Zicklein, das

Grammatik Substantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Zickleins · Nominativ Plural: Zicklein
Worttrennung Zick-lein
Wortzerlegung Zicke-lein
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Ziege · Ziegenbock · Ziegenpeter · Zicke · Zicklein
Ziege f. Name für Angehörige einer Gattung der Horntiere mit kräftigen Hörnern und rauhem Fell, besonders für das seit alters als Milchlieferant gehaltene Haustier, ahd. ziga (9. Jh.), mhd. zige (daraus mnd. sēge, tzēge, zēge, schēge, mnl. sēghe, zēghe, tsēghe). Herkunft nicht gesichert. Die oben sowie die unter Zicke (s. unten) genannten Formen sind lediglich mit einer vereinzelten Hesych-Glosse griech. díza (δίζα) ‘Ziege’ und mit armen. tik, ursprünglich wahrscheinlich ‘Ziegenhaut, -fell’, dann ‘Wein-, Wasserschlauch’ (vorzugsweise aus Ziegenhaut) vergleichbar. Als Wurzel ist wohl ie. *dig(h)- ‘Ziege’ anzusetzen. Vom Frk. ausgehend, hat sich Ziege ausgebreitet, gelangt durch Luthers Bibelübersetzung in die Literatursprache und hat Zicke (s. unten), ↗Geiß (s. d.) und andere landschaftliche Ausdrücke weitgehend verdrängt; vgl. Rein in: Dt. Wortforsch. in europ. Bezügen 1 (1958) 191 ff. Bereits seit mhd. Zeit steht Ziege auch als Schimpfwort für eine weibliche Person. Als Bezeichnung des männlichen Tieres Ziegenbock m. (14. Jh.), verdeutlichend neben ↗Bock (s. d.). Ziegenpeter m. ‘Ohrspeicheldrüsenentzündung’ (Mitte 19. Jh.; s. auch ↗Mumps). Eine eindeutige Erklärung für die Bildung des Kompositums fehlt. Der Personenname Peter ist wohl im Sinne von ‘Tölpel’ aufzufassen, da ein durch diese Krankheit entstellter Mensch ein tölpelhaftes Aussehen hat wie einer, der nur zum Ziegenhüten geeignet ist (vgl. auch die landschaftliche Bezeichnung Wochentölpel). Das Bestimmungswort kann auch vergleichend auf eine bei Ziegen auftretende und diese Tiere entstellende Krankheit anspielen. Zicke f. ‘weibliche Ziege’, ein in Umgangssprache und Mundart (md., besonders omd.) verbreiteter Ausdruck, der keinen Eingang in die Literatursprache findet. Auszugehen ist von ahd. (9. Jh.), mhd. zickīn n. ‘kleine junge Ziege’, mnd. zi(c)ken (15. Jh.), aengl. ticcen, einer Bildung mit īn-Suffix zur Bezeichnung von Tierjungen. Durch Übergang vom neutralen zum natürlichen Geschlecht und daraus resultierendem n-Abfall entsteht die für das feminine Genus übliche Form auf -e, und der deminutive Gehalt weicht der neuen Bedeutung ‘weibliche (Mutter)ziege’. Als Bildung mit affektischer Konsonantenverschärfung stellt sich Zicke mit norw. (mundartlich) tikka ‘Mutterschaf’, mnd. tīke, anord. tīk, schwed. norw. tik ‘Hündin’ und (aus dem Skandinav.) engl. tyke ‘Köter’ sowie den Weiterbildungen norw. (mundartlich) tiksa ‘Schaf, Hündin’, tikla ‘junges weibliches Schaf, junge Kuh’ zu dem oben behandelten Substantiv Ziege. Zicklein n. ‘kleine Zicke’, mhd. zickelīn.

Thesaurus

Synonymgruppe
Kitz · Zicklein · ↗Ziegenlamm  ●  Gitzi  schweiz.
Oberbegriffe

Typische Verbindungen zu ›Zicklein‹

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Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Zicklein‹.

Verwendungsbeispiele für ›Zicklein‹

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Und dann hat unsere Oma auch noch ein Opferfest für uns ausgerichtet und vor unseren Augen ein Zicklein schlachten lassen.
Die Zeit, 10.03.2011 (online)
Und damit es dem Mädchen nicht einsam werde, kauften sie ihm ein kleines Zicklein.
Süddeutsche Zeitung, 05.12.2003
Schon ein paar Minuten nach der Geburt richtet sich das Zicklein selbständig empor.
Hahn, Christian Diederich: Bauernweisheit unterm Mikroskop, Oldenburg i.O.: Stalling 1943 [1939], S. 129
Wenn ich schon lange schlafe, wird Lea zu mir kommen, voller Liebe, bekifft, keusch und schön, ein Engel, ein Zicklein.
Braun, Marcus: Hochzeitsvorbereitungen, Berlin: Berlin Verlag 2003, S. 62
Im Schatten des Johannisbrotbaumes hingen, gehäutet und ausgenommen, vier Lämmer und drei Zicklein kopfüber an einem Fleischerhaken.
Jentzsch, Kerstin: Seit die Götter ratlos sind, München: Heyne 1999 [1994], S. 282
Zitationshilfe
„Zicklein“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Zicklein>, abgerufen am 23.02.2021.

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