Zeremoniell, das

GrammatikSubstantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Zeremoniells · Nominativ Plural: Zeremonielle
Aussprache
WorttrennungZe-re-mo-ni-ell
HerkunftLatein
Grundformzeremoniell
Wortbildung mit ›Zeremoniell‹ als Letztglied: ↗Begrüßungszeremoniell · ↗Besuchszeremoniell · ↗Hofzeremoniell · ↗Krönungszeremoniell
eWDG, 1977

Bedeutung

Gesamtheit der bei bestimmten feierlichen Anlässen einzuhaltenden Vorschriften
Beispiele:
das feierliche Zeremoniell beim Empfang eines hohen ausländischen Gastes, bei der Unterzeichnung eines Vertrages
ein diplomatisches, militärisches, traditionelles, höfisches, strenges Zeremoniell
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Zeremonie · Zeremoniell · zeremoniell · ceremonialisch
Zeremonie f. ‘sich nach bestimmten Regeln vollziehende, feierliche Handlung’, spätmhd. cerimonie, entlehnt aus spätlat. cēremōnia, lat. caerimōnia, caeremōnia ‘heilige Verehrung, Ehrfurcht, heilige Scheu, religiös-feierliche Haltung, feierlich-religiöser Brauch, Feierlichkeit’ (dem Lat. folgend noch heute die volkssprachliche Betonung Zeremónǐe). Der häufig im Plur. gebrauchte Ausdruck bezeichnet zunächst eine im kirchlichen Bereich ‘nach bestimmten Regeln festgelegte feierliche Handlung (mit symbolischem Charakter)’, nach der Reformation von der protestantischen Partei im Sinne von ‘äußerliche (daher überflüssige) pompöse rituelle Handlung, Schaugepränge’ auf den katholischen Ritus bezogen (der Papisten Ceremonien, 1585). Danach verallgemeinert sich die Bedeutung unter dem Einfluß von afrz. mfrz. cerimonie, frz. cérémonie, das diesen weiteren Sinn schon früher entwickelt hat, (nunmehr meist mit dem Frz. entsprechender Endbetonung) zu ‘feierliche, in bestimmter Ordnung ablaufende Veranstaltung’, z. B. Krönungsfeierlichkeit, Veranstaltungen bei Hofe (Ende 16. Jh.), auch ‘Etikette’ (besonders bezogen auf Umgangsformen mit Fürstlichkeiten und hochrangigen Personen). Im Anschluß daran wird der Ausdruck erneut vielfach abschätzig gebraucht für ‘steife Förmlichkeit, gezierte Geste’. Zeremoniell n. ‘Gesamtheit der einzuhaltenden Vorschriften bei feierlichen Anlässen, Etikette bei Hofe u. dgl.’ (Ende 17. Jh.) stellt sich mit Suffixwechsel (in Anlehnung an frz. cérémoniel Adj., eine im Mfrz. gebildete, seit dem 18. Jh. kaum noch gebräuchliche Parallelform des unmittelbar dem Lat. folgenden frz. cérémonial Adj., s. unten) neben nur wenig älteres gleichbed. Ceremonial, auch Ceremoniale. Dieses ist eine Entlehnung von gleichbed. frz. cérémonial, einer Substantivierung des Adjektivs frz. cérémonial, mfrz. cerimonial ‘kultische, feierliche Handlungen betreffend, zu ihnen gehörend’, nach spätlat. caerimōniālis ‘zur Gottesverehrung gehörig’. Als Bestimmungswort in Zusammensetzungen begegnet ausschließlich Ceremonial-, vgl. Ceremonialdienst, -gesetz, -register, -schreiben (18. Jh.), -besuch, -gesandter (Ende 19. Jh.). Schreibung mit C hält sich bis etwa 1900. Früher bezeugt in dt. Texten ist gelegentlich übernommenes mlat. ceremonialia ‘feierliche Handlungen’ (15. und 16. Jh.), der substantivierte Plur. Neutr. des lat. Adjektivs; dessen Einfluß auf oben genanntes Ceremonial ist nicht auszuschließen. Vgl. die Adjektive zeremoniell (18. Jh., nach frz. cérémoniel, s. oben) und ceremonialisch (15. bis 18. Jh.).

Thesaurus

Religion
Synonymgruppe
Ritual · ↗Ritus · Zeremonie · Zeremoniell · gottesdienstliches Brauchtum · ↗Übung
Oberbegriffe
Unterbegriffe
  • Sakrament
  • Alexandrinische Liturgie · Alexandrinischer Ritus
  • Glaubenstaufe · Gläubigentaufe
  • Armenische Liturgie · Armenischer Ritus
  • Chaldäischer Ritus · Ostsyrischer Ritus
Synonymgruppe
(diplomatisches) Protokoll · (höfisches) Zeremoniell  ●  ↗Reglement  geh., franz.
Oberbegriffe
  • handlungsleitende Norm(en)
  • Regelsammlung · ↗Regelwerk · ↗Reglement · Regularien · Regularium
Unterbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Begrüßung Feierlichkeit Pomp Pracht Prunk Ritual Staatsbesuch Zapfenstreich barock beiwohnen feierlich festgelegt festlich glanzvoll höfisch kaiserlich kirchlich kultisch königlich liturgisch militärisch monarchisch pompös protokollarisch prunkvoll päpstlich steif streng umständlich uralt

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Zeremoniell‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Diesmal kommt mir das Zeremoniell sehr gelegen, ich bin froh, dass ich allein sein kann.
Süddeutsche Zeitung, 07.12.2002
Die Krönung spielt sich in einem genau festgelegten Zeremoniell ab.
Rubin, Berthold: Byzanz. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1965], S. 25745
Dann durchläuft er das komplizierte Zeremoniell der Untersuchung, und am Abend weiß er, was in den nächsten zwanzig Tagen mit ihm geschehen wird.
Die Zeit, 01.05.1959, Nr. 18
Nicht unerwähnt darf das bis ins einzelne festgelegte päpstliche Zeremoniell bleiben.
Graudenz, Karlheinz u. Pappritz, Erica: Etikette neu, Berlin: Deutsche Buch-Gemeinschaft 1967 [1956], S. 629
Es schien tatsächlich etwas wie ein Zeremoniell entworfen zu sein.
Klepper, Jochen: Der Vater, Gütersloh: Bertelsmann 1962 [1937], S. 389
Zitationshilfe
„Zeremoniell“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Zeremoniell>, abgerufen am 12.12.2019.

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