Zorn, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Zorn(e)s · wird nur im Singular verwendet
Aussprache
Wortbildung mit ›Zorn‹ als Erstglied: ↗Zornader · ↗Zornausbruch · ↗Zornesader · ↗Zornesausbruch · ↗Zornesfalte · ↗Zornesröte · ↗Zornfalte · ↗Zornröte · ↗zornbebend · ↗zornerfüllt · ↗zornfunkelnd · ↗zorngeschwellt · ↗zornglühend · ↗zornmütig · ↗zornrot
 ·  mit ›Zorn‹ als Letztglied: ↗Volkszorn  ·  mit ›Zorn‹ als Grundform: ↗zornig
eWDG, 1977

Bedeutung

heftiger, leidenschaftlicher Unwille, heftig aufwallender Ärger
Beispiele:
heller, flammender, rasender, leidenschaftlicher, heißer, blinder, ehrlicher, gerechter, ohnmächtiger Zorn
gehoben heiliger Zorn
da packte ihn der Zorn
ein unmenschlicher Zorn überwältigte, übermannte ihn
sein Zorn ist immer schnell verflogen, verraucht, verpufft
jmds. Zorn entfesseln, reizen
er musste seinem Zorn Luft machen
sie sind im Zorn auseinandergegangen, haben sich im Zorn getrennt
er gerät leicht in Zorn
sie hatte sich in maßlosen Zorn hineingeredet, gesteigert
das trieb ihn immer wieder in sinnlosen Zorn
er war rot, blass vor Zorn
er erbleichte vor Zorn
umgangssprachlich er rauchte vor Zorn
Mit diesem Zorn, der jetzt in ihr brannte, würde sie es ihm sagen [UhseBertram111]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Zorn · zornig · zürnen · erzürnen
Zorn m. ‘Wut, Entrüstung, Unwille’, ahd. zorn n. ‘Erbitterung, Wut, Entrüstung’ (9. Jh.), mhd. zorn m. ‘plötzlich entstandener Unwille, Heftigkeit, Wut, Zank, Streit’, asächs. torn n., mnd. torn, tarn, mnl. torn, toren, toorn, nl. toorn, aengl. torn n. ‘Grimm, Kummer, Leid, Elend’. Das in älterer Sprache neutrale Substantiv westgerm. *turna- n. ist vielleicht eine Substantivierung des in mhd. zorn(e) ‘zornig, erzürnt’, asächs. torn ‘bitter, leidvoll’, aengl. torn ‘bitter, grausam, schrecklich, schmerzlich’ erhaltenen Adjektivs, das als alte Partizipialbildung mit dem Suffix ie. -no- / -nā- aufgefaßt werden kann. Verwandtschaft besteht mit den unter ↗trennen, ↗zehren, ↗zerren (s. d.) genannten Formen, die an die Wurzel ie. *der(ə)-, *drē- ‘schinden, (ab)spalten’ anzuschließen sind. Als Ausgangsbedeutung ist für das Adjektiv ‘zerrissen, gespalten’, für das Substantiv ‘Zwist, Streit’ anzunehmen, woraus ‘wütende Gemütserregung’. zornig Adj. ‘wütend, grimmig’, ahd. zornag (9. Jh.), mhd. zornec, zornic ‘zürnend, erzürnt, heftig, grimmig’. zürnen Vb. ‘zornig sein’, ahd. zurnen (um 800), zornōn (um 1000), mhd. zürnen (md. zurnen, zornen). erzürnen Vb. ‘zornig machen, werden’, ahd. irzurnen (Hs. 12. Jh.), mhd. erzürnen, -zornen ‘in Zorn versetzen, in Zorn geraten’.

Thesaurus

Synonymgruppe
Aufgebrachtheit · Aufgebrachtsein · ↗Aufgeregtheit · ↗Aufregung · ↗Echauffiertheit · Echauffierung · ↗Empörtheit · ↗Entrüstung · ↗Erbostheit · ↗Feindseligkeit · ↗Furor · ↗Gereiztheit · ↗Indignation · ↗Jähzorn · ↗Rage · ↗Raserei · ↗Stinkwut · ↗Verärgerung · ↗Wut · Wut im Bauch · ↗Wüterei · Zorn · heiliger Zorn · ↗Ärger  ●  ↗Empörung  Hauptform · ↗Ingrimm  veraltend · ↗Gefrett  ugs., österr., süddt. · Gfrett  ugs., österr., süddt. · ↗Scheißwut  derb · böses Blut  ugs.
Oberbegriffe
Assoziationen
  • (die) Gemüter erregen · (ein) Aufreger sein · (einen) Sturm der Entrüstung auslösen · Kreise ziehen · Wirbel machen · die Wellen der Empörung schlagen hoch · für Aufregung sorgen · hohe Wellen schlagen  ●  Wind machen  fig. · (die) Gemüter erhitzen  ugs. · (die) Nerven liegen blank  ugs. · (jemandes) Blut in Wallung bringen  ugs. · einschlagen wie eine Bombe  ugs.
  • Aufruhr · ↗Volkszorn · allgemeine Empörung
  • (einen) Hass haben auf · ↗aggressiv · ↗aufgebracht · empört · erbost · in Rage · ↗wütend · ↗zornig  ●  (jemandem) gram sein  veraltet · ↗böse  Kindersprache · angepisst  derb · einen Hals haben  ugs. · eingeschnappt  ugs. · erzürnt  geh. · ↗fuchtig  ugs. · ↗geladen  ugs. · in Brast  ugs., regional · in heiligem Zorn  ugs. · ↗indigniert  geh. · ↗pissig  derb · sickig  ugs. · so eine Krawatte haben (+ Geste)  ugs. · so einen Hals haben (+ Geste)  ugs. · ↗stinkig  ugs.
  • also hören Sie mal!  ugs. · entschuldige mal!  ugs. · entschuldigen Sie mal!  ugs. · ich bitte Sie!  ugs. · ich bitte dich!  ugs. · ich darf doch sehr bitten!  ugs. · ich muss doch sehr bitten!  ugs. · sagen Sie mal!  ugs.
  • (die) Wut kriegen · (die) kalte Wut kriegen · (jemanden) packt die Wut · in Rage geraten · in Rage kommen · in Wut geraten · mit der Faust auf den Tisch hauen · mit der Faust auf den Tisch schlagen · sehr aufgebracht sein · sehr erbost sein · sehr erregt sein · sehr wütend sein · sehr zornig sein · wütend werden  ●  (das) kalte Kotzen kriegen  derb · (gleich) Amok laufen (Übertreibung)  ugs. · (jemandem) geht das Messer in der Tasche auf  ugs., fig. · (jemandem) platzt (gleich) der Kragen  ugs. · (jemanden) packt der helle Zorn  geh. · an die Decke gehen  ugs. · auf 180 sein  ugs. · auf hundertachtzig sein  ugs. · böse werden  ugs., Kindersprache · die Platze kriegen  ugs. · hochgehen wie ein HB-Männchen  ugs., veraltet · hochgehen wie eine Rakete  ugs. · in die Luft fliegen  ugs. · in die Luft gehen  ugs. · kurz vorm Explodieren sein  ugs. · kurz vorm Überkochen sein  ugs. · rasend werden  ugs. · ↗rotsehen  ugs. · ↗zürnen  geh., veraltet
  • Sturm der Entrüstung · Welle der Empörung · öffentliche Empörung
  • Randalationsversuch · Randaleversuch · Randalierversuch
  • Gemütsschwankung(en) · ↗Laune · ↗Stimmung · vorübergehende Gemütsverfassung  ●  ↗Stimmungsschwankung  Hauptform · (ein) Anfall (von)  ugs. · ↗Anwandlung(en)  geh. · ↗Aufwallung  geh. · ↗Kaprice  geh. · ↗Kaprize  geh.
  • Wutanfall · ↗Wutausbruch  ●  ↗Ausraster  ugs. · aggressive Aufwallung  geh.
  • (künstliche) Aufgeregtheit · (ständige) Alarmstimmung · ↗Alarmismus · permanente Alarmbereitschaft

Typische Verbindungen
computergeneriert

Eifer Empörung Enttäuschung Frucht Gerechter Haß Neid Scham Trauer Verachtung Verzweiflung Wut aufgestaut beben berechtigt besänftigen entladen entzünden erregen geballt gerecht göttlich heilig ohnmächtig richten verrauchen verständlich zurückblicken zuziehen zügeln

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Zorn‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Doch anders als der Terrorist lenkt er seinen Zorn nach innen.
Die Zeit, 18.08.2005, Nr. 34
Unsereins hat ja nun viel getan für ein langes Leben, da wirkt nächtlicher Zorn gewiss kontraproduktiv.
Der Tagesspiegel, 23.02.2002
Ist nicht ihr Leiden größer als der Zorn der Männer?
Schuhmann, Otto: Meyers Opernbuch, Leipzig: Bibliograph. Inst. 1938 [1935], S. 191
Er zerriß sie in Stücke, denn er war voll Zorn.
Salten, Felix: Bambi, Frankfurt a. M.: Fischer 1956 [1923], S. 148
Als man das ohnmächtige Weib hinaustrug, war sein Zorn Herr geworden.
Kolbenheyer, Erwin Guido: Das Gestirn des Paracelsus, München: J.F. Lehmanns 1964 [1921], S. 913
Zitationshilfe
„Zorn“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Zorn>, abgerufen am 22.03.2019.

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