Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Zügel, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Zügels · Nominativ Plural: Zügel
Aussprache 
Worttrennung Zü-gel (computergeneriert)
Wortbildung  mit ›Zügel‹ als Erstglied: Zügelführung · Zügelhand · zügellos
 ·  mit ›Zügel‹ als Letztglied: Ausbindezügel · Schlaufzügel  ·  mit ›Zügel‹ als Grundform: zügeln
eWDG

Bedeutung

am Zaumzeug befestigter Riemen zum Führen und Lenken von Reittieren, Zugtieren
Beispiele:
dem Pferd die Zügel anlegen, abnehmen
die Zügel halten, in die Hand nehmen, kurz, lang, locker lassen, straff anziehen
das Pferd am Zügel führen
seinem Pferd die Zügel schießen lassen (= die Zügel locker hängen lassen, das Pferd galoppieren lassen)
mit verhängten (= hängenden, lockergelassenen) Zügeln, verhängtem Zügel reiten
einem durchgehenden Pferd in den, in die Zügel fallen (= ein herangaloppierendes Pferd durch raschen Zugriff am Zügel packen, um es zum Stehen zu bringen)
übertragen
Beispiele:
die Zügel in der Hand haben, halten (= alles selbst entscheiden, bestimmen können)
die Zügel straff(er), stramm(er) anziehen (= streng, strenger vorgehen)
die Zügel schleifen lassen (= nicht mehr so streng auf Ordnung, Disziplin achten)
jmdm. Zügel anlegen (= jmdn. zügeln, in seiner Freiheit beschränken)
seinem Verlangen Zügel anlegen (= sein Verlangen einschränken)
seiner Wut die Zügel schießen lassen (= ohne Selbstdisziplin seiner Wut ihren Lauf lassen)
Beispiel:
er lässt seiner Laune, Phantasie, seinem Temperament, seinen Gefühlen die Zügel schießen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Zügel · zügeln · zügellos
Zügel m. ‘Lenkriemen der Reit- und Zugpferde’, ahd. zuhil (um 800), zugil (10. Jh.), mhd. zügel ‘Zügel, Riemen, Strich, Band’, mnd. tōgel, mnl. tōghel, teugel, nl. teugel, aengl. tygel, anord. tygill, schwed. tygel führen auf germ. *tugila-, gebildet mit dem Suffix für maskuline Gerätebezeichnungen germ. -ila- und grammatischem Wechsel von h und g zur Tiefstufe des unter ziehen (s. d.) behandelten Verbs. Ausgangsbedeutung ist ‘Gerät zum Ziehen’. zügeln Vb. ‘im Zaum halten’ (Mitte 18. Jh.), ‘halftern’ (15. Jh., vereinzelt). zügellos Adj. ‘ohne Zügel, uneingeschränkt, undiszipliniert’ (17. Jh.).

Thesaurus

Technik
Synonymgruppe
Halfter · Zaumzeug · Zügel
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›Zügel‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Zügel‹.

Verwendungsbeispiele für ›Zügel‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Von jetzt ab ist es dem Patienten unmöglich, seinem Hange zum Trinken auch nur die geringsten Zügel anzulegen. [Grotjahn, Alfred: Alkoholismus. In: ders. u. J. Kaup (Hgg.), Handwörterbuch der sozialen Hygiene, Leipzig: Vogel 1912, S. 448]
Der Mann auf dem Bock hält die Zügel, die Frau das Baby. [Kuckart, Judith: Lenas Liebe, Köln: DuMont Literatur und Kunst Verlag 2002, S. 154]
Mit der Zeit gelang es den Generalen doch, die Zügel der Disziplin wieder in die Hand zu bekommen. [Delbrück, Hans: Geschichte der Kriegskunst im Rahmen der politischen Geschichte - Vierter Teil: Neuzeit, Berlin: Directmedia Publ. 2002 [1920], S. 4174]
Tatsächlich behielt er aber die Zügel der Macht bis zu seinem Tod 1799 fest in der Hand. [Mote, F. W.: China von der Sung-Dynastie bis zur Ch'ing-Dynastie. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1964], S. 2874]
Rene Hatt nahm "die Zügel wieder fest in die Hand". [Der Spiegel, 01.10.1984]
Zitationshilfe
„Zügel“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Z%C3%BCgel>.

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