Zinnober, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Zinnobers · wird nur im Singular verwendet
Aussprache
WorttrennungZinn-ober (computergeneriert)
HerkunftGriechisch → Französisch
Wortbildung mit ›Zinnober‹ als Erstglied: ↗zinnoberrot
eWDG, 1977

Bedeutungen

1.
ziegelrotes bis blauschwarzes Mineral, das das wichtigste Erz für die Gewinnung von Quecksilber ist
2.
salopp, abwertend wertloser Kram
Beispiel:
was willst du mit dem ganzen Zinnober?
Umstände, Aufheben
Beispiel:
mach nicht solchen Zinnober!
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Zinnober · zinnoberrot
Zinnober m. leuchtend rotes bis stahlgraues, diamantglänzendes Mineral, das wichtigstes Erz für die Gewinnung von Quecksilber ist und seit der Antike als (gelb)roter Farbstoff dient, ‘Quecksilbersulfid’, mhd. zinober (Anfang 13. Jh.), entlehnt aus gleichbed. afrz. cenobre (mfrz. frz. cinabre m.). Die afrz. Bezeichnung folgt lat. cinnabaris f. (spätlat. auch cinnabari n.) ‘mineralischer roter Farbstoff, Bergzinnober’, ursprünglich aus dem Harz bestimmter ostindischer Bäume gewonnene rote Farbe, ‘Drachenblut’, einer Übernahme von gleichbed. griech. kinnábari n., kinnábaris m. (κιννάβαρι, κιννάβαρις), das ungeklärter, wohl oriental. Herkunft ist. Seit Beginn des 20. Jhs., besonders in der Soldatensprache seit dem ersten Weltkrieg steht Zinnober übertragen für ‘wertloser Kram’ und ‘unsinniger Aufwand, überflüssige Umstände’, doch ist das Motiv für diesen Gebrauch nicht erkennbar. Handelt es sich um spielerische Weiterbildung von in ähnlichem Sinne verwendetem ↗Zimt (s. d.)? Oder klingen Erfahrungen der Alchimisten an, die bei Verbindung von Quecksilber mit Schwefel nicht das erwartete Gold, sondern nur Zinnober erhielten? Auch an die frühere Gewohnheit, Ausschmückungen und Hervorhebungen in Handschriften und Drucken mit Zinnoberrot vorzunehmen, ließe sich denken. zinnoberrot Adj. ‘gelblichrot’, mhd. zinoberrōt.

Thesaurus

Synonymgruppe
Gerümpel · ↗Klüngel · ↗Kram  ●  ↗(wertloses) Zeug  Hauptform · ↗Klumpert  österr. · ↗Firlefanz  ugs. · ↗Gedöns  ugs., norddeutsch · ↗Gelumpe  ugs. · ↗Geraffel  ugs. · Gesumsel  ugs. · Glump  ugs., mitteldeutsch, süddt., bair. · ↗Glumpert  ugs., bair., österr. · Graffel  ugs., österr., bair. · Grusch  ugs. · ↗Kladderadatsch  ugs. · ↗Klimbim  ugs. · Kramuri  ugs., österr. · ↗Krempel  ugs., Hauptform · ↗Krimskrams  ugs. · Krusch(t)  ugs. · ↗Müll  derb · ↗Nippes  ugs. · ↗Plunder  ugs. · Plörren  ugs., ruhrdt. · ↗Ramsch  ugs. · ↗Schnickschnack  ugs. · ↗Schrott  derb, abwertend · ↗Tand  geh., veraltet · ↗Tinnef  ugs. · ↗Trödel  ugs. · ↗Zeugs  ugs., abwertend · Zinnober  ugs.
Oberbegriffe
  • nicht lebendes Objekt · unbelebtes Objekt
Assoziationen
Synonymgruppe
Cinnabarit · Zinnober
Oberbegriffe

Typische Verbindungen
computergeneriert

Malachit veranstalten

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Zinnober‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Und trotzdem war der Zinnober eine Stunde später schon vergessen.
Die Welt, 04.04.2005
Daß sie jetzt so einen Zinnober um ihn veranstalten, ist genau verkehrt.
Süddeutsche Zeitung, 04.07.1997
Doch eine konkrete Drohung mit Gewalt fehlte ebenso wie der übliche religiöse Zinnober.
Die Zeit, 22.11.2007, Nr. 47
Denn bei Zinnober gab es erst einmal was zu lachen ", resümiert Uta Schulz.
Der Tagesspiegel, 26.01.1999
Man fand neben der stolzen Maid eine Mischung von Weinpalmenfrucht und gemahlenem Zinnober in der Schale eines winzig kleinen Kürbis.
Volkland, Alfred: Überall gern gesehen. In: Zillig, Werner (Hg.) Gutes Benehmen, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1941], S. 22760
Zitationshilfe
„Zinnober“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Zinnober>, abgerufen am 19.06.2019.

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