Wurst, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Wurst · Nominativ Plural: Würste
Aussprache
Wortbildung mit ›Wurst‹ als Erstglied: ↗Wurstblatt · ↗Wurstbrot · ↗Wurstbrötchen · ↗Wurstbrühe · ↗Wurstende · ↗Wurstfinger · ↗Wurstfülle · ↗Wursthaut · ↗Wurstkessel · ↗Wurstpelle · ↗Wurstscheibe · ↗Wurstsemmel · ↗Wurststulle · ↗Wurststück · ↗Wurstsuppe · ↗Wursttheke · ↗Wurstvergiftung · ↗Wurstware · ↗Wurstzipfel · ↗Würstchen · ↗Würstel · ↗Würstlein
 ·  mit ›Wurst‹ als Letztglied: ↗Bierwurst · ↗Blutwurst · ↗Bockwurst · ↗Bratwurst · ↗Brühwurst · ↗Currywurst · ↗Dampfwurst · ↗Dauerwurst · ↗Dosenwurst · ↗Erbswurst · ↗Extrawurst · ↗Fleischwurst · ↗Grützwurst · ↗Hausmacherwurst · ↗Jagdwurst · ↗Kalbsleberwurst · ↗Katenrauchwurst · ↗Katenwurst · ↗Ketwurst · ↗Knoblauchwurst · ↗Kochwurst · ↗Leberwurst · ↗Mettwurst · ↗Pferdewurst · ↗Pinkelwurst · ↗Rauchwurst · ↗Rindswurst · ↗Rohwurst · ↗Rotwurst · ↗Räucherwurst · ↗Salamiwurst · ↗Schlackwurst · ↗Sülzwurst · ↗Teewurst · ↗Weißwurst · ↗Zervelatwurst · ↗Zungenwurst
eWDG, 1977

Bedeutungen

1.
als Speise dienende, aus zerkleinertem Fleisch, Innereien, Blut und Gewürzen hergestellte Masse, die in natürliche oder künstliche Därme gefüllt und gekocht, gebraten oder geräuchert wird
siehe auch Würstchen
Beispiele:
eine heiße, gekochte, gebratene, geräucherte, hausschlachtene, harte Wurst
warme Würstchen (= kleine Brühwürste)
ein Paar Wiener Würstchen
Kochkunst Würstchen im Schlafrock
ein Stück, Zipfel Wurst
umgangssprachlich ein Endchen Wurst
landschaftlich Wurst im Stück kaufen
Wurst in Scheiben kaufen
eine Wurst füllen, stopfen (= W. durch Stopfen herstellen)
umgangssprachlich eine Wurst machen (= W. herstellen)
Würste grillen, kochen, braten, räuchern
eine Wurst (auf)schneiden
die Haut von der Wurst abziehen
Wurst aufs Brot legen, streichen
er hat Finger wie Würste (= sehr dicke Finger)
bildlich
Beispiel:
salopp es geht um die Wurst (= etw. steht auf dem Spiel)
umgangssprachlich mit der Wurst nach der Speckseite werfen (= Kleineres einsetzen, um Größeres zu gewinnen)
Beispiele:
den Schinken nach der Wurst werfen (= Größeres einsetzen, um Kleineres zu gewinnen)
dies alles geschehe nur, um […] mit der Wurst nach der Speckseite zu werfen [G. Keller6,264]
2.
umgangssprachlich, übertragen Dinge, die einer Wurst äußerlich ähnlich sind
a)
dicke Wulst
Beispiel:
Eine zweite [Wolldecke] kann man zur Wurst rollen [Gesundheit1964]
b)
große, längliche Hülle
Beispiel:
Rechts […] hängen, golden angeleuchtet, die Würste der Fesselballons im Abendlicht [A. ZweigErziehung20]
c)
Kot, Exkrement
3.
salopp etw., jmd. ist jmdm. Wurst (= etw., jmd. ist jmdm. vollkommen gleichgültig)
Synonym zu Wurscht
Beispiele:
das ist mir völlig, ganz und gar Wurst
seine Meinung ist ihm Wurst
dieser Mensch war ihnen Wurst
es ist uns völlig Wurst, was andere von uns denken
Wurst wider Wurst (= wie du mir, so ich dir)
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Wurst · wursteln · wurstig
Wurst f. ‘in Därme gefüllte, gewürzte Fleischspeise’, ein dt. und nl. Wort, ahd. (11. Jh.), mhd. wurst (md. auch worst), asächs. wurst, mnd. mnl. nl. worst. Herkunft ungewiß. Am besten ist wohl Anschluß (ausgehend von ie. *u̯ṛtsti-) im Sinne von ‘Gedrehtes’ an ie. *u̯ert- ‘drehen, wenden’ (s. ↗werden, ↗-wärts), Dentalerweiterung der Wurzel ie. *u̯er- ‘drehen, biegen’. Möglich ist ferner die Auffassung des Substantivs als ‘Durcheinandergemengtes, Gemengsel’ und Zusammenhang mit ↗wirr (s. d.), das (wenngleich unsicher) zu ie. *u̯ers- gestellt werden kann. In jedem Fall handelt es sich bei germ. *wursti- um eine schwundstufige Bildung mit (s)ti-Suffix. Redensartlich mit der Wurst nach dem Schinken werfen (18. Jh.), älter mit einer Wurst eine Speckseite abwerfen (Anfang 17. Jh.) ‘mit geringem Einsatz etw. Großes zu erreichen suchen’; es geht um die Wurst ‘es geht um die Entscheidung, kommt darauf an’ (19. Jh.); das ist mir Wurst (umgangssprachlich Wurscht) ‘gleichgültig’ (Anfang 19. Jh., aus der Studentensprache), im Hinblick auf die beiden sich einander gleichenden Enden der Wurst. wursteln Vb. ‘langsam, im alten Trott leben, arbeiten, wirtschaften’, auch ‘nicht ordentlich arbeiten’, meist (umgangssprachlich) wurschteln, Iterativbildung (Anfang 19. Jh.) zu wursten ‘Wurst machen’ (15. Jh.), ‘unordentlich, ungeschickt drehen, durcheinanderbringen, verwirren’ (17. Jh.), mnd. worstelen ‘ringen’. wurstig Adj. ‘gleichgültig’ (1. Hälfte 19. Jh., Studentensprache), älter ‘dick wie eine Wurst’ (18. Jh.), zuvor wursticht (vgl. würstet, 16. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Ausscheidung · ↗Kot · ↗Stuhl  ●  ↗Fäkalien  Plural · ↗Losung  Jägersprache · ↗Exkrement  fachspr. · ↗Fäzes  fachspr. · ↗Haufen  ugs. · ↗Kacke  derb · ↗Scheiße  derb · Wurst  ugs.
Oberbegriffe
Unterbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Wurst [Hinweis: weitere Informationen erhalten Sie durch Ausklappen des Eintrages]
Oberbegriffe
Unterbegriffe
Synonymgruppe
Nichtskönner · ↗Verlierer(typ) · armer Wicht  ●  ↗Versager  Hauptform · ↗(armes) Würstchen  ugs. · ↗Blindgänger  ugs. · ↗Flasche  ugs. · ↗Graupe  ugs. · ↗Heini  ugs., ruhrdt., veraltend · ↗Krücke  ugs. · Lohle  ugs., schwäbisch · ↗Loser  ugs., engl. · ↗Lulli  ugs. · ↗Lusche  ugs. · Luschi  ugs. · ↗Niete  ugs. · ↗Null  ugs. · ↗Nulpe  ugs. · ↗Opfer (jugendspr.)  ugs. · ↗Pfeife  ugs. · Pfeifenheini  ugs., regional · ↗Schwachmat  ugs. · ↗Waserl  ugs., wienerisch · Wurst  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
(armer) Wicht · ↗Hanswurst · Lachplatte · ↗Witzblattfigur · dummer August  ●  ↗Fuzzi  ugs. · ↗Komiker  ugs. · ↗Pflaumenaugust  ugs. · ↗Schießbudenfigur  ugs. · ↗Witzfigur  ugs., Hauptform · Wurst  ugs.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Backware Bier Brot Brötchen Butter Ei Fleisch Gemüse Grill Käse Marmelade Milch Milchprodukt Obst Pelle Sauerkraut Schinken Schnitzel Schweinefleisch Senf Speck Speckseite Steak Wurst braten essen fett geräuchert schmecken verarbeiten

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Wurst‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Sie heißt nicht nur so, sondern Schnitte zieht auch echt die Wurst vom Teller.
Bild, 30.11.2004
Und bei lose verkaufter Wurst liegt sowieso wieder alles beim Kunden.
Der Tagesspiegel, 27.12.2000
Das kannst du in die Wurst hacken: das taugt nichts.
Röhrich, Lutz: Wurst. In: Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten [Elektronische Ressource], Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1994], S. 6892
Diese Würste waren ein Aufwühlen, im Nu waren sie verteilt.
Plievier, Theodor: Stalingrad, München u. a.: Desch 1973 [1946], S. 325
Wurst war für mich, soweit ich zurückdenken kann, sehr wichtig.
Brief von Irene G. an Ernst G. vom 02.11.1943, Feldpost-Archive mkb-fp-0270
Zitationshilfe
„Wurst“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Wurst>, abgerufen am 20.10.2019.

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