Wut, die
GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Wut · wird nur im Singular verwendet
Aussprache
Wortbildung mit ›Wut‹ als Erstglied: Wutanfall · Wutausbruch · Wutgebell · Wutgebrüll · Wutgeheul · Wutrede · Wutschrei · wutbebend
 ·  mit ›Wut‹ als Letztglied: Berserkerwut · Bullenbeißerwut · Hirnwut · Hundswut · Mordswut · Sauwut · Scheißwut · Stinkwut · Tollwut
 ·  formal verwandt mit: -wut · blindwütig · heiratswütig
eWDG, 1977

Bedeutungen

1.
heftige, zornige, bis zur Raserei gesteigerte Erregung
Beispiele:
eine dumpfe, unterdrückte, ohnmächtige Wut
eine wachsende, wilde, grimmige, rasende, furchtbare Wut
Tränen der Wut vergießen
voll(er) Wut sein
seine Wut war grenzenlos
Wut erfasst, packt jmdn.
ihn erfüllte Wut gegen alles
Wut kocht in jmdm. umgangssprachlich
jmds. Wut legt sich, verraucht
Wut auf jmdn., etw. haben
Wut bekommen
Wut kriegen umgangssprachlich
seine Wut äußern
Wut schnauben (= sehr wütend sein)
seine Wut an jmdm. auslassen
er richtete seine ganze Wut gegen uns
seine Wut zügeln, unterdrücken
In Hans schießt die helle Wut hoch (= kommt plötzlich furchtbare Wut auf) über diesen Schwindel [F. WolfGrenze5,131] gehoben
Der hat jetzt eine schöne Wut im Bauch! (= hat eine starke, heimliche Wut!) [FalladaJeder stirbt208] salopp, spöttisch
mit Präposition
in Verbindung mit »aus«
Beispiel:
vor Wut heulen
in Verbindung mit »in«
Beispiele:
in Wut sein
in sinnloser Wut alles zusammenschlagen
in Wut (über jmdn., etw.) geraten, ausbrechen
jmdn. in Wut bringen, versetzen
und sich redeten sie in eine richtige Wut hinein (= während des Redens wurden sie wütend und steigerten ihre Wut) [WelkGrambauer301]
in Verbindung mit »von«
Beispiel:
von Wut erfüllt, ergriffen sein
in Verbindung mit »vor«
Beispiele:
bleich, toll, blind vor Wut sein
vor Wut schäumen (= außerordentlich wütend sein)
er schlug vor Wut mit der Faust auf den Tisch
vor Wut platzen (= überaus wütend sein) salopp
ich könnte ihm vor Wut ins Gesicht springen (= ich könnte ihn vor Wut am liebsten tätlich angreifen) salopp
bildlich das Toben, die Heftigkeit
Beispiele:
die Wut des Sturmes, der Elemente
die Wut des Unwetters ließ langsam nach
der Orkan brach mit voller Wut los
Die Wut der Krankheit hatte mir alle Erinnerung des Vergangenen gänzlich geraubt [E. T. A. Hoffm.Serapionsbrüder3,467]
2.
umgangssprachlich, übertrieben übersteigerter Eifer
Beispiele:
eine ungehemmte, besessene Wut des Arbeitens, Tanzens
sie gehen mit einer wahren Wut ans Werk
unter der Wut ihres [der Musiker] Schaffens werden die Formen groß und fast unirdisch [JahnnNiederschrift1,493]
3.
Medizin Tollwut
Beispiele:
die stille (= äußerlich nicht spürbare) Wut
die rasende (= sich durch heftige Erregung äußernde) Wut
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Wut · Wüterich · wüten · wütend · wütig
Wut f. ‘rasender Zorn’, ahd. (um 800), mhd. wuot f. ‘heftige Bewegung, heftige Gemütserregung, Raserei’, mnl. woet f. m., nl. woede f. ‘Wut, Raserei’ und aengl. wōþ f. ‘Ton, Stimme, Dichtung’, anord. ōðr m. ‘Erregtheit, Dichtkunst, Dichtung’ stehen neben dem (im Dt. untergegangenen) Adjektiv ahd. -wuot in firwuot ‘unsinnig, ohne Vernunft’ (11. Jh.), aengl. wōd, engl. (älter bzw. mundartlich) wood ‘wahnsinnig, wütend, rasend’, anord. ōðr ‘wütend, rasend’, got. *wōþs (bezeugt wōds) ‘wütend, besessen’ (germ. *wōda-). Außergerm. sind vergleichbar aind. ápivátati (aus *u̯at-) ‘bläst an, facht an, inspiriert’, lat. vātēs ‘Weissager, Seher’, air. fāith ‘Seher, Prophet’, mir. fāth (aus *u̯ātu-) ‘Prophezeiung, Ursache’, so daß ie. *u̯ā̌t-, *u̯ōt- ‘geistig angeregt sein’ angesetzt werden kann, möglicherweise eine Erweiterung der Wurzel ie. *u̯ē- ‘wehen, blasen, hauchen’ (s. ↗wehen). Als Ausgangsbedeutung ist vielleicht ein ‘durch übermenschliche Kräfte (Dämonen, Götter?) verursachter Zustand des Außersichseins, übermächtige Erregung’ anzunehmen. In älterer Sprache bezeichnet das Substantiv unterschiedliche Gemütserregungen wie Raserei, Wahnsinn, Verzückung, zügellose Erregung, rasenden Zorn. Vor allem in der letztgenannten Verwendung ist es bis heute geläufig. Wüterich m. ‘gewalttätiger Mensch’, ahd. wuotarīh (9. Jh.), mhd. wüeterī̌ch, wuoterī̌ch ‘Tyrann, Teufel’. Vgl. ahd. wuoto m. (10. Jh.). wüten Vb. ‘vor Zorn rasen, gewalttätig vorgehen’, ahd. wuoten ‘besessen sein, im Wahnsinn rasen, in heftiger Erregung sein und Gewalt anwenden’ (8. Jh.), mhd. wüeten; dazu wütend Part.adj. bes. seit der 2. Hälfte des 18. Jhs. im Sinne von ‘heftig’ auf seelische und körperliche (wütender Hunger, Schiller) Vorgänge bezogen. wütig Adj. ‘zornig, tobend’, ahd. wuotīg (9. Jh.), mhd. wuotic, wüetec ‘tollwutkrank, tobsüchtig, wahnsinnig, aggressiv erregt’.
OpenThesaurus (09/2016)

Thesaurus

Synonymgruppe
Ärger · Aufgebrachtheit · Aufgebrachtsein · Aufgeregtheit · Aufregung · böses Blut  ugs. · Echauffiertheit · Echauffierung · Empörtheit · Empörung · Entrüstung · Erbostheit · Feindseligkeit · Furor · Gefrett  ugs. · Gereiztheit · Gfrett  ugs. · heiliger Zorn · Indignation · Ingrimm · Jähzorn · Rage · Raserei · Scheißwut  derb · Stinkwut · Verärgerung · Wut im Bauch · Wutanfall · Wüterei · Zorn
Oberbegriffe
Assoziationen
  • (die) Gemüter erhitzen  ugs. · (die) Gemüter erregen · (die) Nerven liegen blank  ugs. · (ein) Aufreger sein · (einen) Sturm der Entrüstung auslösen · (jemandes) Blut in Wallung bringen  ugs. · Kreise ziehen · Wind machen · Wirbel machen · die Wellen der Empörung schlagen hoch · einschlagen wie eine Bombe  ugs. · für Aufregung sorgen · hohe Wellen schlagen
  • Aufruhr · Volkszorn · allgemeine Empörung
  • (einen) Hass haben auf · (jemandem) gram sein · aggressiv · angepisst  derb · aufgebracht · böse · einen Hals haben  ugs. · eingeschnappt  ugs. · empört · erbost · erzürnt  geh. · fuchtig  ugs. · geladen  ugs. · in Brast  ugs. · in Rage · in heiligem Zorn  ugs. · indigniert  geh. · pissig  derb · sickig  ugs. · so eine Krawatte haben (+ Geste)  ugs. · so einen Hals haben (+ Geste)  ugs. · stinkig  ugs. · wütend · zornig
  • also hören Sie mal!  ugs. · entschuldige mal!  ugs. · entschuldigen Sie mal!  ugs. · ich bitte Sie!  ugs. · ich bitte dich!  ugs. · ich darf doch sehr bitten!  ugs. · ich muss doch sehr bitten!  ugs. · sagen Sie mal!  ugs.
  • (die) Wut kriegen · (gleich) Amok laufen (Übertreibung)  ugs. · (jemandem) platzt (gleich) der Kragen  ugs. · (jemanden) packt der helle Zorn  geh. · (jemanden) packt die Wut · an die Decke gehen  ugs. · auf 180 sein  ugs. · auf hundertachtzig sein  ugs. · böse werden  ugs. · hochgehen wie ein HB-Männchen  ugs. · hochgehen wie eine Rakete  ugs. · in Rage geraten · in Rage kommen · in Wut geraten · in die Luft fliegen  ugs. · in die Luft gehen  ugs. · kurz vorm Explodieren sein  ugs. · kurz vorm Überkochen sein  ugs. · mit der Faust auf den Tisch hauen · mit der Faust auf den Tisch schlagen · rasend werden  ugs. · rotsehen  ugs. · sehr aufgebracht sein · sehr erbost sein · sehr erregt sein · sehr wütend sein · sehr zornig sein · wütend werden · zürnen  geh.
  • Sturm der Entrüstung · Welle der Empörung · öffentliche Empörung
  • Randalationsversuch · Randaleversuch · Randalierversuch
  • (ein) Anfall (von)  ugs. · Anwandlung(en)  geh. · Aufwallung  geh. · Gemütsschwankung(en) · Kaprice  geh. · Kaprize  geh. · Laune · Stimmung · Stimmungsschwankung · vorübergehende Gemütsverfassung
DWDS-Beispielextraktor

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Vielleicht haben wir die Wut, diesen "quecksilbrigen" Teil von uns, endlich hinter uns gelassen.
Die Zeit, 16.09.2013, Nr. 37
Die Wut der Fans richtete sich zuletzt auch gegen Sie.
Bild, 30.03.2006
Auf diese Weise kriegt man natürlich erst recht die Wut.
Lehmann, Arthur-Heinz: Mensch, sei positiv dagegen!, Dresden: Heyne 1939 [1939], S. 8
Mit Wut im Herzen konnte er doch nicht anders als höflich sein.
Huch, Friedrich: Pitt und Fox, München: Langewiesche-Brandt 1910 [1909], S. 319
Da sich auf sein Klopfen drinnen nichts rührte, geriet er in Wut.
Wassermann, Jakob: Caspar Hauser, Berlin: Aufbau-Verl. 1987 [1908], S. 304
DWDS-Wortprofil

Typische Verbindungen
computergeneriert

Angst Bauch Empörung Entsetzen Enttäuschung Frust Hass Ohnmacht Resignation Scham Schmerz Trauer Tränen Verzweiflung Zorn angestaute aufgestaute auslassen blanke blinder entlädt geballte hilflose kalte kocht ohnmächtige packt schäumte umschlägt Ärger

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Wut‹.

Worthäufigkeit

selten häufig

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