Zuhälter, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Zuhälters · Nominativ Plural: Zuhälter
Aussprache  [ˈʦuːhɛltɐ]
Worttrennung Zu-häl-ter
Wortbildung  mit ›Zuhälter‹ als Erstglied: Zuhälterei · Zuhälterin · zuhälterisch
eWDG und ZDL

Bedeutung

Person, die andere Personen von sich abhängig macht, sie zur Prostitution zwingt, diese Personen sexuell und finanziell ausbeutet und sie (eigennützig) vor Gewaltakten Dritter beschützt
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: ein brutaler, gewalttätiger, skrupelloser Zuhälter
als Akkusativobjekt: einen Zuhälter festnehmen, verprügeln, erschießen
in Präpositionalgruppe/-objekt: ein Prozess, Verfahren gegen Zuhälter; gegen einen Zuhälter aussagen; von einem Zuhälter zu etw. gezwungen werden; jmdn. an einen Zuhälter verkaufen
in Koordination: Zuhälter und Prostituierte, Bordellbesitzer, Menschenhändler, Freier
als Genitivattribut: in die Fänge, Hände eines Zuhälters geraten
als Prädikativ: sich als Zuhälter betätigen
Beispiele:
ein mehrfach vorbestrafter ZuhälterWDG
O[…] lässt noch andere Obdachlose zu Wort kommen, eine Rumänin, die auf der Suche nach Arbeit bei einem Zuhälter gelandet ist. [Süddeutsche Zeitung, 12.12.2020]
Weil er eine Prostituierte über einen längeren Zeitraum ausgebeutet und schwer misshandelt hat, ist ein Zuhälter vom Amtsgericht Frankfurt zu drei Jahren und drei Monaten Haft verurteilt worden. [Frankfurter Rundschau, 10.05.2019]
Früher oder später landen die meisten Stricher in den Händen von Zuhältern, die aus dem Leid der wehrlosen Kinder ein Geschäft machen. [Der Spiegel, 29.02.2012 (online)]
Die junge Französin Giselle, mit falschen Versprechungen ins ferne Argentinien gelockt, erfährt rasch das bittere Los von Einwanderern Anfang des 20. Jahrhunderts: Sie wird vom Zuhälter Gaudencio zur Prostitution gezwungen. [Berliner Morgenpost, 13.07.2007]
Die Frauen, die über Schlepperbanden nach Berlin kommen, sind von den Zuhältern abhängig und haben Angst – vor den Zuhältern, der Polizei und der Abschiebung. [Berliner Zeitung, 12.04.1997]
Zuhälter sind keine schöne Sache, und man steckt in gesitteten Ländern Männer, die aus der Preisgabe von Mädchen und Frauen ihren Lebensunterhalt bestreiten, hinter Gitter. [Berliner Zeitung, 17.12.1949]

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Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

halten · Halt · Halter · Haltung · abhalten · Anhalt · anhalten · Anhalter · aushalten · behalten · Behälter · Behältnis · einhalten · Einhalt · enthalten · erhalten · unterhalten · Unterhalt · Zuhälter · zuhalten · Unterhaltung
halten Vb. ‘festhalten, bewahren’, ahd. haltan ‘festhalten, befolgen, (be)hüten’ (8. Jh.), mhd. halten, halden ‘hüten, weiden, bewahren, verehren, festhalten, gefangenhalten, meinen, sich benehmen, an einem Punkt anhalten, stillhalten’, asächs. haldan ‘halten, hüten, feiern’, mnd. hōlden ‘hüten, bewachen, schützen, weiden, einhalten, veranstalten, festhalten, stillhalten, sich verhalten’, mnl. nl. houden, aengl. haldan, healdan, engl. to hold, anord. halda, schwed. hålla, got. haldan ‘hüten, weiden’. Sieht man den Dental des ehemals reduplizierenden germ. Verbs als präsensbildendes Formans an und geht von einer Grundbedeutung ‘(Vieh) hüten’ aus, dann läßt sich eine Verbindung zu griech. kéllein (κέλλειν) ‘antreiben, bewegen, anfahren, landen’, lat. celer ‘schnell, rasch’, aind. kaláyati ‘treibt (Vieh), hält, trägt, macht’ und Anschluß an die Wurzel ie. *kel- ‘treiben, zu schneller Bewegung antreiben’ herstellen, die möglicherweise mit *kel(ə)- ‘rufen, schreien, lärmen, klingen’ (s. hell) identisch ist (vgl. Pokorny 1, 548; anders Seebold 249, der auf Grund der Bedeutung ‘hüten, weiden’ das germ. Verb auf die Wurzel ie. *ku̯el(ə)- ‘drehen, sich um etw. herumbewegen’ zurückführen möchte, s. Hals). Aus der Grundbedeutung ‘hüten’ entwickelt sich einerseits ‘achthaben, beobachten, bewahren’, andrerseits ‘festhalten’ sowie ‘an-, stillhalten, in einem Zustand verharren’, schließlich (vielleicht unter dem Einfluß von haben) ‘für etw. ansehen, glauben, meinen’. Halt m. ‘Stütze, das (Inne)halten’, mhd. halt ‘Bestand, Ort, Aufenthalt’. Halter m. ‘Haltevorrichtung’ (vgl. Federhalter), ‘wer etw. hält’ (vgl. Statthalter), ahd. haltāri ‘Erretter, Erlöser’ (um 1000; vgl. bihaltāri ‘Wächter’, 8. Jh.), mhd. haltære, halter ‘Hirt, Bewahrer, Erlöser’. Haltung f. ‘Körperhaltung, Pose, innere Einstellung, Beherrschtheit’, spätmhd. haltunge, auch ‘Gewahrsam, Verwahrung, Inhalt’. abhalten Vb. ‘fernhalten, hindern, durchführen’ (15. Jh.). Anhalt m. ‘Anhaltspunkt, Ursache’, mhd. anhalt; anhalten Vb. ‘festhalten, stehenbleiben, stoppen, andauern, zu etw. bewegen, um etw. bitten’ (1. Hälfte 15. Jh.); Anhalter m. ‘wer fremde Autos anhält, um sich mitnehmen zu lassen’, geläufig in der Wendung per Anhalter fahren (Mitte 20. Jh.); zuvor im Sinne von ‘Förderer, (An)treiber’ (16. Jh.). aushalten Vb. ‘bis zum Ende durchstehen, ertragen, Unterhalt gewähren’, mhd. ūʒhalten ‘instand halten, verpflegen’. behalten Vb. ‘nicht weggeben, bewahren’, ahd. bihaltan ‘beachten. bewahren, schützen’ (8. Jh.), mhd. behalten, -halden ‘für sich behalten, bewahren, Erfolg haben, beherbergen, einhalten, (vor Gericht) durch Zeugen erhärten’; Behälter m. ‘Gefäß’, frühnhd. auch ‘Gefängnis’ (15. Jh.); vgl. mhd. behaltære, behalter ‘Beobachter, Bewahrer, Erlöser’, ahd. bihaltāri ‘Wächter’ (8. Jh.); Behältnis n. ‘Behälter, Gefäß’ (15. Jh.), mhd. behaltnisse ‘das Halten, Erhaltung, Vorbehalt, Gewahrsam, Gedächtnis’, ahd. bihaltnessi ‘das Zurückhalten’ (9. Jh.). einhalten Vb. ‘aufhören, aufhalten, beachten’ (15. Jh.); Einhalt m. ‘Einschränkung, Eindämmung’ (Mitte 15. Jh.), dann besonders in der Verbindung Einhalt gebieten, tun (16. Jh.); frühnhd. auch für Inhalt. enthalten Vb. ‘(sich) fernhalten, zurückhalten, enthaltsam sein, zum Inhalt haben’, mhd. enthalten ‘stillhalten, zurückhalten’; dazu enthaltsam ‘mäßig, abstinent’ und Enthaltsamkeit (beide 18. Jh.). erhalten Vb. ‘empfangen, bekommen, bewahren’ (16. Jh.). unterhalten Vb. ‘etw. sichern, bewahren, sich erfreuen, ein Gespräch führen’ (17. Jh.); Unterhalt m. (17. Jh.); Zuhälter m. ‘wer von den Einkünften einer Prostituierten lebt’ (Mitte 19. Jh.), wohl in der Sprache der Polizei gebildet nach älterem Zuhalter ‘wer zu einem hält, Anhänger’ (15. Jh.), mnd. toholder, tohelder, zu zuhalten Vb. im Sinne von ‘zu einer Person halten, ihr beistehen’, auch mit einem zuhalten ‘es mit einem halten, ein außereheliches Verhältnis haben’ (15. Jh.). Unterhaltung f. (18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Schutzengel  ●  Beschützer  verhüllend · Frauenwirt  veraltet · Kuppler  veraltet · Loddel  abwertend · Maquereau  franz. · Pimp  engl. · Zuhälter  Hauptform · (einer der) (seine) Pferdchen am Laufen hat  ugs. · Louis  ugs. · Lude  ugs. · Peitscherlbua  ugs., österr. · Stenz  ugs., süddt. · Strizzi  ugs., salopp, österr.
Oberbegriffe
  • Berufstätige  weibl. · Berufstätiger  männl. · Erwerbstätige  weibl. · Erwerbstätiger  männl. · Werktätige  DDR, weibl. · Werktätiger  DDR, männl.
  • Herr · Mannsbild · Mannsperson · Patron (halb-scherzhaft oder abwertend) · Vertreter des männlichen Geschlechts · Y-Chromosom-Träger (halb-ironisch) · gestandener Mann  ●  Bursche  regional · Mann  Hauptform · männlicher Mensch  biologisch · Dude  ugs., engl. · Kerl  ugs. · Keule  ugs., positiv, salopp, regional · Macker  ugs. · Person männlichen Geschlechts  fachspr., Amtsdeutsch · Typ  ugs. · erwachsene männliche Person  fachspr., Amtsdeutsch · männliche Person  fachspr., Amtsdeutsch
Assoziationen
Antonyme
  • Nutte  derb, abwertend

Typische Verbindungen zu ›Zuhälter‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Zuhälter‹.

Zitationshilfe
„Zuhälter“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Zuh%C3%A4lter>.

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