seltsam, sonderbar, befremdend’ (seit etwa 1700 vorherrschend), eigentl. ‘Verwunderung, Erstaunen erregend’, seltener ‘verwundert, erstaunt’ (bis ins 19. Jh.), ahd. wuntarlīh ‘wunderbar, außerordentlich, erstaunlich, befremdend’ (8. Jh.), mhd. wunderlich ‘wunderbar, sonderbar, seltsam, sich leicht verwundernd, reizbar, erstaunlich’. wundern Vb. ‘in Erstaunen versetzen’, refl. ‘erstaunt sein’, ahd. wuntarōn (8. Jh.), mhd. wundern, auch ‘Wunder vollbringen’. verwundern Vb. ‘in Erstaunen versetzen’, refl. ‘staunen’, mhd. verwundern ‘sich ganz wundervoll zeigen, staunen, bewundern, in Erstaunen versetzen’, auch ‘aufhören, sich zu wundern’.

Thesaurus

Synonymgruppe
Mirakel · ↗Wunderding(e) · ↗Zeichen
Assoziationen
Synonymgruppe
Geheimnis · ↗Mysterium · ↗Phänomen · ↗Rätsel  ●  Buch mit sieben Siegeln  ugs., fig. · ↗Chiffre  geh., franz.
Assoziationen
DWDS-Wortprofil

Typische Verbindungen
computergeneriert

Daseinsformen Glaube Lexikon Natur Schöpfung Weser Wunder Zeichen ausblieb bestaunen bewirken blaues eigentliche ereignet erklärungsbedürftigen erleben erwarten geschehen glauben gleichkäme grenzt hoffen kleines medizinisches passiert reichstagsabgeordneter vollbringen wahre wirken überlebt

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Wunder‹.

DWDS-Beispielextraktor

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Ein Wunder wäre es, wenn nicht auch das Sitzenbleiben ideologisch aufgeladen würde.
Die Zeit, 04.03.2013, Nr. 09
Die rumänische Geschichte gilt par excellence als das "rumänische Wunder".
Archiv der Gegenwart, 2001 [1967]
Ob ich nächstes Jahr nach Wien gerate, nimmt mich selbst Wunder.
Frisch, Karl von: Erinnerungen eines Biologen, Berlin: Springer 1957, S. 376
Es ist ein Wunder, der Weg, der uns Deutsche auf diese Burg geführt hat.
o. A.: Staatsakt zum Jahrestag der Gründung des Generalgouvernements, 26.10.1940
Aber das Wunder ist des Glaubens liebstes Kind, heißt es bei dem Dichter.
Rafaeli, Max u. Le Mang, Erwin: Ueber die Liebe. In: Das große Aufklärungswerk für Braut- und Eheleute, Dresden: Buchversand Gutenberg o.J. 1933 [1927], S. 151
Zitationshilfe
„Wunder“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Wunder>, abgerufen am 20.09.2017.

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