abblättern

GrammatikVerb · blätterte ab, ist/hat abgeblättert
Aussprache
Worttrennungab-blät-tern (computergeneriert)
Wortzerlegungab-blättern
Wortbildung mit ›abblättern‹ als Erstglied: ↗Abblätterung
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
mit Hilfsverb ›ist‹
sich in dünnen Blättchen ablösen
Beispiele:
die Farbe, der Lack, Kalk(anstrich), Putz, die Tapete blättert (an einigen Stellen) ab
die Haut blättert (in Fetzen) ab
die Rose ist abgeblättert (= entblättert)
übertragen
Beispiel:
alles war von ihm abgeblättert, Schmerz und Hochmut [Feuchtw.Jüd. Krieg385]
2.
mit Hilfsverb ›hat‹
landschaftlich
Beispiel:
Kraut, Rüben abblättern (= die Blätter entfernen)
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Blatt · Blattschuß · blättern · abblättern · Blätterteig
Blatt n. ‘flächenförmig ausgebildetes, meist grün gefärbtes Organ höherer Pflanzen, Stück Papier’, ahd. (8. Jh.), mhd. blat, asächs. blad, mnd. mnl. blat, nl. blad, aengl. blæd, anord. blað (germ. *blada-) wird auf die Schwundstufe der unter ↗blühen (s. d.) behandelten Wurzelerweiterung ie. *bhlē-, *bhlō- ‘Blume, Blüte, Blatt, blühen, üppig sprießen’ zurückgeführt, während die verwandten Bezeichnungen griech. phýllon (φύλλον), lat. folium ‘Blatt’ zu der nicht erweiterten Wurzel ie. *bhel- (s. ↗blühen) gebildet sind. Schon in ahd. Zeit wird mit Blatt auch das ‘Papier-, Pergamentblatt’ und die ‘einzelne Seite eines Buches’ benannt. Als Bezeichnung für ‘Zeitung’ wird Blatt Anfang des 19. Jhs. allgemein üblich; früher begegnet es in der Zusammensetzung Intelligenzblatt (Mitte 18. Jh.), einer Übersetzung von engl. intelligencer ‘Nachrichtenüberbringer, Kundschafter’ (im Engl. seit 1641 als Zeitungsname). Das Wort wird auf viele einem Blatt vergleichbare, dünne, flache Gegenstände übertragen, wie Säge-, Ruder- oder Tischblatt (älter für Tischplatte); in der Jägersprache heißt Blatt die ‘Klinge vom Weidmesser, Hirschfänger’ und der ‘vordere Rumpfteil mit Schulterblatt beim Schalenwild’; dazu Blattschuß m. ‘Schuß auf das Blatt (den Bug) des Wildes’ (19. Jh.). Oft in Wendungen, deren Ursprung nicht immer deutbar ist: kein Blatt vor den Mund nehmen ‘ohne Scheu sprechen, geradeheraus reden’, vgl. schon mhd. dehein blat legen vür mīnen munt; das Blatt hat sich gewendet ‘die Lage hat sich völlig geändert’ (16. Jh.) könnte vom Umwenden der Blätter eines Buches, eines Kartenblatts beim Wahrsagen, vom Drehen der Blätter einer Pappel um den Johannistag oder von bestimmten abergläubischen Bräuchen mit Laubblättern herrühren. blättern Vb. ‘bedruckte, beschriebene Blätter flüchtig ansehen und umwenden, abbröckeln, in dünnen Schichten auseinandergehen’, mhd. bleteren ‘Blatt für Blatt umwenden’. abblättern Vb. ‘sich in dünnen Blättchen ablösen, Blätter verlieren, entfernen’ (17. Jh.). Blätterteig m. ‘Teig aus mehreren Schichten’ (Anfang 18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(sich) abschälen · abblättern · ↗abschilfern  ●  ↗(sich) abpellen  ugs.
Synonymgruppe
(sich) ablösen · ↗(sich) abreißen · ↗(sich) abtrennen · ↗(sich) losreißen · ↗(sich) lösen · abblättern · ↗abbrechen · ↗abbröckeln · ↗abfallen · ↗abgehen · ↗abplatzen · ↗abreißen · ↗absplittern · ↗abspringen · ↗losbrechen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Farbe Fassade Fresko Glanz Lack Putz Stelle Tapete Tünche Verputz Wand allmählich blättern langsam überall

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›abblättern‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Es läuft Musik aus den achtziger Jahren, die schwarze Farbe der Tische blättert ab.
Die Zeit, 27.09.2006, Nr. 46
Der Gang ist schmal, eng, die gelbliche Farbe an der Wand blättert ab.
Süddeutsche Zeitung, 03.04.2003
Inzwischen waren noch ein paar andere Kinder gekommen und einige, die mit mir losgezogen und unterwegs abgeblättert waren, waren auch wieder da.
o. A.[Autorenkollektiv am Psychologischen Institut der Freien Universität Berlin]: Sozialistische Projektarbeit im Berliner Schülerladen Rote Freiheit. Frankfurt: Fischer Bücherei 1971, S. 284
Unter der später aufgebrachten Lackierung rostet es dann nach kurzer Zeit lustig weiter, und die Farbe blättert ab.
Bernd Käsch, Heimwerker-Handbuch: Wiesbaden: Falken-Verlag Erich Sicker 1968, S. 95
Die Farbe, mit der ihre Kleider rot oder blau bemalt sind, blättert schon ab.
Erpenbeck, Jenny: Wörterbuch, Frankfurt am Main: Eichborn Verlag 2004, S. 43
Zitationshilfe
„abblättern“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/abblättern>, abgerufen am 19.07.2019.

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