abergläubisch

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungaber-gläu-bisch (computergeneriert)
WortzerlegungAberglaube-isch
eWDG, 1967

Bedeutung

im Aberglauben befangen
Beispiele:
abergläubische Menschen
eine abergläubische Angst
ein abergläubisches Geschwätz, Gefühl
ein fast abergläubisches Vertrauen haben
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

aber · Aber · Aberglaube · abergläubisch · abermals · Aberwitz
aber Adv. Konj. drückt als stets betontes Adv. mehrfache Wiederholung aus ‘wieder(um), abermals, noch einmal’, seit dem 16. Jh. allmählich durch ↗wieder (s. d.) verdrängt, heute nur noch in bestimmten Verbindungen wie aber und aber(mals) (‘immer wieder’), tausend und abertausend (‘viele tausend’), Hunderte und aber Hunderte, bezeichnet als Konj. den Gegensatz ‘(je)doch, dagegen’, schränkt eine Behauptung ein ‘allerdings, freilich, immerhin’, verstärkt eine Behauptung, Aufforderung ‘wirklich’, drückt Verwunderung, einen Vorwurf aus aber, aber! (‘nicht doch!, was soll das?’). Ahd. (Adv. und Konj.) avur (auch afa, afar, 8. Jh.), mhd. aber, aver, mnd. āver, ōver, ēver ‘abermals, wiederum, von neuem; aber, dagegen’ sind wie verwandtes got. afar Präp. ‘nach’, Adv. in afaruh þan ‘nachher, später’, anord. norw. (mundartlich) aur- ‘unter, hinter’ (nur in Zusammensetzungen), z. B. anord. aurborð ‘Schiffsplanke vom Kiel’, norw. (mundartlich) aurbenk ‘hinterste Bank in der Stube’, und wohl auch anord. afar- ‘besonders, sehr’ alte Komparativbildungen zu den unter ↗ab und ↗von (s. d.) angeführten Ansätzen ie. *apo, *apu ‘ab, weg’, ebenso aind. aparám ‘später, künftig’, eine adverbial gebrauchte Flexionsform von aind. áparaḥ ‘hinterer, späterer’, awest. apara- Adj. (örtlich) ‘hinterer’, (der Reihenfolge nach) ‘folgender, zweiter’, (zeitlich) ‘späterer, künftiger’ und die (der Deklination der n-Stämme folgenden) germ. Formen asächs. aƀaro, aengl. eafora ‘Nachkomme’. aber bedeutet danach ursprünglich ‘weiter entfernt, später’, woraus sich im Dt. die Bedeutung ‘wieder, noch einmal’ entwickelt. Aus dieser Verwendung im Sinne einer Wiederholung konnte die einen Gegensatz bezeichnende Funktion entstehen. Beides ist bereits im Ahd. ausgebildet, der Gebrauch als Konjunktion endgültig allerdings erst im Spätahd. Aber n. ‘Einwand, Bedenken, Schwierigkeit’ (16. Jh.), Substantivierung der adversativen Konjunktion aber. Aberglaube m. (selten) Aberglauben ‘in falschen Vorstellungen wurzelnder Glaube, Irrglaube, trügerische Vorstellung, Einbildung, Vorurteil’, spätmhd. abergloube, doch geläufig erst seit Ende des 15. Jhs. In Zusammensetzungen dieses Typs (s. auch unten ↗Aberwitz) bezeichnet aber-, ausgehend von der wiederholenden Funktion, das Gegenteil oder unechte Gegenstück des im Grundwort genannten Begriffs. abergläubisch Adj. ‘im Aberglauben befangen, dem Aberglauben entspringend’ (Anfang 16. Jh.), älter (heute ungebräuchlich) abergläubig (Ende 15. Jh.); vgl. mnd. āver(ge)lȫvich, (häufiger) āver(ge)lȫvisch. abermals Adv. ‘noch einmal, von neuem, wiederum’; zusammengezogen aus gleichbed. aber ein(e)s mal(e)s (2. Hälfte 15. Jh.). Aberwitz m. ‘völliger Unsinn, Unsinnigkeit, Irrsinn’, zunächst (14. bis 17. Jh.) Fem., dann (17. Jh.) Mask., gebildet mit aber- (s. oben Aberglaube) zu ↗Witz im Sinne von ‘Vernunft, Verstand, Klugheit’ (s. d.); voraus geht mhd. abewitze f. ‘Unverstand, Wahnsinn’, vgl. mnd. āwit(te).

Thesaurus

Synonymgruppe
abergläubisch  ●  ↗abergläubig  veraltet
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Angst Atheist Bauer Brauch Börsianer Chinese Furcht Fußballer Gemüt Italiener Mensch Praktik Ritual Ritus Scheu Seeleute Sportler Verehrung Verhalten Volk Vorstellung Wahn Zeitgenosse fast fromm geradezu gläubig grob primitiv religiös

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›abergläubisch‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Abergläubisch buchstabiere ich, wenn es mir unterläuft, eine fixe Idee.
Riedel, Susanne: Eine Frau aus Amerika, Berlin: Berlin Verlag 2003, S. 49
Erstens hätten wir nie mit so einem Erfolg gerechnet, zweitens bin ich abergläubisch ", sagte die stolze Mutter.
Der Tagesspiegel, 11.02.2002
Der bis ins Mark abergläubische Dichter soll auf der Stelle kehrtgemacht haben.
Die Welt, 27.03.1999
Sie sei nie abergläubisch gewesen und habe nie - besonders an diesem Abend nicht an diese Sagen gedacht.
Thoma, Hans: Im Winter des Lebens. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1919], S. 27347
Für meinen abergläubischen Vater mußte er nach jungen Mädchen Ausschau halten.
Kempowski, Walter: Tadellöser & Wolff, München: Hanser 1971 [1971], S. 9
Zitationshilfe
„abergläubisch“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/abergläubisch>, abgerufen am 18.02.2019.

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