Zechbruder, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum)
Aussprache
WorttrennungZech-bru-der
WortzerlegungzechenBruder
eWDG, 1977

Bedeutung

umgangssprachlich
1.
Zechgenosse
2.
abwertend jmd., der häufig und viel Alkohol trinkt
Beispiel:
[sie] befanden sich nun in jenem lässigen Zustande, in welchem erfahrene Zechbrüder einen lustigen Tag austönen lassen [G. KellerGr. Heinrich4,354]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Zeche · zechen · Zecher · Zechbruder · Zechgenosse · bezecht
Zeche f. ‘Rechnung für genossene Speisen und Getränke in einer Gaststätte, Bergwerk’, ahd. zehha ‘gemeinsamer Beitrag’ (9. Jh.), mhd. zech(e), mnd. teche ‘reihumgehende Verrichtung, Reihenfolge, Anordnung, Einrichtung, Vereinigung zu gemeinsamen Zwecken (Trinkgesellschaft, Zunft, Bergwerksgenossenschaft und deren Grube), Ort der Zusammenkunft, Geldbeitrag zu gemeinsamem Verzehr’, spätmhd. auch ‘Wirtsrechnung für Gelage und Schmaus’; vgl. dazu ahd. zehōn ‘ausrüsten, in Ordnung bringen, instand setzen, besudeln, färben, verfälschen’ (8. Jh.), mhd. zechen ‘anordnen, verfügen, veranstalten, zustande bringen’, auch ahd. gizeh ‘geordnet’ (10. Jh.), mhd. gezech. Weiterhin sind vergleichbar aengl. teoh m. f. ‘Geschlecht, Trupp, Schar, Bande, Gesellschaft’, (ge)teohhian ‘bestimmen, meinen, beabsichtigen, vorschlagen, betrachten, denken, urteilen’, wohl auch anord. (aus *tehwa) ‘Erlaubnis’. Eine Weiterbildung (mit dem Suffix germ. -sman-) ist mhd. zesem, zesen ‘ununterbrochene Reihe’. Erschließbar ist eine Wurzel ie. *dek̑-, doch außergerm. Beziehungen sind ganz unsicher. Formal könnten herangezogen werden aind. daśasyáti ‘tut Dienste, ist gefällig, unterstützt’, griech. déchesthai (δέχεσθαι) ‘annehmen, aufnehmen, erwarten, scheinen’, lat. decēre ‘zieren, kleiden, sich ziemen, sich schicken’, air. dech ‘der beste’, die ebenfalls eine Wurzel ie. *dek̑- ‘nehmen, aufnehmen’, auch ‘gut passend, geeignet, sich schicken, ziemen’ voraussetzen. Zeche geht sehr wahrscheinlich von der Bedeutung ‘Ordnung, Reihenfolge’ aus, vgl. umzech(ig) Adv. ‘der Reihe nach, abwechselnd, umschichtig’ (15. bis 19. Jh.). zechen Vb. ‘gemeinsam mit anderen trinken, schmausen, ein Gelage halten’, spätmhd. zechen, zu mhd. zeche in der Bedeutung ‘gemeinsames Mahl, Gelage’. Zecher m. ‘wer gern und oft zecht’ (16. Jh.), mhd. zechære ‘(An)ordner’. Zechbruder m. ‘Zechgeselle, Saufkumpan’ (16. Jh.), spätmhd. zechbruoder ‘Vereinsgenosse, Zunftbruder’. Zechgenosse m. ‘wer mit anderen gemeinsam trinkt und schmaust’ (18. Jh.), älter ‘Genosse einer Zunft, Gilde’ (Anfang 17. Jh.). bezecht Part.adj. ‘betrunken’ (16. Jh.).

Thesaurus

Medizin, Psychologie
Synonymgruppe
Alkoholabhängiger · ↗Alkoholiker · Alkoholkranker · ↗Trinker · Trunksüchtiger · ↗Zecher  ●  Bsuff  bair., österr. · ↗Alki  ugs. · ↗Bacchant  geh., griechisch, lat. · ↗Bierdimpfl  ugs., bair. · Gamma-Trinker  fachspr. · ↗Saufbold  derb · ↗Saufbruder  ugs. · ↗Schlucker  ugs. · ↗Schluckspecht  ugs. · ↗Schnapsdrossel  ugs. · Spritnase  derb · ↗Spritti  derb · ↗Suffkopp  ugs., norddeutsch · ↗Säufer  derb · ↗Trunkenbold  ugs. · ↗Wermutbruder  ugs., veraltend · Zechbruder  ugs.
Oberbegriffe
Unterbegriffe
Assoziationen

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Die Mutter selbst wird als haltlos geschildert, als eine, die ihre Nächte in Spelunken vertrinkt, Zechbrüder aufgabelt und abschleppt.
Die Zeit, 06.10.2005, Nr. 41
Kaltblütig hatte sich Krüger von den Zechbrüdern einige Gläser "für ein paar Berliner Freunde" erbeten.
Der Tagesspiegel, 09.01.2001
Saarbrücken - Günther F. (46) bekam in einer Kneipe Zoff mit einem Zechbruder, fing sich ein blaues Auge.
Bild, 27.02.2001
Er wird päpstlicher Agent mit stattlichem Einkommen, er findet eine Geliebte, die ihm die Zechbrüder nie zugetraut hätten, er gewinnt Goethes Freundschaft.
Süddeutsche Zeitung, 14.03.1998
Im Kreis einiger Zechbrüder überreicht der Bürgermeister Kaspar die goldene Ehrenkette der Stadt.
Fath, Rolf: Werke - Z. In: Reclams Opernlexikon, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1998], S. 22250
Zitationshilfe
„Zechbruder“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Zechbruder>, abgerufen am 25.03.2019.

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