Zwickmühle, die

GrammatikSubstantiv (Femininum)
Aussprache
WorttrennungZwick-müh-le (computergeneriert)
WortzerlegungzwickenMühle2
eWDG, 1977

Bedeutung

bestimmte Stellung der Steine im Mühlespiel, bei der man den Gegner mit einem Zug in einer Mühle fangen kann
Beispiel:
Sie brachte ihre Mühlen zustande und ihre Zwickmühlen – alles geriet ihr nach Wunsch [HagelstangeSpielball314]
umgangssprachlich, übertragen verzwickte, ausweglose Lage
Beispiele:
in einer Zwickmühle sein, sitzen
sich in einer Zwickmühle befinden
er war in eine Zwickmühle geraten
ich muss sehen, wie ich aus der Zwickmühle herauskomme
jmdn. in die Zwickmühle nehmenjmdn. ins Verhör nehmen
Beispiel:
Er ... hatte damals nicht Lust gehabt, sich ein zweites Mal in die Zwickmühle nehmen zu lassen [FontaneStechlinI 5,347]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Mühle · Mühlrad · Tretmühle · Windmühle · Zwickmühle
Mühle f. ‘Mahlanlage für Getreide’, ahd. mulī, mulīn (10. Jh.), mhd. mül, müle, asächs. muli, mnd. mȫle, mnl. mōlen(e), nl. molen, afries. mol(e)ne, monle, moune, aengl. mylen, engl. mill ist entlehnt aus spätlat. molīna (bzw. für das Aengl. auch molīnum) ‘Wassermühle’, aus lat. mola ‘Mühlstein, Mühle’, einer Ableitung von lat. molere ‘mahlen’ (verwandt mit ↗mahlen, s. d.). Die mit Wasserkraft betriebene Mühle der Römer verdrängt die alte Handmühle der Germanen sowie deren Bezeichnung ahd. quirn(a) (9. Jh.), mhd. kürn(e) ‘Mühle, Mühlstein’, asächs. quern, aengl. cweorn(e), engl. quern, anord. kvern, got. -quaírnus (n-Ableitungen zur Wurzel ie. *gu̯er(ə)- ‘schwer’). Als Bezeichnung eines Brettspiels begegnet Mühle seit dem 17. Jh., ein bereits in der Antike bekanntes Spiel (lat. mola ‘Mühlstein’, s. oben) fortsetzend. Vielleicht weil die Spielsteine des Gegners durch die Mühle genannte Spielfigur gleichsam zerrieben werden? S. unten Zwickmühle). Mühlrad n. ‘durch Wasserkraft betriebenes Rad der Mühle’, mhd. mülrat. Tretmühle f. ‘mit Querleisten versehenes Maschinenrad, das ein Mensch oder Tier von Leiste zu Leiste steigend durch sein Körpergewicht in Bewegung hält’, spätmhd. tretemüle. Seit dem 19. Jh. Bezeichnung für eine aufreibende, gleichförmige Tätigkeit. Windmühle f. ‘durch Wind betriebene Mühle’, spätmhd. wintmül. Zwickmühle f. ‘Stellung der Steine im Mühlespiel, bei der man mit einem Zug die eine Mühle schließen und eine andere eröffnen kann’ (17. Jh.). Das erste Glied des Kompositums entwickelt sich wohl aus zwie ‘zwei’ unter Einfluß von gleichbed. Fickmühle zu Zwickmühle. Anfangs (15. Jh.) bezeichnet Fickmühle, Zwickmühle ‘zwei Möglichkeiten (die je nach Lage genutzt werden), einen doppelten Ausweg’ (auch damals schon von einem Spiel ausgehend?). Vom Gegenspieler her gesehen, erscheint das als ‘ausweglose Situation’. In dieser Verwendung ist Zwickmühle üblich in Redewendungen wie in der Zwickmühle stecken ‘keinen Ausweg wissen’ (17. Jh.), in die Zwickmühle geraten ‘in eine ausweglose Situation geraten’ (Anfang 20. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Dilemma · ↗Zielkonflikt · Zwickmühle · verzwickte Situation
Assoziationen
  • Krise · ↗Misere · ↗Missstand · ↗Tragik · ↗Verhängnis · kritische Situation · missliche Lage · schlimmer Zustand  ●  ↗Kalamität  geh., lat. · ↗Krisis  geh., veraltend · ↗Malaise  fachspr. · ↗Schlamassel  ugs.
  • in Schwierigkeiten (sein) · in Schwierigkeiten (stecken) · in einer schwierigen Situation sein · in einer schwierigen Situation stecken  ●  (sich) in schwierigem Fahrwasser befinden  fig.
  • schwierige Aufgabe  ●  ↗Balanceakt  fig. · ↗Drahtseilakt  fig. · ↗Spagat  fig.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Ausweg EZB Magdeburger Notenbank arg befinden befreien begeben bringen bös diplomatisch doppelt echt entkommen fatal geraten herauskommen juristisch klassisch manövrieren moralisch peinlich perfekt raten schrecklich sitzen stecken strategisch unangenehm übel

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Zwickmühle‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Auch die Deutsche Bank steckt in einer besonders bösen Zwickmühle.
Süddeutsche Zeitung, 27.09.2003
Dann wären die beiden in der Tat in einer Zwickmühle.
Der Tagesspiegel, 05.11.2001
Er saß in der Zwickmühle, aber er gab nicht nach.
Brussig, Thomas: Wasserfarben, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 2001 [1991], S. 190
Immer, hatte er ehedem gesagt, müßte er sich eine Zwickmühle offenhalten.
Mann, Golo: Das Zeitalter des Dreißigjährigen Krieges. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1964], S. 1721
Im dritten Jahr der Republik schloß sich die spanische Zwickmühle von neuem.
Enzensberger, Hans Magnus: Der kurze Sommer der Anarchie, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1972, S. 73
Zitationshilfe
„Zwickmühle“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Zwickmühle>, abgerufen am 19.08.2019.

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