Zäpfchen, das

GrammatikSubstantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Zäpfchens · Nominativ Plural: Zäpfchen
Aussprache
WorttrennungZäpf-chen (computergeneriert)
WortzerlegungZapfen-chen
Wortbildung mit ›Zäpfchen‹ als Letztglied: ↗Glyzerinzäpfchen · ↗Seifenzäpfchen · ↗Stuhlzäpfchen
eWDG, 1977

Bedeutung

siehe auch Zapfen (Lesart 1)
1.
in den Rachen frei hängende, zapfenförmige Vorwölbung des weichen Gaumens
Beispiel:
im Rachen sind [bei Scharlach] die Gaumenmandeln, das Zäpfchen und die Hinterwand dunkelrot verfärbt [Gesundheit1964]
2.
zapfenförmiges Medikament, das rektal eingeführt wird, Suppositorium
Beispiele:
ein schmerzstillendes Zäpfchen
ein Zäpfchen einführen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Zapfen · zapfen · abzapfen · anzapfen · verzapfen · Zäpfchen · Zapfenstreich
Zapfen m. ‘länglicher, sich verjüngender Holzpflock (Stöpsel) zum Verschließen eines Gefäßes, konisch runder, mit holzigen Schuppen versehener Fruchtstand der Nadelhölzer’, ahd. zapho (11. Jh.), mhd. zapfe, (md.) zappe, mnd. mnl. tappe, nl. tap, aengl. tæppa, engl. tap führen auf germ. *tappan-, umgelautetes, im Nhd. untergegangenes ahd. zepho (Hs. 12. Jh.), mhd. zepfe ‘Fruchtstand (Traube, Rispe, Ähre)’ auf germ. *tappjan- mit einer Ausgangsbedeutung ‘länglich Ausgezogenes, Spitziges’. Verwandt sind die ablautenden unter ↗Zipfel (s. d.) behandelten Substantive und offensichtlich auch das lautlich und semantisch nahestehende ↗Zopf (s. d.), so daß, da außergerm. Vergleiche fehlen, von einer onomatopoetischen germ. Grundform zur Bezeichnung von etw. Spitzem auszugehen ist. Das Endungs-n der nhd. Form (seit Ende 15. Jh.) entstammt den obliquen Kasus des schwach flektierten Substantivs; im Md. hält sich Zapfe bis ins 18. Jh. Der verdeutlichenden Bildung Tannenzapfen (15. Jh.) folgt (nach der Ähnlichkeit) Eiszapfen (16. Jh.). zapfen Vb. ‘mit Hilfe eines Zapfens durch ein Spundloch ausfließen lassen, entnehmen, abfüllen’, mhd. zapfen, zepfen, auch ‘mit einem Zapfen versehen’; vgl. mnd. mnl. nl. tappen, aengl. tappian, engl. to tap. abzapfen Vb. ‘Flüssigkeit entnehmen, ablaufen lassen’ (16. Jh.), übertragen ‘jmdm. etw. abnötigen, jmdn. ausnutzen’ (17. Jh.). anzapfen Vb. ‘durch Lösen des Zapfens öffnen, anstechen’, übertragen ‘von jmdm. Geld borgen’ (15. Jh.). verzapfen Vb. ‘direkt vom Faß ausschenken’ (15. Jh.), ‘Törichtes tun, Unsinniges von sich geben’ (19. Jh.). Zäpfchen n. zapfenförmige Vorwölbung des weichen Gaumens im Rachen, ‘Gaumenzäpfchen’ (um 1500), ‘zapfenförmiges, rektal einzuführendes Medikament’ (18. Jh.), auch (in beiden Bedeutungen) Zäpflein (16. Jh.). Zapfenstreich m. Beginn der Nachtruhe in der Soldatenunterkunft, anfangs ein Signal, durch Trompete oder durch Trommelwirbel gegeben, dann mit anschließender Begleitmusik als Aufforderung für die Soldaten, sich in ihre Quartiere zu begeben (17. Jh.), schließlich zu einem Musikstück und zu festlicher Militärmusik erweitert; eigentlich ‘Streich, Schlag auf den Zapfen des Bierfasses, um dieses zu schließen und den Ausschank im Militärlager zu beenden’; vgl. nd. taptō, nl. tap toe ‘Zapfen zu’, danach nl. taptoe ‘abendliche Militärmusik, festliche Musikparade’, woraus gleichbed. engl. tattoo, (älter) taptoo (s. ↗Tattoo), und russ. (älter) taptá (тапта) ‘Zapfenstreich’.

Thesaurus

Anatomie
Synonymgruppe
Zäpfchen  ●  ↗Suppositorium  fachspr.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Dragee Kapsel Napf Netzhaut Pille Saft Salbe Spritze Stab Tablette Tropfen verabreichen verschreiben

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Zäpfchen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Sie machten Zäpfchen daraus, mit denen ungeborene Kinder abgetrieben wurden.
Bild, 08.03.2004
Durch das unregelmäßige Muster der Zäpfchen kann das Auge Farben schlechter auflösen als Helligkeit.
Die Welt, 13.03.1999
Mit dieser spärlichen Auskunft und einem Zäpfchen versehen wanderte es sich wieder beschwingter.
Schmidt-Rogge, Carl H.: Dein Kind – Dein Partner, München: List 1973 [1969], S. 38
Durch Verwenden eines Heißkanalwerkzeuges mit Nadelventilen kann die Entstehung des Zäpfchens vermieden werden.
Menges, Georg u. Mohren, Paul: Anleitung für den Bau von Spritzgießwerkzeugen, München: Hanser 1974, S. 92
Am Innenrande der Oberschenkel steht eine Reihe von Zäpfchen (Schrillzäpfchen).
Wiehle, Hermann u. Harm, Marie: Lebenskunde für Mittelschulen - Klasse 3, Halle u. a.: Schroedel u. a. 1941, S. 116
Zitationshilfe
„Zäpfchen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Zäpfchen>, abgerufen am 24.06.2019.

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