Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

abergläubisch

Grammatik Adjektiv
Aussprache 
Worttrennung aber-gläu-bisch
Wortzerlegung Aberglaube -isch
eWDG

Bedeutung

im Aberglauben befangen
Beispiele:
abergläubische Menschen
eine abergläubische Angst
ein abergläubisches Geschwätz, Gefühl
ein fast abergläubisches Vertrauen haben
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

aber · Aber · Aberglaube · abergläubisch · abermals · Aberwitz
aber Adv. Konj. drückt als stets betontes Adv. mehrfache Wiederholung aus ‘wieder(um), abermals, noch einmal’, seit dem 16. Jh. allmählich durch wieder (s. d.) verdrängt, heute nur noch in bestimmten Verbindungen wie aber und aber(mals) (‘immer wieder’), tausend und abertausend (‘viele tausend’), Hunderte und aber Hunderte, bezeichnet als Konj. den Gegensatz ‘(je)doch, dagegen’, schränkt eine Behauptung ein ‘allerdings, freilich, immerhin’, verstärkt eine Behauptung, Aufforderung ‘wirklich’, drückt Verwunderung, einen Vorwurf aus aber, aber! (‘nicht doch!, was soll das?’). Ahd. (Adv. und Konj.) avur (auch afa, afar, 8. Jh.), mhd. aber, aver, mnd. āver, ōver, ēver ‘abermals, wiederum, von neuem; aber, dagegen’ sind wie verwandtes got. afar Präp. ‘nach’, Adv. in afaruh þan ‘nachher, später’, anord. norw. (mundartlich) aur- ‘unter, hinter’ (nur in Zusammensetzungen), z. B. anord. aurborð ‘Schiffsplanke vom Kiel’, norw. (mundartlich) aurbenk ‘hinterste Bank in der Stube’, und wohl auch anord. afar- ‘besonders, sehr’ alte Komparativbildungen zu den unter ab und von (s. d.) angeführten Ansätzen ie. *apo, *apu ‘ab, weg’, ebenso aind. aparám ‘später, künftig’, eine adverbial gebrauchte Flexionsform von aind. áparaḥ ‘hinterer, späterer’, awest. apara- Adj. (örtlich) ‘hinterer’, (der Reihenfolge nach) ‘folgender, zweiter’, (zeitlich) ‘späterer, künftiger’ und die (der Deklination der n-Stämme folgenden) germ. Formen asächs. aƀaro, aengl. eafora ‘Nachkomme’. aber bedeutet danach ursprünglich ‘weiter entfernt, später’, woraus sich im Dt. die Bedeutung ‘wieder, noch einmal’ entwickelt. Aus dieser Verwendung im Sinne einer Wiederholung konnte die einen Gegensatz bezeichnende Funktion entstehen. Beides ist bereits im Ahd. ausgebildet, der Gebrauch als Konjunktion endgültig allerdings erst im Spätahd. Aber n. ‘Einwand, Bedenken, Schwierigkeit’ (16. Jh.), Substantivierung der adversativen Konjunktion aber. Aberglaube m. (selten) Aberglauben ‘in falschen Vorstellungen wurzelnder Glaube, Irrglaube, trügerische Vorstellung, Einbildung, Vorurteil’, spätmhd. abergloube, doch geläufig erst seit Ende des 15. Jhs. In Zusammensetzungen dieses Typs (s. auch unten Aberwitz) bezeichnet aber-, ausgehend von der wiederholenden Funktion, das Gegenteil oder unechte Gegenstück des im Grundwort genannten Begriffs. abergläubisch Adj. ‘im Aberglauben befangen, dem Aberglauben entspringend’ (Anfang 16. Jh.), älter (heute ungebräuchlich) abergläubig (Ende 15. Jh.); vgl. mnd. āver(ge)lȫvich, (häufiger) āver(ge)lȫvisch. abermals Adv. ‘noch einmal, von neuem, wiederum’; zusammengezogen aus gleichbed. aber ein(e)s mal(e)s (2. Hälfte 15. Jh.). Aberwitz m. ‘völliger Unsinn, Unsinnigkeit, Irrsinn’, zunächst (14. bis 17. Jh.) Fem., dann (17. Jh.) Mask., gebildet mit aber- (s. oben Aberglaube) zu Witz im Sinne von ‘Vernunft, Verstand, Klugheit’ (s. d.); voraus geht mhd. abewitze f. ‘Unverstand, Wahnsinn’, vgl. mnd. āwit(te).

Thesaurus

Synonymgruppe
abergläubisch  ●  abergläubig  veraltet
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›abergläubisch‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›abergläubisch‹.

Verwendungsbeispiele für ›abergläubisch‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Abergläubisch buchstabiere ich, wenn es mir unterläuft, eine fixe Idee. [Riedel, Susanne: Eine Frau aus Amerika, Berlin: Berlin Verlag 2003, S. 49]
Aber ich will das nicht so dahinsagen, da bin ich abergläubisch. [Die Zeit, 26.12.2011 (online)]
Es soll nicht meine letzte Aufnahme sein, denke ich, plötzlich abergläubisch geworden. [Die Zeit, 07.08.2006, Nr. 32]
Ansonsten bin ich nicht sehr abergläubisch, ein Ritual gibt es nicht. [Süddeutsche Zeitung, 09.09.2004]
Erst fühlte ich mich abenteuerlustig, dann verwirrt, dann abergläubisch, dann verwegen, dann euphorisch, dann hoffnungsvoll, dann solidarisch, schließlich aber vor allem ungeduldig. [Süddeutsche Zeitung, 17.12.2002]
Zitationshilfe
„abergläubisch“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/abergl%C3%A4ubisch>.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
abergläubig
aber-
aber woher denn
aber nicht doch
aber nein doch
aberhundert
aberhunderte
aberkennen
abermalig
abermals