Zwang, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Zwang(e)s · Nominativ Plural: Zwänge
Aussprache
Wortbildung mit ›Zwang‹ als Erstglied: ↗Zwangsarbeit · ↗Zwangsarbeiter · ↗Zwangsbeitrag · ↗Zwangsbewirtschaftung · ↗Zwangsehe · ↗Zwangseinweisung · ↗Zwangsgeld · ↗Zwangsgemeinschaft · ↗Zwangshandlung · ↗Zwangsherrschaft · ↗Zwangshypothek · ↗Zwangsidee · ↗Zwangsjacke · ↗Zwangskollektivierung · ↗Zwangskurs · ↗Zwangslage · ↗Zwangsmaßnahme · ↗Zwangsmaßregel · ↗Zwangsmittel · ↗Zwangsneurose · ↗Zwangspause · ↗Zwangsprostitution · ↗Zwangssparen · ↗Zwangstherapie · ↗Zwangsvereinigung · ↗Zwangsverfahren · ↗Zwangsverheiratung · ↗Zwangsversteigerung · ↗Zwangsverwaltung · ↗Zwangsvollstreckung · ↗Zwangsvorstellung · ↗Zwangswirtschaft · ↗zwanghaft · ↗zwanglos · ↗zwangsmäßig · ↗zwangsneurotisch · ↗zwangsweise
 ·  mit ›Zwang‹ als Letztglied: ↗Abnahmezwang · ↗Abschlusszwang · ↗Abstimmungszwang · ↗Anpassungszwang · ↗Anwaltszwang · ↗Arbeitszwang · ↗Benutzungszwang · ↗Bierzwang · ↗Erfolgszwang · ↗Flurzwang · ↗Fraktionszwang · ↗Gewissenszwang · ↗Gewohnheitszwang · ↗Glaubenszwang · ↗Grübelzwang · ↗Handlungszwang · ↗Impfzwang · ↗Kaufzwang · ↗Kontrahierungszwang · ↗Leinenzwang · ↗Lotsenzwang · ↗Maulkorbzwang · ↗Meldezwang · ↗Passzwang · ↗Pfarrzwang · ↗Rechtfertigungszwang · ↗Rezeptzwang · ↗Sachzwang · ↗Schulzwang · ↗Selbstzwang · ↗Sichtvermerkzwang · ↗Sparzwang · ↗Stuhlzwang · ↗Systemzwang · ↗Trinkzwang · ↗Uniformzwang · ↗Visazwang · ↗Visumszwang · ↗Visumzwang · ↗Weinzwang · ↗Wiederholungszwang · ↗Zeitzwang · ↗Zugzwang · ↗Zunftzwang
 ·  mit ›Zwang‹ als Grundform: ↗zwangs-
eWDG, 1977

Bedeutung

Druck, (massive) Einwirkung, durch die eine unausweichliche Einschränkung der individuellen Bewegungsfreiheit und eine bestimmte Verhaltensweise bewirkt wird
a)
von einer Gewaltherrschaft ausgehend   (ständige) Androhung, Anwendung körperlicher oder seelischer Gewalt
Beispiele:
ein diktatorischer, harter, unmenschlicher Zwang
er lehnte sich gegen den erdrückenden, lastenden, unerträglichen, verhassten Zwang des Regimes auf
jmdm. Zwang antun, auferlegen
auf jmdn. (einen) Zwang ausüben
jmdn. durch, mit Zwang gefügig machen, unterwerfen
dem Zwang nachgeben, weichen, erliegen
grausamen Zwang erleiden, still erdulden
Zwang aushalten, ertragen
durch den Jahre andauernden Zwang waren die Menschen abgestumpft
gegen den Zwang aufbegehren
umgangssprachlichgegen den Zwang aufmucken
es war schwer, den Zwang der Militärregierung zu brechen
b)
von einer Instanz ausgehend, die die Macht, Befugnis hat, über etw., jmdn. zu bestimmen
Beispiele:
der Zwang von Vorschriften, Verordnungen, Verboten
In der Freiheitsstrafe ist der staatliche Zwang in besonderem Maße spürbar [Neue Justiz1967]
sie ... litt unter dem Zwange des Vaters und des Bruders [C. F. Meyer1,263]
c)
von jmdm., von sozialen Gruppen und ihren Normen ausgehend   dringende Veranlassung
Beispiele:
ein moralischer, psychologischer Zwang
der Zwang, etw. zu tun, zu unterlassen
unter Zwang handeln, aussagen
der Zwang mitzumachen, mitzutrinken ist mir zuwider
sie tut alles nur aus Zwang
jedesmal stöhnt sie unter dem Zwang der Termine
dem Zwang der Mode hat sie sich stets willig unterworfen
nur unter Zwang! (= keinesfalls geschieht dies freiwillig!)
spöttischdas ist ja freiwilliger Zwang! (= hier kann man ja nicht anders!)
dieses Kind reagiert auf Zwang mit Trotz
Den Schülern geschah kein Zwang, nichts hinderte sie [BahrHimmelfahrt77]
d)
starker Einfluss
Beispiele:
von jmdm. geht ein gefährlicher, verführerischer Zwang auf jmdn. aus
damals standen wir alle unter dem Zwang seiner außergewöhnlichen Persönlichkeit
mit einem unwiderstehlichen Zwang zog er sie in sein Unglück nach
e)
Selbstbeschränkung
Beispiele:
sich [Dativ] Zwang auferlegen
er hat sich [Dativ] den Zwang auferlegt, drei Monate lang nicht zu rauchen
vor ihm konnte sie ohne Zwang reden
umgangssprachlichtu dir keinen Zwang an! (= du kannst dich benehmen, als ob du zu Hause wärst!)
f)
gegebene Notwendigkeit
Beispiele:
ein unausweichlicher, naturgegebener, unabänderlicher Zwang
dem Zwang der Natur gehorchen, folgen, nachgeben
nur der Zwang der Nahrungssuche veranlasste sie, bei dieser extremen Temperatur das Zelt zu verlassen
er entschuldigte sich mit dem Zwang der Verhältnisse, der Lage
er hat unter dem Zwang der Not, des Hungers gestohlen
auf die Raupe folgt erst die Puppe und dann der Schmetterling, das ist der Zwang der Entwicklung
g)
Psychologie gegen den bewussten Willen wirkende, starke innere oder äußere Macht
Beispiel:
Menschen, die unter einem Zwang, unter Zwängen stehen, leiden, handeln, sind krank
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

zwingen · zwingend · bezwingen · Zwinger · Zwang · zwängen · zwangsläufig
zwingen Vb. ‘gewaltsam zu etw. nötigen, zu etw. veranlassen, mit etw. fertig werden, etw. meistern’. Das stark flektierende Verb ahd. thwingan (8. Jh.), twingan (9. Jh.) ‘zwingen, unterjochen, beherrschen, festbinden’, mhd. twingen, dwingen, auch quingen, (seit 14. Jh.) zwingen ‘(zusammen)drücken, pressen, (be)drängen, nötigen, einschließen, beherrschen, bändigen’, asächs. thwingan ‘zwingen, bedrängen’, mnd. dwingen, mnl. dwinghen, nl. dwingen, afries. thwinga, aschwed. (auch schwach) þvinga, schwed. tvinga (germ. *þwingan) und schwach flektierendes anord. (aus dem Mnd.?) þvinga ‘zwingen, quälen’ lassen sich lediglich mit awest. θwązǰaiti ‘gerät in Bedrängnis’ vergleichen. Daraus ist ein Ansatz ie. *tu̯eng̑h- ‘bedrängen’ erschließbar. Ob (bei einer ie. Auslautvariante auf -k-) auch toch. AB twāṅk- ‘einzwängen’, lit. tveñkti (Wasser) ‘stauen’, reflexiv ‘sich versammeln’ und (unnasaliert) griech. sáttein (σάττειν) ‘vollstopfen, festdrücken, bepacken, beladen, ausrüsten’ hier anzuschließen sind, ist zweifelhaft. Als Grundbedeutung für das germ. Verb ist ‘einen Körper durch Gewaltanwendung zusammenpressen’ anzunehmen; übertragener Gebrauch im Sinne von ‘überwältigen, überwinden, meistern, bedrängen, einengen, rügen’ ist in ahd. Zeit bereits voll ausgeprägt. tw-Anlaut (bei Notker einsetzend, vereinzelt schon im 9. Jh.) herrscht im Mhd. (bis etwa gegen Ende des 15. Jhs.), zw-Anlaut setzt im 14. Jh. ein. Häufig sind Fügungen wie zu etw. gezwungen (‘genötigt, verpflichtet’) sein (15. Jh.), sich gezwungen (‘genötigt’) sehen (17. Jh.). zwingend Part.adj. ‘bedrückend, verpflichtend, unabdingbar’ (16. Jh.), ‘schlüssig, folgerichtig, überzeugend’ (18. Jh.); geläufig zwingende Not (17. Jh.), besonders zwingendes Gesetz (16. Jh.), dann rechtssprachlich zwingendes Recht ‘Recht, das keine abweichende Regelung durch Vereinbarung unter den Betroffenen zuläßt’ (19. Jh.). bezwingen Vb. ‘überwältigen, meistern’, ahd. bithwingan ‘einengen, zügeln’ (8. Jh.), mhd. betwingen ‘bedrängen, beengen, bändigen, (er)zwingen’. Zwinger m. ‘von innerer und äußerer Mauer, von Schloß- oder Stadtmauer und Graben begrenzter Raum, in dem der vorgedrungene Feind überwältigt werden soll’, allgemein ‘Befestigungsanlage’ (15. Jh.), auch (da im Zwinger zu dessen Bewachung starke Hunde oder Bären gehalten wurden) ‘Tiergehege, Käfig’ (ebenfalls 15. Jh.), mhd. twingære, twinger, zwinger ‘Dränger, Überwältiger, Zwingherr (d. i. Grundherr mit Hoheitsrechten über Land und Leute)’; vgl. ahd. nōtthwingāri ‘gewaltsamer, heftiger Mensch’ (Hs. 12. Jh.). Zwang m. ‘Druck, Nötigung durch Macht, Androhen von Gewaltanwendung’, ahd. thwang ‘Zügel’ (um 900), githwang ‘Zucht, Zwang’ (9. Jh.), mhd. twanc (auch zwanc) ‘Beengung, Gewalt, Einschränkung, Not, Bedrängnis’, ablautendes Verbalabstraktum. zwängen Vb. ‘gewaltsam einengen, Druck ausüben, pressen’, ahd. thwengen ‘bedrängen, züchtigen, beängstigen’ (9. Jh.), mhd. twengen (auch zwengen) ‘Zwang antun, drücken, zusammenpressen, bändigen’, mnd. dwengen ist Kausativum zu dem unter ↗zwingen (s. d.) behandelten Verb. zwangsläufig Adj. ‘zwingend eintretend, unabwendbar, notgedrungen’ (19. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Anweisung · ↗Befehl · ↗Diktat · ↗Order · Zwang  ●  ↗Weisung  fachspr.
Unterbegriffe
  • Erster Wiener Schiedsspruch · Wiener Diktat
Assoziationen
  • Zwangsassimilation · Zwangsassimilierung
Synonymgruppe
Auflage · ↗Bedingung · ↗Erforderlichkeit · ↗Muss · Zwang
Unterbegriffe
  • Conditio sine qua non · notwendige Bedingung · unerlässliche Bedingung  ●  damit steht und fällt alles  ugs. · ohne dem geht gar nichts  ugs.
  • hinreichende Bedingung
Assoziationen
Synonymgruppe
Erpressung · ↗Nötigung · ↗Pression · Zwang  ●  Angebot, das jemand nicht ablehnen kann  ugs., Spruch
Unterbegriffe
Assoziationen
  • kompromittierendes Material  ●  ↗Kompromat  Jargon
Synonymgruppe
Unterbegriffe
  • POP-Konvention · Stockholmer Konvention
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Anpassung Befreiung Einstimmigkeit Globalisierung Kompromiß Rationalisierung Sparen Sparsamkeit antun auferlegen auferlegt ausüben befreien beugen entziehen finanziell gesellschaftlich gesetzlich heilsam inner physisch sanft staatlich taktisch unmittelbar unterliegen unterwerfen wirtschaftlich äußer ökonomisch

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Zwang‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Sie können helfen, aber es muss mehr geben als Zwang.
Die Zeit, 04.03.2013, Nr. 09
Sie litt damals schon seit Jahren unter dem Zwang zum Hungern.
Süddeutsche Zeitung, 09.07.2004
Die Frau hat durch ihren Zwang zur ständigen Bereitschaft kein körperliches Mittel der Abwehr.
Pilgrim, Volker Elis: Manifest für den freien Mann - Teil 1, Reinbek b. Hamburg: Rowohlt 1983 [1977], S. 101
Als wissenschaftliche Disziplin aber konnte sie sich dem Zwang zu einer revolutionären Entscheidung entziehen.
Plessner, Helmuth: Die verspätete Nation, Stuttgart: Kohlhammer 1962 [1935], S. 148
Nirgends in der Geschichte hat, wo es zu einer Entwicklung kam, die Kooperation größerer Massen voraussetzte, das Moment des Zwanges gefehlt.
Schumpeter, Joseph: Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung, Berlin: Duncker u. Humblot 1997 [1912], S. 212
Zitationshilfe
„Zwang“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Zwang>, abgerufen am 21.11.2019.

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