abfassen

GrammatikVerb · fasste ab, hat abgefasst
Aussprache
Worttrennungab-fas-sen
Wortzerlegungab-fassen
Wortbildung mit ›abfassen‹ als Erstglied: ↗Abfassung
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
einen Text verfassen
Beispiele:
einen Artikel, Aufsatz, eine Rede, einen Bericht, Brief abfassen
ein Schriftstück, Protokoll, Gesuch, eine Klage, einen Vertrag, ein Gutachten, Urteil, Testament abfassen
einen Roman, ein Gedicht abfassen
etw. in Versen, in Geheimschrift, in französischer Sprache abfassen
etw. geschickt, vorsichtig, neu, im strengen Geschäftsstil abfassen
Archivrat Bock ... welcher ein weitläufiges Werk über nürnbergische Geschichte abfaßte [Wasserm.Gänsemännchen90]
so vorsichtig und schonend sie [die Nachrichten] der Pastor auch abfaßte (= formulierte) [FalladaJeder stirbt479]
2.
jmdn. abfangen
a)
jmdn. auf frischer Tat ertappen und überführen
Beispiele:
er wurde (beim Holzdiebstahl, beim Wildern) abgefasst
Josefs ... Gerichte behandeln die Abgefaßten mit Milde [Feuchtw.Jüd. Krieg130]
Der Coletto ... ist mit der Kleinen abgefaßt worden [H. Mann3,96]
b)
landschaftlich jmdn. auf seinem Wege anhalten
Beispiel:
Auf dem Heimweg hat mich der Patscheider abgefaßt [GanghoferHubertus226]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

fassen · faßlich · faßbar · unfaßlich · unfaßbar · gefaßt · Fassung · fassungslos · abfassen · befassen · erfassen · einfassen · Einfassung · umfassen · umfassend
fassen Vb. ‘(mit der Hand) ergreifen, in Gewahrsam nehmen, enthalten, eine Fassung, Umrahmung geben, sich innerlich zu eigen machen, begreifen’, reflexiv ‘die Selbstbeherrschung (wieder)erlangen’, ahd. faʒʒōn ‘in ein Gefäß füllen, gießen, beladen, bepacken, mit etw. bekleiden’ (9./10. Jh.), mhd. vaʒʒen ‘ergreifen, zusammenpacken, aufladen, überziehen mit etw., rüsten, kleiden, schmücken’, mnd. mnl. vāten, vatten, nl. vatten, anord. fata ‘lose zusamenfügen’ ist wohl zu einem in ahd. faʒʒa ‘Bündel, Bürde, Gepäck, Last’ (um 800), anord. fata ‘Kanne, Bütte’ belegten Substantiv gebildet und gehört daher etymologisch zu ↗Faß (s. d.); vgl. Wissmann Nomina postverbalia 1 (1932) 12. Ausgangsbedeutung ist ‘(in ein Gefäß) füllen, umhüllen, bekleiden’, die in den heute vielfältigen Verwendungsweisen sowie in den meisten Ableitungen und Komposita noch erkennbar ist. faßlich Adj. (17. Jh.), faßbar Adj. (19. Jh.) ‘gut verständlich, einprägsam, konkret’; unfaßlich Adj. (16. Jh.), unfaßbar Adj. (17. Jh.) ‘das geistige Fassungsvermögen übersteigend, absurd’; gefaßt Part.adj. ‘innerlich gerüstet, beherrscht, gelassen’ (16. Jh.). Fassung f. ‘Umrahmung, Vorlage, Version, Selbstbeherrschung’, ahd. faʒʒunga ‘Last, Ladung’ (Hs. 12. Jh.), mhd. vaʒʒunge ‘Faß, Bekleidung, Schmuck’; fassungslos Adj. ‘bestürzt, außer sich’ (19. Jh.). abfassen Vb. ‘in Schriftform bringen, konzipieren’ (17. Jh.), ‘abfangen, festnehmen’ (19. Jh.). befassen Vb. mhd. bevaʒʒen ‘besetzen, befestigen’, später (bis zum 17. Jh.) ‘mit den Händen begreifen, umfassen, einschließen, erfassen’, heute meist reflexiv sich mit etw. befassen ‘beschäftigen’ (18. Jh.). erfassen Vb. ‘ergreifen, begreifen, registrieren’ (17. Jh.). einfassen Vb. ‘umgeben, umschließen, einfüllen’, mhd. īnvaʒʒen; Einfassung f. ‘Einrahmung’ (16. Jh.). umfassen Vb. ‘(mit den Armen) umfangen, einschließen’ (15. Jh.); umfassend Adj. ‘weitreichend, universal’ (18. Jh.). Ferner s. ↗verfassen.

Thesaurus

Synonymgruppe
abfassen · ↗aufnotieren · ↗aufsetzen · ↗formulieren · ↗niederschreiben · ↗skizzieren · ↗umreißen · ↗verfassen
Synonymgruppe
Protokoll schreiben · abfassen · ↗aufschreiben · ↗dokumentieren · ↗notieren · ↗protokollieren · ↗texten · textlich erfassen · ↗verfassen · zu Protokoll bringen  ●  ↗schreiben  Hauptform · zu Papier bringen  auch figurativ · aufs Papier bringen  ugs.
Unterbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
abfassen · ↗abhandeln · ↗ausarbeiten · ↗behandeln · ↗besprechen · ↗erörtern

Typische Verbindungen
computergeneriert

Aufsatz Bericht Deutsch Französisch Gebrauchsanweisung Inschrift Landessprache Latein Notiz Patientenverfügung Prosa Protokoll Rechtschreibung Schreiben Schrift Schriftsatz Schriftstück Sorgfalt Speisekarte Sprache Steuererklärung Testament Urkunde Verlautbarung Vermerk Vers Vorsorgevollmacht Wortlaut fassen schriftlich

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›abfassen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Der Text sei außerdem in deutlich gemäßigterer Sprache abgefaßt als die bisherigen Resolutionen, hieß es im Auswärtigen Amt.
Süddeutsche Zeitung, 15.11.1997
Sein Testament, einige Jahre vor seinem Ableben abgefaßt, verzeichnet 656 Model.
o. A.: Lexikon der Kunst - Z. In: Olbrich, Harald (Hg.), Lexikon der Kunst, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1994], S. 35072
Die Lieder waren so abgefaßt, daß man sie auch nach bekannten Weisen singen konnte.
Lipphardt, Walther: Christelius. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1973], S. 14707
Ich wiederhole, das war so nachdrücklich abgefaßt, daß wir viel darüber gesprochen haben.
o. A.: Einhundertfünfzigster Tag. Samstag, 8. Juni 1946. In: Der Nürnberger Prozeß, Berlin: Directmedia Publ. 1999 [1946], S. 18752
Selten ist ein Buch über das Altern so komisch, so lebensbejahend und dabei doch so melancholisch grundiert abgefaßt worden.
Die Welt, 12.03.2005
Zitationshilfe
„abfassen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/abfassen>, abgerufen am 15.11.2018.

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