Zentralperspektive, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Zentralperspektive · Nominativ Plural: Zentralperspektiven
Aussprache [ʦɛnˈtʀaːlpɛʁspɛkˌtiːvə]
Worttrennung Zen-tral-per-spek-ti-ve · Zen-tral-pers-pek-ti-ve · Zent-ral-per-spek-ti-ve · Zent-ral-pers-pek-ti-ve
Wortzerlegung zentralPerspektive
DWDS-Vollartikel

Bedeutungen

Leonardo da Vincis »Letztes Abendmahl« ist in der
                    Zentralperspektive gemalt. Die eingezeichneten Perspektivlinien laufen alle auf
                    den Projektionspunkt der Christusfigur zu.
Leonardo da Vincis »Letztes Abendmahl« ist in der Zentralperspektive gemalt. Die eingezeichneten Perspektivlinien laufen alle auf den Projektionspunkt der Christusfigur zu.
(רוליג, CC0)
1.
Kunst Methode der bildenden Kunst, räumliche Objekte im zweidimensionalen Bild vom Standpunkt des Betrachters aus perspektivisch darzustellen
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: die klassische Zentralperspektive
als Akkusativobjekt: die Zentralperspektive nutzen
hat Präpositionalgruppe/-objekt: die Zentralperspektive in der Malerei
als Genitivattribut: Erfindung, Anwendung der Zentralperspektive
Beispiele:
Der französische Maler und Grafiker Victor Vasarely versucht Dreidimensionalität zu erschaffen, ohne die klassische Zentralperspektive zu nutzen. [Die Zeit, 13.02.2007]
[…] erst in den Bildwerken der Renaissance findet sich eine konsequent umgesetzte Zentralperspektive. [Fotostudios Nieder, 27.09.2016, aufgerufen am 15.09.2018]
Er [Alexander Rodtschenko] verabsolutierte die Farbe auf monochromen Tafeln und öffnete die Linie, die sich nicht länger der Zentralperspektive und dem illusionistischen Umriss von Körpern unterwerfen sollte. [Die Zeit, 12.08.2013 (online)]
Als Maler hielt sich Rousseau nicht an die Zentralperspektive, als Dramatiker nicht an die praktischen Zwänge der Aufführung. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.12.2004]
Er hat Landschaften, Menschen und stille Dinge immer aus der klassischen Zentralperspektive heraus fotografiert, so wie die Alten Meister malten. [Berliner Zeitung, 05.08.2004]
Ab 1420 beschäftigt sich der Freundeskreis von Brunelleschi in Florenz mit der Übertragung des räumlichen Sehens auf die Fläche und entwickelt die Ästhetik der Zentralperspektive. [Schwanitz, Dietrich: Bildung. Frankfurt a. M.: Eichborn 1999, S. 282]
Die Erfindung und künstlerische Anwendung der Zentralperspektive hat die technische Zeichnung und die Bauzeichnung revolutioniert. [Die Zeit, 14.03.1997]
Während im Norden, vor allem in den Bildern der Eycks, die reiche und kleinteilige Fülle des sichtbaren Daseins sich spiegelt, wird im Süden jene Bildform gefunden, in der das neue Weltverhältnis des Menschen von Spätmittelalter und Frührenaissance seinen konstitutiven Ausdruck gefunden hat: die Zentralperspektive. Die sichtbare Welt wird gesetzmäßig faßbar, mathematisch exakt konstruierbar, auch Ferne wird jetzt in ihrer Einordnung in das Ganze berechenbar und voraussehbar[…]. [Beenken, Hermann: Das Neunzehnte Jahrhundert in der deutschen Kunst. München: Bruckmann 1944, S. 533]
2.
Blickwinkel; Betrachtung aus zentraler, entscheidender Sicht
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: die männliche Zentralperspektive
in Präpositionalgruppe/-objekt: die Zentralperspektive auf die Welt
Beispiele:
António Lobo Antunes’ Roman schildert das Geschehen nicht aus auktorialer Zentralperspektive, sondern aus der Froschperspektive nicht selbst handelnder, sondern vom Handeln anderer betroffener Personen, über die der Orkan der Geschichte hinwegfegt ohne Rücksicht auf die Individuen. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.12.2005]
[…] so herrscht in unserem Fußball weiterhin die Macht der Zentralperspektive, der Blick des Schiedsrichters. [Die Zeit, 02.04.2014]
Die Huren‑Folklore, wie sie seit dem Beginn der Männerherrschaft bis zu Toulouse‑Lautrec und Clemens Meyer besungen und bepinselt wurde, ist plötzlich schal. Die männliche Zentralperspektive auf die Welt bekommt einen Riss. [Die Zeit, 18.11.2013 (online)]
Selbst die Zentralperspektive auf das eurasiatische »Herzland« ist den Geopolitikern Halford Mackinder und Karl Haushofer geschuldet. Der Vorzug dieser Betrachtungsweise ist, dass sie eine Reihe handfester Ursachen auf komplexe Weise miteinander in Beziehung setzt[…]. [Die Zeit, 23.08.2010]
In einem System, das sich als Mittelding zwischen Gefängnis und Chaos fühlt, gibt es keinen Beschreibungsstandpunkt, keine Zentralperspektive zwingender Kritik. [Sloterdijk, Peter: Kritik der zynischen Vernunft. Bd. 1. Frankfurt: Suhrkamp 1983, S. 18]

letzte Änderung:

Typische Verbindungen zu ›Zentralperspektive‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Zentralperspektive‹.

Zitationshilfe
„Zentralperspektive“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Zentralperspektive>, abgerufen am 23.04.2021.

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