Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Zivil, das

Grammatik Substantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Zivils · wird nur im Singular verwendet
Worttrennung Zi-vil
Grundformzivil
Wortbildung  mit ›Zivil‹ als Letztglied: Räuberzivil
Herkunft zivil

Bedeutungsübersicht+

  1. 1. Zivilkleidung
  2. 2. ⟨für Zivil⟩ für Zivilpersonen
  3. 3. ⟨in Zivil⟩ im Zivilleben, Zivilberuf
eWDG

Bedeutungen

1.
Zivilkleidung
Beispiele:
Zivil tragen, anziehen
gehoben Zivil anlegen
der Offizier ging in Zivil aus, war in Zivil
immer kamen und gingen Beamte in Zivil, in Uniform [ FalladaWolf1,224]
2.
für Zivilfür Zivilpersonen
Beispiel:
Gerade fuhr ein Zug, besetzt mit … Soldaten ein. Kein Platz für Zivil [ DurieuxTür280]
3.
in Zivilim Zivilleben, Zivilberuf
Beispiel:
in Zivil war er Kaufmann
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

zivil · Zivil · Zivilist1 · Zivilist2 · zivilisieren · zivilisiert · Zivilisation · zivilisatorisch
zivil Adj. ‘nach den gesellschaftlichen Normen handelnd und auftretend, gesittet, zivilisiert’ (17. Jh.), in der Kaufmannssprache ‘angemessen, annehmbar, nicht überhöht’, vgl. einen civilen Preiß (2. Hälfte 17. Jh.), entlehnt aus lat. cīvīlis ‘den Bürger betreffend, bürgerlich, voll Bürgersinn, gemeinnützig, leutselig, populär, höflich, den Staats-, Zivildienst betreffend, öffentlich’; zu lat. cīvis ‘Bürger, Mitbürger’, ursprünglich ‘Haus-, Gemeindegenosse’. Früher bezeugt ist civilisch (16. Jh.) ‘den Staatsbürger, das öffentlich-politische Gemeinwesen, die Rechtsfähigkeit des Bürgers betreffend, privatrechtlich’ und (17. Jh.) ‘außerhalb des Militärs stehend’; in der Komposition gilt dafür (reich bezeugt) Civil-, vgl. (für den bürgerlich-privatrechtlichen Bereich) Civilsache (16. Jh.), -strafe (17. Jh.), -recht, -prozeß (18. Jh.) und (für den nichtmilitärischen Bereich) Civilgebäu (17. Jh.), -stand (18. Jh.), -behörde, -bevölkerung (19. Jh.). Erst spät tritt in diesen Verwendungen zivil als freies Adjektiv auf, und zwar zuerst für ‘nichtmilitärisch’ (Mitte 19. Jh.), dann für ‘bürgerlich-privatrechtlich’ (um 1900). – Zivil n. ‘nicht zum Militär gehörender Teil der Bevölkerung, nichtmilitärischer Lebensbereich’ (vgl. Civil oder Militair, Anfang 18. Jh.), ‘nichtmilitärische Kleidung’ im Unterschied zur Uniform (2. Hälfte 19. Jh., besonders in Civil); vgl. Räuberzivil ‘Kleidung, an der man den Offizier bzw. den gesellschaftlichen Stand nicht erkennt’ (2. Hälfte 19. Jh.), jünger ‘bequeme, unangemessene, auch abgerissene Kleidung’. Zivilist1 m. ‘Kenner, Lehrer, Student des bürgerlichen Rechts, des Zivilrechts’, entlehnt (Ende 17. Jh.) aus gleichbed. mlat. civilista. Zivilist2 m. ‘wer nicht den Streitkräften angehört, wer keine Uniform trägt’ (Ende 18. Jh.), abgeleitet von zivil (s. oben). zivilisieren Vb. ‘urgesellschaftliche Zustände überwinden, technischen Fortschritt, moderne Lebensformen einführen’ (Anfang 18. Jh.), ‘mit technischen Hilfsmitteln urbar machen, kultivieren’ (1. Hälfte 20. Jh.), rückgebildet (wohl in Anlehnung an gleichbed. mfrz. frz. civiliser) aus zivilisiert Part.adj. ‘Zivilisation besitzend, fortgeschritten, entwickelt, gesittet, gebildet’ (2. Hälfte 17. Jh., entsprechend unzivilisiert), aus gleichbed. mfrz. frz. civilisé. Zivilisation f. ‘mit der Auflösung der Urgesellschaft beginnender Zeitabschnitt, auf technischem und wissenschaftlichem Fortschritt beruhende Lebensweise, durch Erziehung und Bildung geprägte Lebensart’ (2. Hälfte 18. Jh.), nach frz. civilisation, engl. civilization. zivilisatorisch Adj. ‘die Zivilisation betreffend, sie fördernd, auf ihr beruhend’ (1. Hälfte 19. Jh.).

Typische Verbindungen zu ›Zivil‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Zivil‹.

Verwendungsbeispiele für ›Zivil‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Er hat sich in unserer Zeit auch für den Herrn durchgesetzt, allerdings nur für den in Zivil. [Dänhardt, Reimar: Fein oder nicht fein, Berlin: Deutscher Militärverl. 1972 [1968], S. 75]
Kurz darauf kam ein Mann in Zivil mit einem roten Fez auf dem Kopf. [Hilsenrath, Edgar: Das Märchen vom letzten Gedanken, München: Piper 1989, S. 65]
Manche tragen Zivil; die Uniform von damals säße mittlerweile allzu stramm. [Die Zeit, 21.06.1996, Nr. 26]
Dann erscheint der Mann in Zivil wieder und sagt ihnen, uns durchzulassen. [Der Spiegel, 15.09.1986]
Einige Männer standen darin in Zivil, andere in Uniformen ohne Abzeichen. [Renn, Ludwig [d. i. Vieth v. Golßenau, Arnold Friedrich]: Krieg – Nachkrieg, Berlin: Aufbau-Verl. 1951 [1930], S. 607]
Zitationshilfe
„Zivil“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Zivil>.

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