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Zuchthaus, das

GrammatikSubstantiv (Neutrum)
Aussprache
WorttrennungZucht-haus (computergeneriert)
WortzerlegungZuchtHaus
Wortbildung mit ›Zuchthaus‹ als Erstglied: ↗Zuchthausmauer · ↗Zuchthausstrafe · ↗Zuchthäusler · ↗zuchthausreif
eWDG, 1977

Bedeutung

veraltend
1.
Strafanstalt für Häftlinge mit strafverschärfendem Arrest
Beispiel:
er kommt aus dem, sitzt schon zehn Jahre im Zuchthaus
2.
nur im Singular
Zuchthausstrafe
Beispiele:
Mord kann mit lebenslänglich Zuchthaus bestraft werden
auf bewaffnetem Raub steht Zuchthaus
eine Verurteilung zu Zuchthaus
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Zucht · züchten · Züchter · züchtig · Gezücht · züchtigen · Unzucht · unzüchtig · Zuchthaus · Zuchtwahl
Zucht f. ‘das Aufziehen, Züchten (von Tieren und Pflanzen) und dessen Ergebnis, (strenge) Erziehung, Gehorsamkeit, Disziplin’, ahd. zuht ‘Unterhalt, Nahrung, Erziehung, Belehrung, Sprößling, Geschlecht’ (8. Jh.), mhd. zuht ‘das Ziehen, Zug, Richtung, Weg, Erziehung, Bildung, Strafe, feine Sitte und Lebensart, Ernährung, Unterhalt, Abstammung, das Aufgezogene’, asächs. tuht, mnd. tucht ‘Zug, Ziehen, Aufschub, Verzug, Frist, Erziehung, Bildung, das Aufgezogene’ (besonders vom Vieh), mnl. tocht, tucht ‘das Ziehen, Erziehung, Nutznießung, Höflichkeit’, nl. tocht, aengl. tyht ‘Lauf, Bewegung, Unterweisung’, anord. (wohl aus dem Mnd.) tykt ‘Zucht, Strafe’ sowie got. ustaúhts ‘Vollendung, Erfüllung’ sind ablautende Abstrakta mit ti-Suffix (germ. *tuhti-) zu dem unter ↗ziehen (s. d.) behandelten Verb. Sie bezeichnen zunächst ‘das Ziehen’ als Beihilfe bei der Geburt von Haustieren, danach die Ernährung und Pflege der Jungtiere sowie das Aufziehen von Pflanzen und (jungen) Menschen und (im menschlichen Bereich) Erziehung und Bildung. Mhd. zuht gehört im Sinne von ‘feine Sitte und höfische Lebensart’ zu den Kernbegriffen der mittelalterlich-höfischen Ethik. züchten Vb. ‘planmäßig und auswählend Pflanzen oder Tiere heranziehen’, ahd. zuhten (8. Jh.), mhd. zühten ‘nähren, aufziehen’. Züchter m. ‘wer planmäßig, auswählend, veredelnd Tiere und Pflanzen heranzieht’ (wohl erst 19. Jh.), zuvor frühnhd. ‘Lehrer, Erzieher’; vgl. ahd. zuhtāri ‘Ernährer, Erzieher’ (9. Jh.; zuhtāra f. ‘Ernährerin’, auch ‘Nachkommenschaft’, 8. Jh.), mhd. zühter ‘Vogeljunges’, auch ‘wer junge Tiere aufzieht’. züchtig Adj. ‘brav, anständig’, ahd. zuhtīg ‘geschult, maßvoll, zur Zucht fähig’ (10. Jh.), mhd. zühtec, zühtic ‘züchtigend, wohlgezogen, artig, höflich, gedeihlich, fruchtbringend’. Gezücht n. ‘Heran-, Aufgezogenes’, oft geringschätzig ‘Brut, Gesindel, Geschmeiß’, mhd. gezüchte; Kollektivum zu Zucht. Vgl. Otterngezüchte (Luther, Mt. 3,7). züchtigen Vb. ‘(körperlich) strafen’, mhd. zühtegen, zühtigen ‘durch Zucht erziehen, strafen, sich ziehen, bilden’; vgl. ahd. afterzuhtīg ‘(nach dem Werfen der Lämmer) säugend’ und (zweifelhaft) afterzuhtīgen ‘(nach dem Werfen der Lämmer) säugen’. Unzucht f. ‘unsittliche Handlung’, ahd. unzuht (10. Jh.), mhd. unzuht ‘Ungehörigkeit, Ungesittetheit, Roheit, Gewalttätigkeit, Unsittlichkeit’. unzüchtig Adj. ‘unsittlich’, ahd. unzuhtīg (10. Jh.), mhd. unzühtec, unzühtic ‘zuchtlos, unsittlich’. Zuchthaus n. ‘Strafanstalt’ (17. Jh.), ‘Wohngemeinschaft, Internat, Erziehungs-, Besserungsanstalt’ (16. Jh.). Zuchtwahl f. s. ↗Selektion.

Thesaurus

Synonymgruppe
Gefängnis · ↗Haftanstalt · Hafthaus · JVA · ↗Justizvollzugsanstalt · ↗Strafanstalt · ↗Strafvollzugsanstalt · ↗Vollzugsanstalt · Zuchthaus  ●  Häfen  österr. · ↗Kerker  veraltet · ↗Bau  ugs. · ↗Bunker  ugs. · Haftort  fachspr. · ↗Kahn  ugs. · ↗Kiste  ugs. · ↗Kittchen  ugs. · ↗Knast  ugs. · ↗Loch  derb · schwedische Gardinen  ugs., sprichwörtlich
Oberbegriffe
Unterbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Aberkennung Anrechnung Arbeitshaus Arbeitslager Ballade Ehrverlust Festungshaft Gefängnis Hochverrat Konzentrationslager Landesverrat Schwerverbrecher Sicherheitsverwahrung Sicherungsverwahrung Strafbataillon Straflager Sträfling Todeszelle Zwangsarbeit begnadigen berüchtigt bestrafen einsitzen enthaupten hinrichten inhaftieren lebenslang lebenslänglich schmachten verurteilen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Zuchthaus‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Von 1938 an war "einfaches Ansehen" in sexueller Absicht mit zehn Jahren Zuchthaus bedroht.
Die Welt, 10.12.2002
Zwanzig Jahre vorher wäre einer noch, der sie gezeigt hätte, ins Zuchthaus gegangen.
Loest, Erich: Völkerschlachtdenkmal, München: Dt. Taschenbuch-Verl. 1987 [1984], S. 29
Statt des Geldes aber muß er nun mit 14 Jahren Zuchthaus rechnen.
Die Zeit, 06.03.1970, Nr. 10
In besonders schweren Fällen ist auf lebenslanges Zuchthaus zu erkennen.
Zimmermann, Theo: Der praktische Rechtsberater, Gütersloh: Bertelsmann [1968] [1957], S. 466
Er bemühte sich, ihm die Tage im Zuchthaus leicht zu machen.
Feuchtwanger, Lion: Erfolg. In: ders., Gesammelte Werke in Einzelbänden, Bd. 6, Berlin: Aufbau-Verl. 1993 [1930], S. 324
Zitationshilfe
„Zuchthaus“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Zuchthaus>, abgerufen am 21.02.2019.

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