Zeitgenosse, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum)
Aussprache
WorttrennungZeit-ge-nos-se
WortzerlegungZeitGenosse
Wortbildung mit ›Zeitgenosse‹ als Grundform: ↗zeitgenössisch
eWDG, 1977

Bedeutung

Mensch, der gleichzeitig mit einem anderen, mit anderen in einem bestimmten historischen Zeitraum lebt
Beispiele:
er war ein Zeitgenosse Goethes
ein berühmter Zeitgenosse
umgangssprachlich, abwertend er ist ein seltsamer, sturer, wenig Vertrauen erweckender Zeitgenosse
Es werden uns daher durch die Memoiren der Zeitgenossen wenige Notizen über Napoleon vorenthalten werden [HeineNordsee3,114]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Zeit · zeitig · zeitigen · zeitlich · Zeitlichkeit · Zeitalter · Zeitgeist · Zeitgenosse · zeitlos · Zeitlose · Zeitschrift · Zeitwort
Zeit f. ‘Ablauf des Geschehens, Aufeinanderfolge der Ereignisse, bestimmter Abschnitt oder Punkt dieses Ablaufs’, ahd. (8. Jh.), mhd. zīt f. n. ‘Zeit, Zeit-, Lebensalter, Leben, Jahres-, Tageszeit, Stunde’, asächs. aengl. tīd, mnd. tīt (nd. Tīde ‘Zeit, Flut’), mnl. tijt, nl. tijd ‘Zeit’, engl. tide ‘Gezeit(en), Ebbe und Flut’ (in Zusammensetzungen ‘Zeit’, vgl. summertide ‘Sommerszeit’), anord. tīð ‘Zeit, Stunde, Gebet’, schwed. tid ‘Zeit’ setzen germ. *tīði- (bzw., falls das neutrale Genus im Ahd. und Mhd. nicht als sekundär anzusehen ist, auch germ. *tīða-) voraus. Daneben stehen aengl. tīma ‘Zeit, Gelegenheit’, engl. time ‘Zeit’, anord. tīmi ‘Zeit, rechte Zeit, Mal, Glück’, schwed. timme ‘Stunde’, beruhend auf germ. *tīma- m. Die germ. Formen lassen sich im Sinne von ‘Abgeteiltes, Abschnitt’ teils mit t-Suffix, teils mit dem Suffix ie. -mon- an die Tiefstufe ie. *dī̌- der unter ↗Teil (s. d.) angeführten Wurzel ie. *dā(i)- ‘teilen, zerschneiden, zerreißen’ anschließen, wozu auch aind. dáyatē ‘teilt, teilt zu, hat Anteil’, dā́ti, dyáti ‘schneidet ab, teilt, mäht’, griech. dá͞iesthai (δαίεσθαι) ‘(ver)teilen’, dá͞is, dá͞itē, daitýs (δαίς, δαίτη, δαιτύς) ‘Portion, Speise, Mahlzeit’, daitrón (δαιτρόν) ‘Anteil, Portion’, (mit mo-Formans) dḗmos (δῆμος) ‘Volk, Gau, Land’, air. dām ‘Gefolgschaft, Schar’ gehören. zeitig Adj. ‘zu einem verhältnismäßig frühen Zeitpunkt’, auch (besonders südd.) ‘reif’, ahd. zītīg ‘(recht)zeitig, früh(reif)’ (10. Jh.), mhd. zītec, zītic ‘ausgewachsen, reif, zur rechten Zeit geschehend, der Jahreszeit, den Verhältnissen entsprechend, reiflich überlegt’, mnd. mnl. tīdich. zeitigen Vb. ‘(Ergebnisse) hervorbringen, (Folgen) nach sich ziehen’, (besonders südd.) ‘reif werden’, mhd. zītegen ‘reif werden, reif machen’. zeitlich Adj. ‘im Hinblick auf die Zeit, vergänglich, irdisch’, ahd. zītlīh Adj. (um 1000; vgl. unzītlīh, um 800, zītlīhho Adv. ‘zeitlich, zeitig’, 9. Jh.), mhd. zītlich ‘zeitlich, weltlich, erntbar, reif, zeitgemäß, angemessen’; Zeitlichkeit f. ‘Endlichkeit, Vergänglichkeit’, mhd. zītlīcheit ‘das irdische Dasein, die irdische Welt’, von den Mystikern geprägt. Zeitalter n. ‘größerer historischer Zeitraum, Epoche, Ära’ (18. Jh.). Zeitgeist m. ‘für einen bestimmten geschichtlichen Zeitraum charakteristische Gesinnung, geistige Haltung’ (Herder 1769), vgl. älteres Genius unserer Zeit (Zinzendorf 1739). Zeitgenosse m. ‘mit jmdm. in der gleichen Zeit, in einem bestimmten historischen Zeitraum Lebender, Mitmensch’ (16. Jh., geläufig 18. Jh.), Übersetzung von gleichbed. spätlat. synchronus, substantiviert nach griech. sýnchronos (σύγχρονος) ‘gleichzeitig, von gleicher Zeit und Dauer’ (s. ↗synchronisch). zeitlos Adj. ‘zeitlich unbegrenzt, ewig, nicht zeitgebunden’ (1. Hälfte 16. Jh., wohl älter). Zeitlose f. im Herbst blühendes, im Frühjahr Früchte tragendes (also sich nicht an die üblichen Zeiten haltendes) Liliengewächs mit lila- bis rosafarbiger Blüte (1. Hälfte 16. Jh.), dann (im Hinblick auf die Blütezeit) Herbstzeitlose (um 1700); vgl. ahd. zīt(i)lōsa (11. Jh.), mhd. zīt(e)lōs(e) für verschiedene, außerhalb der gewöhnlichen Zeit und zwar frühzeitig blühende Frühlingsblumen wie Krokus, Narzisse, dann auch Maßliebchen, Schneeglöckchen. Zeitschrift f. ‘periodisch in Heften erscheinende Druckschrift’ (2. Hälfte 18. Jh.), Verdeutschung von ↗Journal (s. d.); zuvor steht Zeitschrift für ‘Chronogramm’, d. i. ein Sinnspruch, in dem die darin enthaltenen römischen Zahlbuchstaben zusammengezählt die Jahreszahl einer Begebenheit bilden, auf die sich die Worte beziehen (Harsdörfer 1645), auch für ‘Inschrift’ (Harsdörfer 1648) und für ‘Annalen, Chronik, Geschichtswerk’ (2. Hälfte 17. Jh.). Zeitwort n. ‘Verb’ (vereinzelt Mitte 15. Jh., häufiger seit Anfang 17. Jh.), Übersetzung von lat. verbum (temporāle), eigentlich ‘Wort, an dem die Zeiten unterschieden werden’; Zeitwort setzt sich im 17. Jh. gegen konkurrierendes Sagwort, Sprechwort, Tuwort und Werkwort durch (s. ↗Verb).

Thesaurus

Synonymgruppe
Mitbürger · ↗Mitmensch · Zeitgenosse  ●  ↗(jemandes) Gegenüber  geh. · Nächster  geh., biblisch
Oberbegriffe
Unterbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Nachgeborener Nachwelt Porträt Vorläufer Zeugnis angenehm aufgeklärt aufmerksam bedeutend berühmt denkend engagiert gebildet informiert interessiert kritisch liebenswert namhaft prominent rühmen schreibend sensibel sympathisch umgänglich unangenehm unbedarft unbequem unliebsam wach wohlmeinend

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Zeitgenosse‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Aber die Zeitgenossen, die jene böse Ökonomie gar nicht kennen lernen wollen, machen es sich zu leicht.
Die Zeit, 25.01.2006, Nr. 04
Auf internationales Interesse könnte manches Los bei den Zeitgenossen stoßen.
Süddeutsche Zeitung, 19.11.2001
Diese Frage war den Zeitgenossen alles andere als eine Frage.
Blättner, Fritz: Geschichte der Pädagogik, Heidelberg: Quelle & Meyer 1961 [1951], S. 77
Bei Unterhaltungen enthüllt so mancher unsrer Zeitgenossen seinen wahren Charakter.
Volkland, Alfred: Überall gern gesehen. In: Zillig, Werner (Hg.) Gutes Benehmen, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1941], S. 22840
Was die Wirkung des Buches auf die Zeitgenossen anlangt, so war sie zwiespältig.
Ostwald, Wilhelm: Lebenslinien. Eine Selbstbiographie, 3 Teile. In: Simons, Oliver (Hg.), Deutsche Autobiographien 1690 - 1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1927], S. 39464
Zitationshilfe
„Zeitgenosse“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Zeitgenosse>, abgerufen am 19.03.2019.

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