Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Wust, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Wustes · wird nur im Singular verwendet
Aussprache 

Bedeutungsübersicht+

  1. [umgangssprachlich] großes Durcheinander von Dingen
    1. ungeordnete Menge
    2. [bildlich] ...
eWDG

Bedeutung

umgangssprachlich großes Durcheinander von Dingen
Beispiele:
ein heilloser, verfilzter Wust
ein Wust aus altem Kram
im Wust wühlen, ersticken
ungeordnete Menge
Beispiele:
ein Wust Papiere
einen Wust von Büchern durchstöbern
bildlich
Beispiele:
ein Wust von Ideen
ein Wust von Daten und Zahlen
alle leben … in einem Wust von Einbildungen [ FontaneTreibelI 3,338]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Wust m. ‘Durcheinander, ungeordnete Menge, Unrat, Schmutz’, mhd. wuost ‘Verwüstung, Trümmer’ (in dieser Bedeutung noch nhd., jedoch selten) ist eine Rückbildung aus dem Adjektiv mhd. wüeste, wuoste ‘öde, einsam, verlassen, leer, unschön, häßlich’ bzw. aus dem davon abgeleiteten Verb mhd. wüesten ‘öde machen, ausplündern, zerstören, Raubbau treiben’ (s. wüst).

wüst · Wüste · wüsten · verwüsten · Wüstling · Wüstung · Wüstenei
wüst Adj. ‘öde, nicht bebaut oder bewohnt, verheert’. Das nur westgerm. bezeugte Adjektiv ahd. wuosti ‘öde, unbebaut, leer’ (um 800), mhd. wüeste, wuoste ‘öde, einsam, verlassen, leer, unschön, häßlich’, asächs. wōsti, mnd. wōste, mnl. woest(e), nl. woest, afries. wōst, aengl. wēste (westgerm. *wōsti-) ist verwandt mit lat. vāstus ‘öde, wüst, leer, plump, roh, ungeschlacht’, air. fās ‘leer’, fāsach ‘Wüste’ und kann vielleicht über ein to-Partizip ie. *u̯āsto- ‘öde’ an die unter Wahnwitz (s. d.) dargestellte Wurzel ie. *eu-, *euə-, *u̯ā- ‘mangeln, leer’ angeschlossen werden. Wüste f. ‘unbebauter, unbewohnter, vegetationsloser Landstrich, verheertes Gebiet’, besonders (seit frühem bibelsprachlichem Gebrauch) Bezeichnung der außereuropäischen Sand- und Steinwüsten (vom 18. Jh. an vorherrschend), ahd. wuostī (8. Jh.), mhd. wüeste, wuoste ‘öde Gegend, Wildnis’, aengl. wēste; vgl. daneben (mit dem Suffix germ. -injō, -unjō) ahd. wuostin (8. Jh.), mhd. wuostinne, wuosten, wüestene, asächs. wōstunnia, mnd. wōstine, mnl. woestine, nl. woestijn, aengl. wēsten. wüsten Vb. ‘verheeren, beschädigen, zunichte machen, vergeuden’, ahd. wuosten ‘plündern, brandschatzen, verheeren’ (9. Jh.), mhd. wüesten ‘öde machen, ausplündern, zerstören, Raubbau treiben’, asächs. wōstian, mnd. wōsten, faktitive Bildung zum Adjektiv. verwüsten Vb. ‘verheeren, vernichten’, mhd. verwüesten. Wüstling m. ‘zügelloser, ausschweifender Mensch’ (16. Jh.). Wüstung f. ‘unbebauter, unbewohnter Landstrich, verlassene Siedlung’, mhd. wüestunge, wustunge. Wüstenei f. ‘wüste Gegend, Einöde’, mhd. (md.) wüestenīe, mnd. wōstenie, mnl. woestenie, nl. woestenij, Weiterbildung von ahd. wuostin, mhd. wüestene f. ‘Wüste’.

Thesaurus

Synonymgruppe
Anhäufung · Anzahl · Ballung · Batzen · Fülle · Haufen · Heer · Legion · Masse · Menge · Reihe · Schar · Schwall · Schwarm · Schwung · Serie · Unmasse · Unmaß · Unmenge · Unzahl · Vielheit · Vielzahl · Wust · Übermaß  ●  Armee  ugs. · Flut  ugs. · Latte  ugs.
Synonymgruppe
(ein) Mix (an) · (wilde) Mischung · Chaos · Gemeng(e) · Gemisch · Gewirr · Sammelsurium · Unordnung · Verhau · Wirrnis · Wirrwarr · Wust  ●  (wüstes / regelloses / wildes) Durcheinander  Hauptform · Dschungel  fig. · Pelemele  franz. · Tohuwabohu  hebräisch · Kuddelmuddel  ugs. · Mischmasch  ugs. · Salat  ugs.
Oberbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›Wust‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Wust‹.

Verwendungsbeispiele für ›Wust‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Wenn er fort war, wuchs der Wust in allen Zimmern schnell wieder nach. [Kempowski, Walter: Tadellöser & Wolff, München: Hanser 1971 [1971], S. 293]
In diesem Wust von Geräten fällt eine realistische Auswahl nicht leicht. [C't, 1991, Nr. 1]
Und es wird nicht aus diesem Wust von Informationen, denen wir ausgesetzt sind, von selber gelieren. [Die Zeit, 18.03.2013, Nr. 11]
Sehr problematisch ist der Wust von sozialen Regelungen für das Personal. [Die Zeit, 10.06.1994, Nr. 24]
Doch was hat uns der Wust an reproduzierbarer Wissenschaft gebracht? [Die Zeit, 09.05.1986, Nr. 20]
Zitationshilfe
„Wust“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Wust>.

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