Zunge, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Zunge · Nominativ Plural: Zungen
Aussprache
WorttrennungZun-ge (computergeneriert)
Wortbildung mit ›Zunge‹ als Erstglied: ↗-züngig · ↗Zungen-R · ↗Zungen-r · ↗Zungenband · ↗Zungenbein · ↗Zungenblüte · ↗Zungenbrecher · ↗Zungenbändchen · ↗Zungenentzündung · ↗Zungengeläufigkeit · ↗Zungengewandtheit · ↗Zungenkrebs · ↗Zungenkuss · ↗Zungenlaut · ↗Zungenpapille · ↗Zungenrücken · ↗Zungenschlag · ↗Zungenspatel · ↗Zungenspitze · ↗Zungenwurst · ↗Zünglein · ↗zungenbrechend · ↗zungenfertig · ↗zungenförmig · ↗zungengewandt
 ·  mit ›Zunge‹ als Letztglied: ↗Doppelzunge · ↗Eiszunge · ↗Engelszunge · ↗Feuerzunge · ↗Gletscherzunge · ↗Kalbszunge · ↗Katzenzunge · ↗Landzunge · ↗Lästerzunge · ↗Otterzunge · ↗Pökelzunge · ↗Riemenzunge · ↗Rinderzunge · ↗Rindszunge · ↗Schlangenzunge · ↗Schweinezunge · ↗Schweinszunge · ↗Seezunge · ↗Wasserzunge · ↗Weichenzunge · ↗Weinzunge
eWDG, 1977

Bedeutungen

1.
muskulöses Organ am Boden der Mundhöhle, das beweglich ist und bei der Aufnahme, beim Schmecken und Schlucken der Nahrung sowie bei der Lautbildung beteiligt ist
Beispiele:
der Patient hat eine belegte (= mit krankhaftem weißem Belag bedeckte) Zunge
der Arzt ließ sich [Dativ] die Zunge zeigen
jmdm. (frech) die Zunge herausstecken, herausstrecken (= Zeichen der Missachtung, Schadenfreude)
einen schlechten, bitteren Geschmack auf der Zunge haben
Pfeffer brennt auf der Zunge
das Eis zerging auf der Zunge
sich [Dativ] aus Versehen auf die, in die Zunge beißen
sich [Dativ] mit der Zunge über die (trockenen) Lippen fahren
die Lippen mit der Zunge befeuchten
(anerkennend) mit der Zunge schnalzen
mit der Zunge anstoßen (= lispeln)
die Zunge an den Gaumen drücken, an die Zähne pressen
sich [Dativ] an heißer Brühe die Zunge verbrennen
Trocken und hart klebt die Zunge am Gaumen [J. RothRadetzkymarsch104]
bildlich
Beispiele:
jmd. hat eine feine, verwöhnte Zunge (= jmd. ist ein Feinschmecker)
jmd. hat eine flinke, rasche Zunge (= jmd. redet schnell und viel, übereilt, voreilig)
jmd. hat eine geläufige Zunge (= jmd. ist redegewandt)
jmd. hat eine spitze Zunge (= jmd. macht gern anzügliche, leicht boshafte Bemerkungen)
jmd. hat eine scharfe Zunge (= jmd. führt gern bissige, verletzende Reden)
jmd. spricht, redet mit doppelter Zunge (= jmd. ist doppelzüngig)
jmd. hat eine schwere Zunge (= jmd. redet unter dem Einfluß von Alkohol oder aus Veranlagung langsam)
böse Zungen behaupten, dass ... (= boshafte Menschen behaupten, dass ...)
umgangssprachlich jmdm. klebt die Zunge am Gaumen (= jmd. ist durstig)
salopp jmdm. hängt die Zunge zum Hals heraus (= jmd. ist sehr durstig, ganz erschöpft)
umgangssprachlich der Name liegt mir auf der Zunge (= der Name schwebt mir vor, fällt mir aber im Moment nicht ein)
es brannte mir schon die ganze Zeit auf der Zunge (= ich wollte es schon die ganze Zeit sagen)
jmd. trägt, hat sein Herz auf der Zunge (= jmd. ist offenherzig)
er ließ das Wort, Bonmot auf der Zunge zergehen (= ergötzte sich daran, genoß den Klang)
ich musste mir auf die Zunge beißen (= musste an mich halten), um nicht laut loszulachen
salopp sich [Dativ] die Zunge aus dem Hals reden (= unermüdlich, angestrengt auf jmdn. einreden)
salopp sich [Dativ] die Zunge aus dem Hals rennen (= mit größter Anstrengung rennen)
der Kognak löste, lockerte ihre Zungen (= der Kognak brachte sie zum Reden, machte sie gesprächig)
er verstand es, ihre Zunge zu lösen (= sie zum Reden zu bringen)
umgangssprachlich er würde sich [Dativ] lieber, eher die Zunge abbeißen, als etw. zu verraten (= würde es auf keinen Fall verraten)
salopp bei diesem Namen, Satz (zer)bricht, verrenkt man sich [Dativ] ja die Zunge (= der Name, Satz ist schwer auszusprechen)
umgangssprachlich er hat sich wieder einmal die Zunge verbrannt (= unbedacht etw. gesagt, das unangenehme Folgen haben kann)
sie hat ihre Zunge nicht im Zaum halten können (= hat nicht an sich halten können und etw. gesagt, was besser nicht gesagt worden wäre)
hüte, zügle deine Zunge! (= äußere nichts Unbedachtes!)
2.
ohne Verkleinerungsform
dichterisch, übertragen Sprache
Beispiele:
die Dichter deutscher, spanischer Zunge
in fremder Zunge reden, schreiben
sie redete in einer fremden Zunge, von der er kein Wort verstand, auf ihn ein
die Unterhaltung wurde in vielen Zungen geführt
er dichtete in der Zunge des einfachen Volkes
3.
Dinge, die einer Zunge äußerlich ähnlich sind
Beispiele:
das Feuer brannte mit vielen roten Zungen
die Zungen einer Blüte
Unter uns immer noch Sümpfe ... dazwischen Zungen von Land, Sand [FrischHomo faber20]
daß die letzten Zungen der Wellen unsere Schuhe erreichten [H. W. RichterSpuren299]
a)
landschaftlich Lasche am Ausschnitt eines Schnürschuhs
Beispiel:
die Zunge hat sich schon wieder verschoben
b)
Zeiger an einer Waage
Beispiele:
beim Wiegen auf die Zunge blicken
du musst warten, bis das Zünglein zum Stillstand gekommen ist
übertragen das Zünglein an der Waage seinden Ausschlag geben
Beispiel:
bei der Abstimmung war seine Stimme, war er das Zünglein an der Waage
c)
Technik beweglicher Teil der Weiche, durch den die Fahrtrichtung bestimmt wird
d)
Musik an einer Seite befestigtes Blättchen bei bestimmten Musikinstrumenten, meist aus Metall, das durch Anblasen, Zupfen, Anschlagen in Schwingungen versetzt wird und dadurch Töne erzeugt
Beispiel:
die Zunge an der Klarinette, am Harmonium
4.
Gericht aus 1 mancher Schlachttiere, besonders vom Rind, Kalb, Schwein
Beispiele:
heute gibt es (gekochte) Zunge
Zunge vom Rind, Kalb
Zunge in Rotwein
gepökelte Zunge (= Pökelzunge)
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Zunge · züngeln
Zunge f. Organ zum Sprechen und Schmecken, ahd. zunga ‘Zunge, Rede, Sprache’ (8. Jh.), mhd. zunge, auch ‘Volk, Land, Heimat’, asächs. tunga, mnd. tunge, tonge, mnl. tonghe, tunghe, nl. tong, aengl. tunge, engl. tongue, anord. schwed. tunga, got. tuggō. Zugrundeliegendes germ. *tungōn läßt sich vergleichen mit alat. dingua ‘Zunge, Sprache’, woraus (durch Anschluß an lat. lingere ‘lecken’) lat. lingua. Als Grundwort kann man ie. *dṇg̑hu̯ā ‘Zunge’ ansetzen bzw. (für das Awest., Lit. und Slaw.) einen maskulinen ū-Stamm *dṇg̑hū. Weitere Formen lassen sich nur heranziehen, wenn von lautlichen Umstellungen bzw. tabuistischen Veränderungen ausgegangen wird, z. B. aind. jihvā́, awest. hizvā- ‘Zunge’ (aus *g̑ig̑hu̯ā, und dieses mit i von aind. lih-, lḗḍhi ‘leckt’ oder jihmáḥ ‘schräg, schief’ aus *dag̑hu̯ā), awest. hizū- ‘Zunge’, air. teng, tengae ‘Zunge’ (mit t- nach tongid ‘schwört’), lit. liežùvis ‘Zunge, Sprache’ (angeglichen an lit. liẽžti ‘lecken’), mit k-Erweiterung aslaw. językъ ‘Zunge, Sprache, Volk’, russ. jazýk (язык) ‘Zunge, Sprache’. züngeln Vb. ‘die Zunge schnell hin und her bewegen’ von Tieren, besonders Schlangen (17. Jh.), übertragen auch von Flammen (18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Lasche · Zunge
Synonymgruppe
Einzelsprache · ↗Sprache  ●  Zunge  geh., selten, veraltet
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Gaumen Lippe Maul Mund Zahn abbeißen behaupten beißen bös böse flink fremd gerettet gespalten herausgestreckt heraushängen heraushängend herausschneiden herausstrecken hängend lecken lockern los lästern rausstrecken scharf schnalzen spitz verschlucken zergehen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Zunge‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Wir laufen der Bahn aber nicht mit hängender Zunge hinterher.
Bild, 30.11.2005
Im selben Moment hätte sie sich auf die Zunge beißen mögen.
Boie, Kirsten: Skogland, Ort: Hamburg 2005, S. 307
Wenn nur meine Zunge nicht so schwer wäre von all den Geschmäckern.
Der Tagesspiegel, 27.01.2004
Er hechelte wie ein Hund, oder Er hechelte an: er kam mit hängender Zunge an.
Röhrich, Lutz: Hechel, hecheln. In: Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten [Elektronische Ressource], Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1994], S. 27503
Wein vermag die Zunge zu lockern, und das ist nicht immer gut.
Bauer, Hans: Tisch und Tafel in alten Zeiten, Leipzig: Koehler & Amelang 1967, S. 40
Zitationshilfe
„Zunge“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Zunge>, abgerufen am 16.11.2018.

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