Zierde, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Zierde · Nominativ Plural: Zierden
Aussprache
WorttrennungZier-de (computergeneriert)
eWDG, 1977

Bedeutung

gehoben, veraltend
1.
Schmuck, Verzierung
Beispiele:
die Rosen sind eine Zierde des Parkes
das schöne Rathaus gereicht der Stadt zur Zierde
bildlich
Beispiele:
Herzensbildung ist eine Zierde des Menschen
aber wehe tut's, / Des Lebens kleine Zierden zu entbehren [SchillerStuartI 1]
2.
übertragen Mensch, der seiner Umgebung, Wirkungsstätte Ehre und Ansehen verleiht
Beispiele:
der Künstler war eine Zierde des Theaters
der Bassist Kramer, die Zierde und Stütze der ... kurfürstlichen Kapelle [Ric. HuchDreißigjähr. Krieg2,85]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Zier · zier · Zierde · zieren · geziert · verzieren · Verzierung · zierlich · Zierat
Zier f. ‘Schönheit, Schmuck, Zierat’, ahd. zierī (um 800), mhd. zier(e) ‘Schmuck, Schönheit, Pracht, Herrlichkeit’, mnd. tēre, mnl. tiere ‘Art und Weise, Beschaffenheit’ sind feminine Abstraktbildungen (germ. *tērīn-) zu dem in frühnhd. Zeit untergegangenen, im 19./20. Jh. vereinzelt von Dichtern wieder aufgenommenen Adjektiv zier ‘glänzend, prächtig, herrlich’, ahd. zieri (8. Jh.), mhd. zier(e) ‘prächtig, kostbar, herrlich, schön, schmuck’, mnd. untēre ‘unartig, widerwärtig, häßlich’ (germ. *tērja-). Daneben ist ein maskuliner a-Stamm (germ. *tīra-) bezeugt in asächs. aengl. tīr ‘Ruhm, Ehre’, mnd. tēr ‘Beschaffenheit, Gedeihen, Glanz, Ruhm’, anord. tīrr ‘Glanz, Ruhm, Ehre’. Es handelt sich um Bildungen mit ro-Suffix (ie. *dēiro- bzw. *dīro-) zur Wurzel ie. *dei-, *dei̯ə- ‘hell glänzen, schimmern, scheinen’, wozu sich auch ahd. zeiʒ ‘fein, zart, zierlich’ (9. Jh.), asächs. tēt- ‘froh’ (in Personennamen), anord. teitr ‘froh, lustig’ und toch. A tiri ‘Art und Weise’, aind. dī́dēti ‘strahlt, leuchtet, glänzt’, dyáuḥ ‘Himmel, Tag’ (auch ‘Gottheit’), griech. déato (δέατο) ‘schien’, dḗlos (δῆλος, aus *δέαλος) ‘offenbar, deutlich’ stellen (s. noch ↗Lenz und ↗Zeidler). Zierde f. ‘Verzierung, Zierat, Ausschmückung, Verschönerung, Schmuck’, ahd. zierida (8. Jh.), mhd. zierde ‘Schmuck, Schönheit, Pracht, Herrlichkeit’, Abstraktbildung zum Adjektiv. zieren Vb. ‘verschönern, (aus)schmücken’, ahd. (um 800), mhd. zieren ‘putzen, schmücken, zieren, verherrlichen, rühmen, zur Zierde gereichen’; reflexiv ‘sich verhalten, sich benehmen’ (16. Jh.), ‘sich gegen etw., was man tun möchte, sträuben, sich lange bitten lassen, sich unnatürlich, gekünstelt geben’ (Anfang 18. Jh.); geziert Part.adj. ‘unnatürlich, gespreizt, gekünstelt’ (1. Hälfte 18. Jh.). verzieren Vb. ‘mit Zierat versehen, (aus)schmücken’ (15. Jh.); Verzierung f. (16. Jh.). zierlich Adj. ‘von feiner Gestalt und Form, anmutig, graziös’, mhd. zierlich ‘strahlend, prächtig, herrlich, schön’; vgl. asächs. tīrlīko Adv. ‘in ehrenvoller, schöner Weise’. Zierat m. ‘schmückendes Beiwerk, Verzierung, Zierde, Schmuck’, mhd. zierōt m., gebildet mit dem unter ↗Armut, ↗Einöde, ↗Kleinod (s. d.) angegebenen Suffix zum Adjektiv ahd. zieri, mhd. zier(e) (s. oben), im Genus bis ins 19. Jh. schwankend zwischen Mask. und Fem. Zuweilen fälschlich als Zusammensetzung mit Rat aufgefaßt, daher auch Zierrat geschrieben (16. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Ornament · ↗Schmuck · Verzierung eines Gegenstandes · Zierde
Unterbegriffe
Synonymgruppe
Ausschmückung · ↗Dekoration · ↗Schmuck · ↗Verzierung · schmückendes Beiwerk  ●  Deko  ugs. · Zier  geh. · Zierde  geh. · ↗Zierrat  geh.
Unterbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Bescheidenheit Bürger Garten Gegend Heim Hochzeit Hof Kabinett Landschaft Menschheit Museum Regal Ruhm Schönheit Stand Stolz Tafel Universität Vaterland Wissenschaft Wohnzimmer Zunft besonder bloß dienen gedenken gereichen männlich rein weiblich

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Zierde‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Zum einen seien leerstehende Blöcke keine Zierde für den Ort.
Der Tagesspiegel, 19.08.2004
Diese Zierde seines Fachs bringt es fertig, den von ihm miterarbeiteten Stand der Erkenntnis in einem einzigen Satz gleich dreimal zu verfälschen.
o. A.: WARUM INTERESSIEREN SICH STAAT UND KAPITAL FÜR DIE BEHERRSCHUNG DES ZELL-STOFFWECHSELS. In: Marxistische Zeit- und Streitschrift 1980-1991, München: Gegenstandpunkt Verl. 1998 [1988]
Auch einzelne Tiere schmücken sich in dieser Weise und stolzieren in ihrer Zierde gefallsüchtig umher.
Lucanus, Friedrich von: Im Zauber des Tierlebens, Berlin: Wegweiser-Verl. 1926 [1926], S. 246
Seine gedankenreichen und formvollendeten Dichtungen sind eine Zierde der sozialistischen Literatur.
Blos, Wilhelm: Denkwürdigkeiten eines Sozialdemokraten, Bd. 1. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1914], S. 5015
Der Sinn für diese Zierde unseres Hauses und unseres Gartens scheint dem Durchschnittsamerikaner fast gänzlich abzugehen.
Francke, Alexander: Fünf Wochen im Osten der Vereinigten Staaten und Kanadas, Bern: A. Francke 1913, S. 65
Zitationshilfe
„Zierde“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Zierde>, abgerufen am 18.06.2019.

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