Zwiespalt, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · wird meist im Singular verwendet
Aussprache
WorttrennungZwie-spalt (computergeneriert)
Wortbildung mit ›Zwiespalt‹ als Erstglied: ↗zwiespältig
eWDG, 1977

Bedeutung

innere Zerrissenheit
Beispiele:
sich in einem inneren Zwiespalt befinden
in einen Zwiespalt geraten
sie erschrak vor dem Zwiespalte ihrer eigenen Seele [C. F. MeyerJenatsch1,233]
Widersprüchlichkeit
Beispiele:
der Zwiespalt zwischen Gefühl und Verstand
im Zwiespalt der Empfindungen
Uneinigkeit
Beispiele:
zwischen den beiden Herausgebern selbst tat sich alsbald ein Zwiespalt auf, der ein Zusammenarbeiten zwischen ihnen unmöglich machte [MehringMarx68]
mitten im Lager der Sieger [sei] Zwiespalt ausgebrochen [Dahlm.Engl. Revolution273]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

zwie- · zwiefach · Zwieback · zwiefältig · Zwiegespräch · Zwiesprache · zwiespältig · Zwiespalt
zwie- ‘doppelt, zweimal auftretend, zweifach’, zuweilen auch ‘auseinander, gespalten, halb, geteilt, schwankend’ (s. ↗Zwielicht), Kompositionsform des unter ↗zwei (s. d.) behandelten Zahlworts in nominalen Zusammensetzungen (neben ahd. mhd. nhd. zwei-, dessen Gebrauchshäufigkeit in Neubildungen vom 16. Jh. an zunimmt), ahd. zwi- (zwifalt, s. unten), mhd. zwi- (zwivach, s. unten), asächs. twi- (twihōvdig ‘zweihäuptig’), mnd. twē-, twi- (twē-, twibōte ‘doppelte Buße’), mnl. twi-, twē- (twēdracht, älter twidracht), nl. twee-, aengl. twi-, twe- (twifēte ‘zweifüßig’), anord. tve-, tvī- (tvīviðr ‘Bogen’, eigentlich ‘Doppelholz’), schwed. tve- (tvegifte ‘Doppelehe’). Außergerm. entsprechen aind. dvi- (dvi-pád- ‘zweifüßig’), griech. di-, δι- (dípūs, δίπους ‘zweifüßig’; s. ↗di-), lat. bi-, alat. dvi- (lat. bipēs ‘zweifüßig’; s. ↗bi-), lit. dvi- (dvikõjis ‘zweibeinig’). Auszugehen ist von ie. *du̯i- bzw. *di-, einer Kompositionsform des unter ↗zwei (s. d.) behandelten Zahlworts. zwiefach Adj. ‘zweifach, doppelt’, mhd. zwivach; daneben zweifach (seit 15. Jh.); zum zweiten Kompositionsglied s. ↗Fach. Zwieback m. ‘zweimal Gebackenes’, besonders ‘leicht gesüßtes, in Scheiben geschnittenes knuspriges Weißbrot’, Zweigeback (15. Jh.), Zweiback (16. Jh.), Zwiback (17. Jh.), Zwieback (18. Jh.), Übersetzung von gleichbed. ital. biscotto (s. ↗Biskuit). zwiefältig Adj. ‘doppelt, zweifach, gespalten’, mhd. zwivaltic, -veltic, die ältere Bildung ahd. zwifalt (8. Jh.), mhd. zwivalt verdrängend; vgl. auch zweifaltig, -fältig (15. bis 18. Jh.); zum Grundwort s. ↗falten. Zwiegespräch n. ‘Dialog’ (um 1800); zuvor Zweigespräch (2. Hälfte 17. Jh.). Zwiesprache f. ‘(im Inneren geführte) Aussprache mit einem meist nicht anwesenden Partner, also mit sich selbst’ (um 1800). zwiespältig Adj. ‘in zwei Teile gespalten’, ahd. zwispaltīg (11. Jh.), mhd. zwispaltic, -speltic; übertragen ‘uneins, uneinheitlich, gegensätzlich, widerspruchsvoll’ (16. Jh.); vgl. auch gleichbed. zweispaltig, -spältig (15. bis 19. Jh.), heute ‘in zwei Spalten beschrieben, bedruckt’ (seit 19. Jh.). Zwiespalt m. ‘Aufspaltung in zwei Teile, das Gespaltensein, Uneinigkeit, Zank, Streit’ (16. Jh.), heute vielfach ‘Zerrissenheit des Fühlens und Empfindens’ (18. Jh.), rückgebildet aus dem Adj.; gelegentlich auch Zweispalt ‘Uneinigkeit’ (16. bis 19. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Bedenken · ↗Hader · ↗Ungewissheit · ↗Unsicherheit · ↗Verunsicherung · ↗Zweifel · Zwiespalt
Assoziationen
  • (das) Ende ist offen · (der) Ausgang ist ungewiss · Spitz auf Knopf stehen · auf Messers Schneide stehen
  • Hängepartie · Zeit der Unsicherheit · ↗Zitterpartie
Antonyme
Synonymgruppe
Entzweiung · ↗Zerrissenheit · Zwiespalt
Synonymgruppe
(innere) Zerrissenheit · ↗(innerer) Konflikt · (innerer) Zwiespalt
Unterbegriffe

Typische Verbindungen
computergeneriert

Bediente Empfindung Gefühl Glauben Kutscher Zwiespalt auftun dialektisch eigenartig ewig fundamental fürchterlich inner klaffen konfessionell merkwürdig moralisch offenkundig quälend seelisch seltsam spiegeln säen thematisieren tragisch unauflösbar unlösbar unselig verdeutlichen überbrücken

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Zwiespalt‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Ja, bei ihm ist man als Trainer mitunter im Zwiespalt, weil er auf allen Positionen spielen kann.
Süddeutsche Zeitung, 25.03.2004
Ein Mann im Zwiespalt - mit welchem Herzen sollte er heiraten?
Bild, 27.06.1998
Der Zwiespalt schlug sich schon in der politischen Terminologie nieder.
Heuß, Alfred: Das Zeitalter der Revolution. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1963], S. 9033
Da entschloß er sich zur ersten Lüge, den furchtbaren Zwiespalt, der in ihm vollzogen war, zu verbergen.
Klepper, Jochen: Der Vater, Gütersloh: Bertelsmann 1962 [1937], S. 404
Von einer solchen befürchtete man neuerwachenden Zwiespalt unter den kaum verschmolzenen Richtungen.
Blos, Wilhelm: Denkwürdigkeiten eines Sozialdemokraten, Bd. 1. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1914], S. 5106
Zitationshilfe
„Zwiespalt“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Zwiespalt>, abgerufen am 10.12.2019.

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