Zierrat, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Zierrat(e)s · Nominativ Plural: Zierrate
WorttrennungZier-rat (computergeneriert)
Ungültige SchreibungZierat
RechtschreibregelnEinzelfälle
eWDG, 1977

Bedeutung

gehoben schmückendes Beiwerk, Verzierung
Beispiele:
der Zierrat eines Giebels, eines Altars
goldener, geschnitzter Zierrat
der Becher ist mit Zierraten geschmückt
bildlich
Beispiel:
daß Kunst und Kultur nicht irgendwelcher schöner oder kostbarer Zierat zum Schmuck der Fassade sind, sondern Lebensbestandteil der sozialistischen Gesellschaft [Tageszeitung1973]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Zier · zier · Zierde · zieren · geziert · verzieren · Verzierung · zierlich · Zierat
Zier f. ‘Schönheit, Schmuck, Zierat’, ahd. zierī (um 800), mhd. zier(e) ‘Schmuck, Schönheit, Pracht, Herrlichkeit’, mnd. tēre, mnl. tiere ‘Art und Weise, Beschaffenheit’ sind feminine Abstraktbildungen (germ. *tērīn-) zu dem in frühnhd. Zeit untergegangenen, im 19./20. Jh. vereinzelt von Dichtern wieder aufgenommenen Adjektiv zier ‘glänzend, prächtig, herrlich’, ahd. zieri (8. Jh.), mhd. zier(e) ‘prächtig, kostbar, herrlich, schön, schmuck’, mnd. untēre ‘unartig, widerwärtig, häßlich’ (germ. *tērja-). Daneben ist ein maskuliner a-Stamm (germ. *tīra-) bezeugt in asächs. aengl. tīr ‘Ruhm, Ehre’, mnd. tēr ‘Beschaffenheit, Gedeihen, Glanz, Ruhm’, anord. tīrr ‘Glanz, Ruhm, Ehre’. Es handelt sich um Bildungen mit ro-Suffix (ie. *dēiro- bzw. *dīro-) zur Wurzel ie. *dei-, *dei̯ə- ‘hell glänzen, schimmern, scheinen’, wozu sich auch ahd. zeiʒ ‘fein, zart, zierlich’ (9. Jh.), asächs. tēt- ‘froh’ (in Personennamen), anord. teitr ‘froh, lustig’ und toch. A tiri ‘Art und Weise’, aind. dī́dēti ‘strahlt, leuchtet, glänzt’, dyáuḥ ‘Himmel, Tag’ (auch ‘Gottheit’), griech. déato (δέατο) ‘schien’, dḗlos (δῆλος, aus *δέαλος) ‘offenbar, deutlich’ stellen (s. noch ↗Lenz und ↗Zeidler). Zierde f. ‘Verzierung, Zierat, Ausschmückung, Verschönerung, Schmuck’, ahd. zierida (8. Jh.), mhd. zierde ‘Schmuck, Schönheit, Pracht, Herrlichkeit’, Abstraktbildung zum Adjektiv. zieren Vb. ‘verschönern, (aus)schmücken’, ahd. (um 800), mhd. zieren ‘putzen, schmücken, zieren, verherrlichen, rühmen, zur Zierde gereichen’; reflexiv ‘sich verhalten, sich benehmen’ (16. Jh.), ‘sich gegen etw., was man tun möchte, sträuben, sich lange bitten lassen, sich unnatürlich, gekünstelt geben’ (Anfang 18. Jh.); geziert Part.adj. ‘unnatürlich, gespreizt, gekünstelt’ (1. Hälfte 18. Jh.). verzieren Vb. ‘mit Zierat versehen, (aus)schmücken’ (15. Jh.); Verzierung f. (16. Jh.). zierlich Adj. ‘von feiner Gestalt und Form, anmutig, graziös’, mhd. zierlich ‘strahlend, prächtig, herrlich, schön’; vgl. asächs. tīrlīko Adv. ‘in ehrenvoller, schöner Weise’. Zierat m. ‘schmückendes Beiwerk, Verzierung, Zierde, Schmuck’, mhd. zierōt m., gebildet mit dem unter ↗Armut, ↗Einöde, ↗Kleinod (s. d.) angegebenen Suffix zum Adjektiv ahd. zieri, mhd. zier(e) (s. oben), im Genus bis ins 19. Jh. schwankend zwischen Mask. und Fem. Zuweilen fälschlich als Zusammensetzung mit Rat aufgefaßt, daher auch Zierrat geschrieben (16. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Ausschmückung · ↗Dekoration · ↗Schmuck · ↗Verzierung · schmückendes Beiwerk  ●  Deko  ugs. · Zier  geh. · ↗Zierde  geh. · Zierrat  geh.
Unterbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Fassade barock unnötig überflüssig üppig

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Zierrat‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Man rezensiert Bücher, nicht aber den Zierrat, den Verlage gern um Bücher schwieriger Autoren ranken, um sie interessanter zu machen.
Die Welt, 22.05.2004
Jedes Stück ist von Hand geschneidert, bestickt, mit reichlich Zierrat versehen.
Süddeutsche Zeitung, 11.12.2003
Die auffällige Radioabdeckung ist nicht der einzige Zierrat des Wagens.
Die Zeit, 09.09.2002, Nr. 36
Dieses vorgesetzte Werk ist nicht so sehr Zierrat, es versinnbildlicht einen struktiven Gedanken.
Gudenrath, Eduard: Geist und Gestalt in der Baukunst, Berlin: Oestergaard 1929, S. 120
Lasse dich nicht überreden, das dauerhafte Leinen, das gute, selbstgewebte Tuch, den Schmuck und Zierrat deiner Tracht, einzutauschen gegen den leichten Flitterkram eines städtischen Anzuges.
Bartz-Friedenau, Marie Luise: Willst genau du wissen, was sich schickt? In: Zillig, Werner (Hg.) Gutes Benehmen, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1912], S. 22490
Zitationshilfe
„Zierrat“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Zierrat>, abgerufen am 23.10.2019.

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