Zwiesprache, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Zwiesprache · Nominativ Plural: Zwiesprachen
Aussprache
WorttrennungZwie-spra-che (computergeneriert)
Wortzerlegungzwie-Sprache
eWDG, 1977

Bedeutung

gehoben Zwiegespräch, meist mit jmdm., der nicht anwesend ist
Beispiele:
er hielt stumme Zwiesprache mit der Toten
[Hamlets] entsetztes Geflüster bei der Zwiesprache mit dem Geist des ermordeten Vaters [WeiskopfAbschied v. Frieden1,435]
Françoise war von dem Ergebnis der kurzen Zwiesprache befriedigt [RehfischHexen141]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

zwie- · zwiefach · Zwieback · zwiefältig · Zwiegespräch · Zwiesprache · zwiespältig · Zwiespalt
zwie- ‘doppelt, zweimal auftretend, zweifach’, zuweilen auch ‘auseinander, gespalten, halb, geteilt, schwankend’ (s. ↗Zwielicht), Kompositionsform des unter ↗zwei (s. d.) behandelten Zahlworts in nominalen Zusammensetzungen (neben ahd. mhd. nhd. zwei-, dessen Gebrauchshäufigkeit in Neubildungen vom 16. Jh. an zunimmt), ahd. zwi- (zwifalt, s. unten), mhd. zwi- (zwivach, s. unten), asächs. twi- (twihōvdig ‘zweihäuptig’), mnd. twē-, twi- (twē-, twibōte ‘doppelte Buße’), mnl. twi-, twē- (twēdracht, älter twidracht), nl. twee-, aengl. twi-, twe- (twifēte ‘zweifüßig’), anord. tve-, tvī- (tvīviðr ‘Bogen’, eigentlich ‘Doppelholz’), schwed. tve- (tvegifte ‘Doppelehe’). Außergerm. entsprechen aind. dvi- (dvi-pád- ‘zweifüßig’), griech. di-, δι- (dípūs, δίπους ‘zweifüßig’; s. ↗di-), lat. bi-, alat. dvi- (lat. bipēs ‘zweifüßig’; s. ↗bi-), lit. dvi- (dvikõjis ‘zweibeinig’). Auszugehen ist von ie. *du̯i- bzw. *di-, einer Kompositionsform des unter ↗zwei (s. d.) behandelten Zahlworts. zwiefach Adj. ‘zweifach, doppelt’, mhd. zwivach; daneben zweifach (seit 15. Jh.); zum zweiten Kompositionsglied s. ↗Fach. Zwieback m. ‘zweimal Gebackenes’, besonders ‘leicht gesüßtes, in Scheiben geschnittenes knuspriges Weißbrot’, Zweigeback (15. Jh.), Zweiback (16. Jh.), Zwiback (17. Jh.), Zwieback (18. Jh.), Übersetzung von gleichbed. ital. biscotto (s. ↗Biskuit). zwiefältig Adj. ‘doppelt, zweifach, gespalten’, mhd. zwivaltic, -veltic, die ältere Bildung ahd. zwifalt (8. Jh.), mhd. zwivalt verdrängend; vgl. auch zweifaltig, -fältig (15. bis 18. Jh.); zum Grundwort s. ↗falten. Zwiegespräch n. ‘Dialog’ (um 1800); zuvor Zweigespräch (2. Hälfte 17. Jh.). Zwiesprache f. ‘(im Inneren geführte) Aussprache mit einem meist nicht anwesenden Partner, also mit sich selbst’ (um 1800). zwiespältig Adj. ‘in zwei Teile gespalten’, ahd. zwispaltīg (11. Jh.), mhd. zwispaltic, -speltic; übertragen ‘uneins, uneinheitlich, gegensätzlich, widerspruchsvoll’ (16. Jh.); vgl. auch gleichbed. zweispaltig, -spältig (15. bis 19. Jh.), heute ‘in zwei Spalten beschrieben, bedruckt’ (seit 19. Jh.). Zwiespalt m. ‘Aufspaltung in zwei Teile, das Gespaltensein, Uneinigkeit, Zank, Streit’ (16. Jh.), heute vielfach ‘Zerrissenheit des Fühlens und Empfindens’ (18. Jh.), rückgebildet aus dem Adj.; gelegentlich auch Zweispalt ‘Uneinigkeit’ (16. bis 19. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Aussprache · ↗Austausch · ↗Dialog · ↗Diskussion · ↗Gedankenaustausch · ↗Konversation · ↗Unterhaltung · ↗Unterredung · ↗Wortwechsel · ↗Zwiegespräch  ●  ↗Gespräch  Hauptform · Zwiesprache  geh.
Oberbegriffe
Unterbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Allmächtige Betrachter Gott Heiliger Instrument Körper Leser Natur Publikum Seele Tote Totenreich Verstorbene einsam geheim halten inner innig intensiv intim leise pflegen still stumm stören

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Zwiesprache‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Und ein Weg ist die kreative Zwiesprache mit unerwarteten Quellen.
Die Welt, 26.06.2002
Für ihn bedeute das, Zwiesprache zu halten mit seinem Vater.
Süddeutsche Zeitung, 14.02.2000
Offenbar war es ihm wenig lieb, in der Zwiesprache mit seinem Volke gestört zu werden.
Niebelschütz, Wolf von: Der blaue Kammerherr, Stuttgart u. a.: Dt. Bücherbund [1991] [1949], S. 388
Seit den stummen Zwiesprachen mit ihm war ich irregeworden und anders belehrt.
Bachmann, Ingeborg: Das dreißigste Jahr, München: R. Piper & Co. Verlag 1961, S. 78
Nur in wenigen Gestalten wandelt sich das rein physische Sitzen, Stehen und Hocken in eine Zwiesprache mit einem Partner.
Hofmann, Werner: Das irdische Paradies, München: Prestel 1991 [1960], S. 10
Zitationshilfe
„Zwiesprache“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Zwiesprache>, abgerufen am 22.05.2019.

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